Publikation Arbeit / Gewerkschaften - Wirtschafts- / Sozialpolitik - Stadt / Kommune / Region - Sozialökologischer Umbau Strukturwandel und Industriepolitik im Ruhrgebiet

Ein historischer Überblick

Information

Erschienen

Juni 2019

Bestellhinweis

Nur online verfügbar

Zugehörige Dateien

Das Ruhrgebiet existiert als Industrieregion seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Es entstand, weil zwischen Ruhr und Lippe große und für die damalige technische Entwicklung gut zugängliche Steinkohlevorkommen vorhanden waren, die für die neue Industrie als Energiequelle gebraucht wurden. Da es kostengünstiger war, Erze zu den Kohlenlagerstätten zur Weiterverarbeitung zu transportieren als der umgekehrte Weg, errichtete man um den Bergbau herum schnell Hochöfen und Stahlwerke ebenso wie Chemieanlagen, da Kohle auch ein Chemierohstoff ist. Insbesondere bei der Herstellung von Koks fallen «Abfallprodukte » an, die sich zu einer Vielzahl von chemischen Produkten weiterverarbeiten lassen. Infolge der sprunghaften Ausweitung der Elektrifizierung nach dem Ersten Weltkrieg wurde Steinkohle dann auch in zunehmend größeren Mengen für die Stromgewinnung eingesetzt. Die im Ruhrgebiet aufgebaute Industriestruktur hing folglich als Ganze in sehr hohem Maße von der Kohle als Grundstoff ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich diese auf die Kohle ausgerichtete Industrielandschaft tief greifend verändert. In der Gegenwart sind nur noch wenige Restbestände dieser alten Struktur vorzufinden. [...]

So wurde in einem sozialpartnerschaftlichen bzw. korporatistischen Dreieck von Montanindustrie, Politik und Gewerkschaften seit den 1950er Jahren eine Reihe von politischen Instrumenten und Maßnahmen entwickelt, um den Strukturwandel zu organisieren. Man kann diese Instrumente und Maßnahmen als in zwei gegenläufige Richtungen gleichwohl parallel zueinander verlaufenden Linien darstellen: Eine Linie verfolgt den geordneten Abbau der Montanindustrie. Und die gegenläufige Parallele verfolgte die Ziele, Ersatz zu schaffen für die wegfallenden Arbeitsplätze der Montanindustrie und den Wirtschaftsstandort Ruhrgebiet zukunftsfähig zu machen. Diese beiden Linien sollen im Folgenden skizziert und bewertet werden.

Jürgen Klute ist evangelischer Pfarrer; 1989 bis 2006 war er Leiter des Sozialpfarramtes des Kirchenkreises Herne (Ruhrgebiet) und in dieser Funktion mit sozial-, regional-, struktur- und wirtschaftspolitischen Fragen befasst; ab 2006 Mitglied des Vorstandes der WASG und später bis 2009 des Vorstandes der Partei DIE LINKE; 2009 bis 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments und wirtschaftspolitischer Sprecher der GUE/NGL; seit 2015 im Ruhestand und als freier Publizist und Journalist tätig (www.europa.blog).