Publikation Geschichte - Parteien- / Bewegungsgeschichte - International / Transnational - Afrika - Südliches Afrika Apartheid No!

Facetten von Solidarität in der DDR und BRD

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Reihe

Buch/ Broschur

Herausgeber/ innen

Andreas Bohne, Bernd Hüttner, Anja Schade,

Erschienen

Dezember 2019

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Mitte 2017 erhielt die Rosa-Luxemburg-Stiftung eine Anfrage des südafrikanischen Museums Liliesleaf. Auf dem Gelände der alten Farm Liliesleaf befand sich zwischen 1961 und 1963 ein geheimer Treffpunkt südafrikanischer Anti-Apartheid-Aktivist*innen. Bei einer Razzia der südafrikanischen Geheimpolizei wurden 19 Personen, darunter Nelson Mandela und Denis Goldberg, festgenommen und zu langjährigen und lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt. Seit vielen Jahren wird auf dem Gelände durch Ausstellungen und Veranstaltungen an den Widerstand gegen das Apartheid-Regime erinnert.

Die Anfrage kam von Nicolas Wolpe, dem Sohn des bekannten Anti-Apartheid-Aktivisten Harold Wolpe und langjährigen Leiter des Museums. Unter dem Titel «Memory against forgetting» werden in Liliesleaf die vielfältigen Facetten der internationalen Solidarität dokumentiert, die neben der Massenmobilisierung, der Untergrundarbeit und der Gründung des bewaffneten Arms des ANC, des Umkhonto we Sizwe, als vierte entscheidende Säule im südafrikanischen Befreiungskampf gilt. Nach Schweden und Norwegen sollte als dritter Staat die DDR einen eigenen Ausstellungsraum erhalten.

Für die Rosa-Luxemburg-Stiftung ist die Auseinandersetzung mit der ostdeutschen Solidarität kein einfaches Unterfangen. Wir sind uns bewusst, dass wir es mit einem Paradox zu tun haben: Während Solidarität geleistet und «Freiheit» für die Mehrheit der Menschen in Südafrika eingefordert wurde, blieben grundlegende demokratische Rechte und menschenrechtliche Standards der eigenen Bevölkerung versagt. Dennoch haben sich unzählige Personen aus Staat, Kirche und Zivilgesellschaft der DDR engagiert. Dass in der DDR internationale Solidarität staatliche Programmatik war und durchaus außenpolitischen Interessen im Kalten Krieg diente, soll dieses Engagement weder delegitimieren noch den Einsatz,
die Empathie und die Leistungen der einzelnen Akteur*innen mindern, sondern im Gegenteil mit einem kritischen Blick in all seinen Facetten beschreiben, hervorheben und wertschätzen.

Die Bedeutung der oft vernachlässigten ostdeutschen Solidaritätsarbeit in der deutschen Erinnerungskultur und Geschichtsschreibung zu stärken ist ein Ziel dieser Publikation und der gleichzeitig freigeschalteten Webseite www.apartheid-no.de. Solche Solidarität war keineswegs exklusiv. Den Kampf gegen die Apartheid unterstützten zwar nur einige wenige Staaten, aber unzählige zivilgesellschaftliche Bewegungen und Initiativen, auch in der Bundesrepublik. Im Gegensatz zu ihren ostdeutschen Verbündeten im Kampf gegen die Apartheid agierten die westdeutschen Aktivist*innen und Gewerkschafter*innen jedoch innerhalb eines Systems, das nicht nur große Sympathien für das Apartheid-Regime hegte, sondern es offen und offensiv unterstützte.
 

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Apartheid No!
Facetten von Solidarität in der DDR und BRD
November 2019
ISBN: 978-3-948250-05-8

Übersetzung: lingua trans fair | Cornelia Gritzner

Gefördert von der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) der Bundesrepublik Deutschland.

Inhalt

  • Deutsche Anti-Apartheid-Solidarität
    Fragen stellen
    ANDREAS BOHNE / JÖRN JAN LEIDECKER
  • Facetten der Anti-Apartheid-Solidarität
    Einleitung
    ANDREAS BOHNE / BERND HÜTTNER / ANJA SCHADE
Akteur*innen, Arenen und Aushandlungen
  • Brüderliche Verbundenheit mit allen aufrechten Kämpfern
    Die Solidarität der DDR mit dem südafrikanischen Befreiungskampf
    ANJA SCHADE
  • Solidarität und Diplomatie
    Erfahrungen in Afrikas Frontstaaten und bei den Vereinten Nationen
    HANS-GEORG SCHLEICHER
  • «Komma, including armed struggle»
    Über das Engagement der DDR auf UNO-Ebene
    INTERVIEW MIT MATTHIAS ZACHMANN
  • «… für die genannten Komitees Flüge bezahlt»
    Zur internationalen Vernetzung der DDR-Solidaritätsarbeit
    INTERVIEW MIT WILLI SOMMERFELD
  • «Die Finnen haben uns das Papier zur Verfügung gestellt»
    Zur internationalen Zusammenarbeit
    PETER STOBINSKI
  • Kooperation unter der Oberfläche
    Prosüdafrikanische Lobbyarbeit und Propaganda in der Bundesrepublik
    ANDREAS KAHRS
  • «Wir standen wegen unserer Politik gegenüber Südafrika am Pranger der Weltöffentlichkeit»
    Die Politik der Bundesrepublik gegenüber Südafrika auf UN-Ebene
    INTERVIEW MIT HANS-JOACHIM VERGAU
  • «Die Suche nach dem richtigen Weg»
    Die Südafrika-Politik der Bundesrepublik Deutschland
    KLAUS FREIHERR VON DER ROPP
  • Zur internationalen Zusammenarbeit der westdeutschen AAB
    Meine Begegnungen und Erfahrungen
    GOTTFRIED WELLMER
  • Solidaritätsbewegung und Heldenverehrung
    Zur ambivalenten Bedeutung von Ikonen
    HENNING MELBER
  • Wie hältst du es mit der Freiheitscharta?
    Solidarität mit der Befreiungsbewegung zwischen Bekennertum und kritischer Solidarität
    LOTHAR BERGER
Motive und Mobilisierung
  • Sonderschichten für Nelson Mandela
    Erinnerungen an die Solidarität mit dem ANC
    PETER STOBINSKI
  • «Einmal haben wir eine ganze Schiffsladung Zement verschickt»
    Zur Verwirklichung der materiellen Solidarität
    INTERVIEW MIT GERDA GLIENKE
  • «Wir haben dann in unserer Schule Solidaritätsbasare gemacht …»
    INTERVIEW MIT PETRA TÜRKMEN
  • Gute Gesichter
    Nachdenken über DDR-Kinder und ihre Solidarität mit Unterdrückten
    ANJA MAIER
  • «Bücherbasar auf dem Alexanderplatz»
    Über die Solidaritätsarbeit der Journalist*innen
    INTERVIEW MIT JÜRGEN LESKIEN
  • «... mit dieser Präsenz»
    Über den Solidaritätsbasar auf dem Alexanderplatz
    INTERVIEW MIT KARIN SINGH
  • Sand ins Getriebe gestreut
    Boykottaktionen der bundesdeutschen Anti-Apartheid-Bewegung
    INGEBORG WICK
  • «Wir haben auch etwas gelernt»
    Gewerkschaftliche Solidarität mit Südafrika
    SIGRID THOMSEN
  • Karitatives Engagement vs. politische Verantwortung
    Die evangelische Kirche der DDR und die Entwicklungsländer
    MARIA MAGDALENA VERBURG
  • Teil einer weltweiten Solidaritätsbewegung
    Die evangelischen Kirchen in der DDR und der Befreiungskampf in Südafrika
    FRIEDERIKE SCHULZE
  • «… dann spenden Sie kein Geld dafür»
    Ökumenische Jugendarbeit in der DDR
    INTERVIEW MIT GISELHER HICKEL
  • Wie politisch soll Kirche sein?
    Die westdeutschen Kirchen und das südafrikanische Apartheid-Regime bis 1989
    SEBASTIAN TRIPP
  • «… somit waren wir Teil des Problems in Südafrika»
    Zur Rolle der EKD und MAKSA
    INTERVIEW MIT MARKUS BRAUN
  • «Dann geht doch gleich rüber»
    Engagement bei den «Frauen für Südafrika – gegen Apartheid» in West-Berlin
    INTERVIEW MIT NINI KRAATZ
Kunst, Konsum und Kultur
  • Kampagnen gegen die Apartheid in Ost- und Westdeutschland
    Plakate als Medium der Solidarität
    HEIKE HARTMANN UND SUSANN LEWERENZ
  • Zum gegenseitigen Vorteil
    Auftritte von Miriam Makeba in der DDR
    ANDREAS BOHNE
  • Anti-Apartheid-Pop
    Kontroversen um das Mandela-Konzert 1988
    DETLEF SIEGFRIED
Krisen, Kritik und Kontinuitäten
  • An der Basis
    Engagement in der Anti-Apartheid-Initiative
    ILONA SCHLEICHER
  • «Keiner hat mehr gespendet, als wir unter der Treuhand standen»
    Über die Wendezeit
    INTERVIEW MIT KLAUS-DIETER PETERS
  • Kritische Solidarität nach 1994
    Eine Bewegung erschafft sich neu
    SIMONE KNAPP
  • Unfinished business!
    Entschädigungsklagen von Apartheid-Opfern gegen Unternehmen
    MIRIAM SAAGE-MAASS / ANDREAS BOHNE
  • Von Cabora Bassa bis Marikana
    Banken und Konzerne im Kampagnen-Fokus
    JOACHIM BECKER
Was kommt?
  • Internationalismus heute
    Perspektiven und Probleme eines linken Grundwertes
    PETER WAHL
  • Zur Notwendigkeit eines Neuen Internationalismus
    Einige vorläufige Gedanken und Thesen
    BORIS KANZLEITER
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