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Die Versammlungsräume unseres Nordafrikabüros werden von verschiedenen Initiativen genutzt

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Peter Schäfer,

Blech7es-Konzert im Dar Rosa Photo:Belhassen Handous, RLS Tunis

 

An manchen Tagen ähnelt das Nordafrikabüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) eher einem politisch-sozialen Zentrum, denn normalem Bürobetrieb. Das jüngste Auslandsbüro, das erst seit Sommer 2013 aufgebaut wurde, funktioniert zwar wie andere Stiftungsbüros auch: So werden, mit entsprechendem Verwaltungsaufwand, einerseits Organisationen in ihrer Arbeit unterstützt, deren Ziele sich mit denen der RLS überschneiden. Auf der anderen Seite organisiert die Stiftung eigene Veranstaltungen und Publikationen sowie Austauschprogramme zwischen Linken verschiedener Länder der Region und Europa.

Einen dritten, wichtigen Teil der Arbeit stellt seit Kurzem das Veranstaltungs- und Schulungszentrum des Büros dar. In verschiedenen Räumen des Dar Rosa (arabisch für Rosas Haus), einige mit einem Fassungsvermögen von bis zu 80 Personen, können gleichzeitig Ausstellungen, Seminare und Schulungen organisiert werden. So finden im Dar Rosa nicht nur eigene Veranstaltungen und die von Projektpartnern statt – das Büro selbst initiierte beispielsweise eine Diskussionsreihe unter dem Titel „Über die Linke“, um die interne Kritik an den vielfältigen Ausprägungen der linken Strömung konstruktiv zu nutzen. Das Angebot wird mittlerweile auch von vielen externen Gruppen genutzt. Ausstellungen zu den Themen Migration und soziale Gerechtigkeit wurden gezeigt und Filme vorgeführt. Antirassistische Initiativen organisierten Koordinationstreffen sowie öffentliche Veranstaltungen. Der African Leaders Council wurde hier von sub-saharischen und tunesischen Vereinen gegründet. Eine Initiative aus der Gegend um Nabeul führte eine Schulung zum Thema Klimawandel durch. Darüber hinaus wurde vom Kollektiv Blesh Hiss (arabisch für „geräuschlos“) ein Tonstudio im Dar Rosa eingerichtet, das MusikerInnen und SprachkünstlerInnen zur Produktion frei zugänglicher Aufnahmen unentgeltlich nutzen. Diese Erweiterung nützt insbesondere Jugendlichen, die ansonsten aus finanziellen oder politischen Gründen keinen Zugang zu Räumen haben, da diese entweder städtisch (und meist geschlossen) oder zu konservativ/religiös (das Raumangebot durch Moscheen und religiöse Vereine ist groß) sind.

Die Idee zum Veranstaltungszentrum ist aus der Not erwachsen. So gibt es in Tunis – abgesehen von fensterlosen Hallen, die in den 1960er Jahren eingerichtet wurden und nur über marginale Ausstattung verfügen – nur wenige öffentliche Räume für größere Veranstaltungen die zu mieten sind. Politische Organisationen greifen deshalb auf Veranstaltungsräume in den Hotels der Stadt zurück, was sich einerseits nicht viele leisten können, andererseits diese Miete auch keiner Organisation selbst zugutekommt. Und in Tunis findet täglich eine Masse von Veranstaltungen statt, eben vor allem in den größeren Hotels, was die Dichte der ausländischen Organisationen beziehungsweise die Höhe der Fördergelder für staatliche und nichtstaatliche Projekte widerspiegelt.

Darüber hinaus sind es zu einem guten Teil die wenigen etablierten zivilgesellschaftlichen Organisationen, die die Fördergelder bekommen. Kleinere Initiativen und Gruppen, die im Land seit dem Ende der Diktatur im Januar 2011 zuhauf gegründet wurden, sind weniger begünstigt. So wurde die Rosa-Luxemburg-Stiftung bereits vor ihrer Bürogründung in Tunis von kleineren oder auf ehrenamtlicher Arbeit beruhenden Initiativen um eine geringe finanzielle Unterstützung zur Anmietung von Räumen für Treffen oder Veranstaltungen gebeten. Da Unterstützung dieser Art jedoch an externen administrativen Vorgaben scheiterte, wurde die Idee zum Aufbau eigener Veranstaltungskapazitäten entwickelt, um diesem Mangel so zu begegnen. Nun ist das Büro auf einem guten Wege, sich zu einem Anlauf- und Treffpunkt für die offene Linke zu entwickeln.

Peter Schäfer leitet das Nordafrikabüro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tunis