News | Alternatives to Society - COP 22 Klimagipfel: Was passiert in Marokko?

Vom 7. bis zum 18. November findet im marokkanischen Marrakesch die 22. UN-Klimakonferenz statt. Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Gipfel.

COP22

 


Dieser Text ist in Kooperation mit der KlimaJournalisten UG entstanden.

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Wenn die Klimakonferenz in Marokko beginnt - gilt dann der Pariser Klimavertrag überhaupt schon?

Ja. Inzwischen haben genügend Länder den Vertrag ratifiziert, also durch ihre nationalen Parlamente oder andere Gremien gebracht, um das nötige Quorum zu erfüllen. 30 Tage später darf das Abkommen in Kraft treten - also genau zu Beginn der Klimakonferenz COP22 in Marrakesch.

Wofür brauchen wir nach der historischen Konferenz in Paris wieder eine Klimakonferenz?

Nun beginnt die mühevolle Arbeit, um die Umsetzung des Abkommens zu regeln. Die Punkte aus dem Abkommen müssen sozusagen in Verordnungen gegossen werden. Eine Art Gebrauchsanweisung für Paris. In Paris wurden viele Punkte lediglich benannt, viele Fragen jedoch nicht weiter spezifiziert. Jetzt müssen die Themen festgelegt werden, muss geklärt werden, was wann diskutiert wird.

Welche Rolle spielen die Klimapläne der einzelnen Staaten auf dem Gipfel in Marokko?

Ein Ziel in Marrakesch ist es, die Klimazusagen der einzelnen Länder so aufzubereiten, dass sie vergleichbar sind. Das Problem: Viele Klimaplänehaben ganz unterschiedliche Basisjahre als Grundlage, ganz unterschiedliche Methoden, wie sie eine CO2-Reduktion anrechnen. In Marokko soll ein Register vorgelegt werden, das zumindest einen besseren Überblick über die verschiedenen Klimapläne gibt und zeigt, welche Annahmen ihnen zugrunde liegen und wo die Lücken sind. Viele der Fragen sind eher technischer Natur.

Was wird Marrakesch zum Thema "Schäden und Verluste" liefern?

Auf dem UN-Klimagipfel 2013 in Warschau haben die Verhandler_innen den sogenannten Warschau-Mechanismus zum Umgang mit den Verlusten und Schäden durch den Klimawandel beschlossen. Dieser Mechanismus läuft nun aus. In Marokko arbeiten die Verhandler_innen nun an einem Fünf-Jahres-Plan, wie mit dem Thema weiter umgegangen wird. Allerdings könnte es auch sein, dass der Plan erst in ein, zwei Jahren beschlossen wird.

Was heißt das konkret?

Es geht um Fragen wie: Sollen Länder für Schäden und Verluste durch den Klimawandel entschädigt werden? Die Industrieländer weigern sich bisher, hier den Zugang zu den Geldtöpfen zu öffnen. Eine Rolle in der Diskussion in Marokko dürften Versicherungen gegen Verluste und Schäden spielen - die sogenannte "InsuResilience". Ziel der Initiative der Industrieländer ist es, 400 Millionen mehr arme Menschen bis 2020 gegen Klimarisiken zu versichern. Außerdem nimmt eine Arbeitsgruppe zur Klimamigration ihre Tätigkeit auf.

Wird es neue Finanzzusagen der reichen Länder geben?

Schon vor dem Gipfel haben die Industrieländer einen Fahrplan vorgelegt, wie die versprochene Klimafinanzierung von jährlich 100 Milliarden Dollar ab 2020 für den Klimaschutz in armen Ländern erreicht werden kann. Jahrelang hatten sich die Industrieländer geweigert, einen belastbaren Plan zu dem Finanzierungsziel vorzulegen. Viele Industrieländer weigern sich auch weiterhin, belastbare Aussagen zu treffen.

Zwar sollen die Mittel für die Anpassung an den Klimawandel verdoppelt werden. Umweltverbände kritisieren aber, dass jene nur ein Fünftel von den 100 Milliarden Dollar ausmachen und vier Fünftel auf die Treibhausgas-Reduzierung entfallen. Übersetzt heißt das: Viel Geld fließt in den Bau von Erneuerbaren-Energien-Projekten, sehr wenig jedoch in die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel, die Vorsorge gegen Engpässe in der Trinkwasserversorgung oder die Anpassung an zunehmende Extremwetterereignisse.

Was ist von Deutschland zu erwarten?

Womöglich wird Deutschland weitere Finanzzusagen machen. Unter anderem will die Bundesregierung auf dem Gipfel eine Initiative vorstellen, die Ländern im globalen Süden dabei helfen soll, ihre Klimapläne umzusetzen und mehr Ökoenergien zu installieren - dieser Punkt soll stärker in die Entwicklungsplanung integriert werden.

Welche Rolle spielt das Land Marokko selbst?

Marokko gilt vielen als Musterknabe in Sachen Energiewende: Das Land baut derzeit am größten Solarprojekt der Welt. Der erste Solarpark dazu wurde im Februar bereits eröffnet. Mit Noor 1 setzte die marokkanische Agentur für Solarenergie eine Anlage mit über 500.000 Spiegeln in die Wüste bei Ouarzazate. Allerdings stehen und fallen die Pläne zum Solarausbau mit den Investitionen des Westens. So hat Marokko sein Ziel, bis 2030 seine Treibhausgas-Emissionen um 32 Prozent zu senken, an 45 Milliarden US-Dollar an Investitionen aus dem Ausland geknüpft, die etwa seinem ehrgeizigen Solarprogramm zugutekommen sollen. Diese werden vom Königreich von oben herab dekretiert, meist ohne Absprache mit der lokalen Bevölkerung, welche zum Beispiel durch Umsiedlungen leidet.

Wie ist die politische Lage in Marokko?

Anfang Oktober gab es erneut Parlamentswahlen, aus denen die moderaten Islamisten von der Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD) als Sieger hervorgingen. Aber die allbestimmende Kraft im Land bleibt der König, welcher auch mit Hilfe seines Geheimdienstes das Entstehen einer Zivilgesellschaft unterdrückt.

Welche Agenda verfolgt Marokko auf der UN-Klimakonferenz?

Marokko will einen Schwerpunkt auf die Anpassung der Landwirtschaft an die Folgen des Klimawandels legen - ein Problem, das in Afrika besonders groß ist. "Bis 2050 wird sich die landwirtschaftliche Produktion auf dem afrikanischen Kontinent verdreifachen", erklärte der marokkanische Botschafter in Deutschland Omar Zniber. Dem gegenüber stehen enorme Probleme wie Wassermangel, Erosion, Verwüstung und eine Verarmung der Landbevölkerung. Die Ernährungssicherheit in Afrika ist durch die Folgen des Klimawandels massiv bedroht.

Werden sich die Wahlen in den USA auf die UN-Klimakonferenz auswirken?

Beides fällt zeitlich zusammen: Einen Tag nach Beginn des Klimagipfels wählen die US-Amerikaner. Für den internationalen Klimaprozess ist der Ausgang der Wahlen von entscheidender Bedeutung. Der Kandidat der Republikaner, Donald Trump, hat schon angekündigt, nach einem etwaigen Wahlsieg das Paris-Abkommen rückgängig zu machen. Das war der Hauptgrund, warum die Staaten im Rekordtempo das Klimaabkommen ratifiziert haben, sodass es schon zu Beginn der Konferenz in Kraft treten kann. Die Verhandler dachten eigentlich, sie hätten noch ein paar Jahre Zeit - jetzt müssen sie viel früher als geplant unter dem Paris-Abkommen loslegen.

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UN-Klimagipfel

Unser Dossier zu COP 22 in Marrakesch

Wir sind vor Ort, beobachten die Verhandlungen, begleiten die Klimagerechtigkeitsbewegung, diskutieren mit verschiedenen AkteurInnen zentrale Themen und berichten kritisch.

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