Publikation Ungleichheit / Soziale Kämpfe - Geschlechterverhältnisse - Arbeit / Gewerkschaften - Kommunikation / Öffentlichkeit Diskriminierungserfahrungen

Vorabveröffentlichung aus der «Untersuchung zur sozialen und beruflichen Situation von freien Mitarbeiter*innen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten»

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Artikel

Herausgeber/ innen

Bundestagsfraktion DIE LINKE, Rosa-Luxemburg-Stiftung,

Erschienen

Dezember 2018

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Diskriminierungserfahrungen freier Mitarbeiter*innen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk

LANGER MEDIA research & consulting führt derzeit im Auftrag der Bundestagsfraktion DIE LINKE und der Rosa-Luxemburg-Stiftung eine Untersuchung zur sozialen und beruflichen Situation von freien Mitarbeiter*innen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten durch.

Ziel der Untersuchung ist es, einerseits die Differenzierungen der unterschiedlichen freien Beschäftigungsverhältnisse innerhalb der öffentlich-rechtlichen Sender darzustellen und andererseits deren Auswirkungen auf die berufliche und soziale Lage der Beschäftigten zu erforschen. Darauf basierend sollen Handlungsempfehlungen für eine soziale Gleichstellung der freien Mitarbeiter*innen erarbeitet werden.

Oft Witze aufgrund der Herkunft. Mobbing eines Teammitglieds. Ständige Überstunden. Sexuelle Anspielungen. Nichteinhalten der Pausenzeiten. Nichtbeachtung der Schwerbehindertenrechte. Frauenfeindliche Sprüche. Mobbing wegen Schwerbehinderung.

62 Befragte nahmen die Möglichkeit der konkreten Beschreibung von Fallbeispielen wahr.

In der jüngeren Vergangenheit und auch parallel zur laufenden Untersuchung machten Fälle von Machtmissbrauch und sexualisierter Belästigung in der internationalen Medienwelt, im Kulturbetrieb und auch in einigen deutschen Rundfunkanstalten Schlagzeilen. Wegen seiner Brisanz und Aktualität wurde der Themenbereich «Diskriminierung» in die Untersuchung aufgenommen und wird nun als erster Teilbereich der Gesamtuntersuchung zur beruflichen Situation der freien Mitarbeiter*innen veröffentlicht. Es ist geplant, die Ergebnisse der Gesamtuntersuchung Anfang 2019 zu publizieren.

Insofern stellen die Befunde zum Themenkomplex «Diskriminierung» nur einen Teilaspekt unserer breiter angelegten Untersuchung zur sozialen und beruflichen Situation der freien Mitarbeiter*innen der öffentlichrechtlichen Rundfunkanstalten dar.

Eine Befragung im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu Diskriminierungserfahrungen in Deutschland kommt zu dem Schluss: «Diskriminierung ist keinesfalls ein Randphänomen, das nur für einen kleinen Teil der Menschen in Deutschland relevant ist. Vielmehr zeigt sich, dass sich mehr als ein Drittel der gesamten Bevölkerung in Deutschland von Diskriminierung betroffen fühlt und es somit als eine gesamtgesellschaftliche Problemstellung zu betrachten ist.» (Antidiskriminierungsstelle des Bundes (Hg.): Diskriminierungserfahrungen in Deutschland, Baden-Baden: Nomos 2017, S. 94.)

Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sind einerseits Teil dieser Gesellschaft, andererseits ist ihre Aufgabe die Abbildung der Wirklichkeit der Gesellschaft. Mehr noch, durch ihren Auftrag sind sie in einer besonderen Verantwortung.

«Auftrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen.» (§ 11 Rundfunkstaatsvertrag)

Die Mitarbeiter*innen der Rundfunkanstalten, deren Aufgabe es ist, diesen Auftrag tagtäglich umzusetzen, müssen deshalb hoch motiviert, wertgeschätzt und selbstverständlich diskriminierungsfrei ihrer Arbeit nachgehen können. Den Anstalten obliegt es dabei, die qualitativ bestmöglichen Arbeitsbedingungen zu schaffen und zu bewahren.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk leistet einen großen Beitrag zur Demokratie. Gerade angesichts fragmentierender Öffentlichkeiten, einer Debatte um Fake News und Angriffen auf die Institution unserer dualen Rundfunkordnung ist die Unabhängigkeit der Berichterstattung von unschätzbarem Wert und wird durch die Befragungsergebnisse nicht in Frage gestellt.
 

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