Publikation Ungleichheit / Soziale Kämpfe - Soziale Bewegungen / Organisierung - Geschlechterverhältnisse - Arbeit / Gewerkschaften - Kämpfe um Arbeit Frauen*streik!

Ingrid Artus über Hintergründe und Inhalte feminisierter Arbeitskämpfe

Information

Autorin

Ingrid Artus,

Erschienen

Februar 2019

Bestellhinweis

Bestellbar

Zugehörige Dateien

Die These einer «Feminisierung von Streiks» ist relativ neu, zumindest in der deutschsprachigen Wissenschaft. «Feminisierung» meint in diesem Zusammenhang, dass nicht nur die Anzahl der streikenden Frauen* zugenommen hat, sondern dass sich dadurch auch die Streikkultur verändert hat, die historisch gesehen stark männlich* dominiert war. Zwar haben viele Studien sowohl die Verlagerung des Arbeitskampfgeschehens in den Dienstleistungsbereich, also die Tertiarisierung von Streiks, als auch die Feminisierung von Erwerbsarbeit thematisiert, aber eher selten wurden diese beiden Phänomene bisher zusammengedacht, das heißt als die «Verweiblichung» von Arbeitskämpfen betrachtet. Auf internationaler Ebene steht die Feminisierung von Streiks durchaus im Rampenlicht, etwa wenn es um rebellische Wanderarbeiterinnen in China oder Gewerkschaftskämpfe in asiatischen Textilfabriken geht. Für und in Deutschland war hiervon bislang eher sporadisch die Rede (vgl. Bewernitz/Dribbusch 2014; Artus/Pflüger 2017; Tügel 2017).

Im Folgenden sollen die Hintergründe und Inhalte des relativ jungen Phänomens feminisierter Arbeitskämpfe erörtert werden. Dass das hier nur kursorisch geschehen kann, versteht sich von selbst, denn die Frage nach «Frauen* und Streiks» berührt den Kern unserer kapitalistischen und patriarchalen Gesellschaftsordnung. Weder die Geschichte von Arbeit, Erwerbsarbeit und Arbeitskämpfen noch die der Frauen* und ihrer Emanzipation kann in diesem Rahmen nachgezeichnet werden. Vielmehr dient das Folgende einer ersten Orientierung. Die Gliederung ist recht einfach: Zunächst geht es um einen historischen Blick auf «Frauen* und Streiks», auch wenn das Forschungsdefizit hier groß ist (s. Abschnitt 1). Anschließend wird die aktuelle Situation beschrieben (s. Abschnitt 2) und in einem dritten Schritt (s. Abschnitt 3) die Frage gestellt, was es bedeutet, wenn Frauen* stärker als früher in das Arbeitskampfgeschehen involviert sind. Ist das überhaupt relevant, wenn jetzt vermehrt Frauen* streiken – und wenn ja, warum? Wie lässt sich das einordnen? Was folgt daraus?
 

Inhalt

Frauen* und Streiks – historisch gesehen

  • Streikende Frauen*
  • Patriarchale Rollenzuweisung: Streiken ist Männer*sache
  • Das Streikverhalten von Frauen* in der Geschichte
  • Lohnarbeiterinnen historisch in der Defensive

Feminisierung von Streiks

  • Erfolgreiche Frauen*streiks
  • Gründe für die Feminisierung von Streiks

Streiken Frauen* anders? Einige Thesen zur politischen Einordnung feminisierter Streiks

  • Neue Streikkultur
  • Neue Streikinhalte
  • Neue Streikstrategien
  • Folgen für die Gewerkschaften
  • Folgen für die Frauen* – und die Gesellschaft

 
Ingrid Artus
forscht zu Arbeitskonflikten, prekärer Arbeit, sozialer Ungleichheit und Geschlechterverhältnissen. Sie lehrt an der Universität Erlangen-Nürnberg.