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80 Jahre Internationale Brigaden

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Dieses Jahr jährt sich der Beginn des Spanischen Bürgerkrieges zum achtzigsten Mal, und am 22. Oktober jährt sich ebenfalls zum achtzigsten Mal die Gründung der Interbrigaden. Der Spanische Bürgerkrieg war der Prolog, der Vorspann zum Zweiten Weltkrieg. In Spanien kam es zum ersten direkten Zusammenstoß zwischen dem internationalen (und einheimischen, spanischen) Faschismus und all jener Kräfte, die sich im Namen des Antifaschismus und der Demokratie, trotz vielfacher ideologischer Unterschiede, zusammengefunden und Widerstand geleistet haben.

Der Verteidigung der Spanischen Republik schlossen sich zwischen 35.000 und 40.000 Interbrigadisten aus über 50 Ländern an. An dieser einmaligen internationalen Solidaritätsbewegung haben auch mehr als 1750 Freiwillige aus dem damaligen Jugoslawien teilgenommen. Der Kampf wurde damals verloren, Spanien fiel in die Hände einer Diktatur, die fast 40 Jahre andauern sollte, und die Welt erlebte in der Folge einen neuen Weltkrieg. Nur ein knappes halbes Jahr nach der Zerstörung der Spanischen Republik begab sich der Faschismus in ein neues, todbringendes Abenteuer, in einen neuen Weltkrieg. Dieser brachte der Welt unvorstellbare Menschenverluste und materielle Zerstörungen, und erst sechs Jahre später, durch die gemeinsamen Anstrengungen der antifaschistischen Koalition, deren integraler Bestandteil auch die jugoslawische Volksbefreiungsbewegung war, konnte der Faschismus besiegt werden.

Für viele Freiwillige, sowohl aus Jugoslawien als auch dem Rest der Welt, kann behauptet werden, dass sie Niederlagen erlitten haben. Nicht nur in Spanien, sondern auch in ihren eigenen Ländern – entweder in den stalinistischen Säuberungen oder den Verfolgungen der McCarthy-Ära nach dem Zweiten Weltkrieg. Dennoch hatte Gregorio Moran Recht als er sagte, dass die Interbrigadisten »Gewinner aller Niederlagen« seien. Warum? Weil sie in die Geschichte und das kollektive, internationale Gedächtnis eingegangen sind als Symbol der Aufopferung für ihre Ideale und Werte. Diese Ideale – Freiheit, soziale Gleichheit und Brüderlichkeit zwischen den Menschen und Völkern – sind auch heute noch nicht verwirklicht, und deshalb ist die Erinnerung an diese Zeit und ihre Akteure auch heute noch von enormer Relevanz. Vor einigen Monaten hat Yanis Varoufakis in Madrid zur »Gründung neuer internationaler Brigaden« aufgerufen um ein neues, wahrhaft demokratisches Europa zu schaffen. Es geht hier natürlich um die Neubegründung der Solidaritätsidee als einer grundlegenden Notwendigkeit aller sozialen und politischen Kämpfe der Gegenwart.

Mit den Niederlagen all jener Bewegungen, die nach dem Sieg über den Faschismus an die Regierung kamen, hat sich eine reduktionistische und pseudokritische Sichtweise etabliert, die jedwede grundlegende Umwandlung des auf sozialen und ökonomischen Ungleichheiten basierenden und auf Profitmaximierung ausgerichteten kapitalistischen Wirtschaftssystems stigmatisiert. Die Menschen ertragen die Folgewirkungen einer Politik, die ihnen immer wieder aufs Neue Entbehrungen, den Verlust sozialer Rechte und den Abbau des Sozialstaats abverlangt.

Das neoliberale Modell hat, in einer ohnehin ungerechten globalen Wirtschaftsordnung, zur weltweiten Wirtschaftskrise geführt und deren Folgen das Anwachsen der Ungleichheit zwischen Staaten, Regionen und, vor allem zwischen den Menschen sind. In diesem Sinne hilft uns ein Blick in die Vergangenheit, nicht nur um die die historischen Ereignisse besser zu verstehen, sondern vor allem um auch die gegenwärtigen Konflikte genauer identifizieren und besser verstehen zu können. Nur in dieser dialektischen Zusammenschau der Vergangenheit und der Gegenwart, im permanenten Perspektivwechsel können wir aus der Vergangenheit heraus die Gegenwart besser verstehen.

Wenn vom Spanischen Bürgerkrieg die Rede ist darf neben der Tatsache, dass es sich um den ersten bewaffneten antifaschistischen Widerstand handelt, nicht vergessen werden, dass die Verteidiger der Spanischen Republik auch für ein sozial gerechteres Gesellschaftssystem eintraten – ein Sachverhalt, den heutzutage selbst viele derjenigen, die sich positiv auf die antifaschistische Tradition berufen, unerwähnt lassen. Für viele Interbrigadisten bedeutete der Einsatz auf Seiten der Republik auch den Einsatz für eine radikal andere Gesellschaftsform – einer Gesellschaft basierend auf Werten wie soziale Gleichheit und Solidarität anstatt Profit und Ausbeutung. Ohne diese Dimension bliebe die Größe und Breite der internationalen Solidarität zur Verteidigung der Republik unbegreiflich.

All dies sind Gründe weshalb die Vereinigung »Spanienkämpfer 1936 - 1939« die Begehung des achtzigsten Jahrestages der Gründung der Interbrigaden für ein gesellschaftlich relevantes Ereignis hält. Deshalb darf diese Begehung nicht rein kommemorativen Charakters sein um an die jugoslawischen Freiwilligen und ihre Mitkämpfer zu gedenken. Das Gedenken muss immer auch die Kontinuität zwischen den damaligen und den heutigen Kämpfen beinhalten.

Das ist der inspirierende inhaltliche Grundsatz des Programms, welches die Vereinigung »Spanienkämpfer 1936 - 1939« in Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Jugoslawischen Kinothek, dem AGE-Archiv aus Madrid sowie dem Katalonischen Nationalarchiv zusammengestellt hat.