Dokumentation Kein Land in Sicht für die Seenotrettung?

Über die Kriminalisierung der Helfenden

Information

Veranstaltungsort

Rosa-Luxemburg-Stiftung
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin

Zeit

18.02.2019

Veranstalter

Henning Obens,

Themenbereiche

Soziale Bewegungen / Organisierung, Migration / Flucht, Arabischer Naher Osten / Türkei

Das Mittelmeer ist seit der Einstellung des europäischen Seenotrettungsprogramms «mare nostrum» noch viel gefährlicher geworden. Tausende Menschen ertrinken jedes Jahr bei dem Versuch nach Europa zu kommen. Viele Menschen haben sich entschlossen privat und unter persönlichem Einsatz in die Bresche zu springen und selbst Seenotrettung zu leisten, eine breite Solidarisierung durch die Seebrücken-Bewegung, aber auch eine massive Kriminalisierung durch einige Staaten der EU ist die Konsequenz dieses Einsatzes.

Kein Land in Sicht für die Seenotrettung?

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung begrüßte am 18. Februar 2019 zwei bekannte Gesichter dieser Seenotretter*innen, die sich vor Gerichten verteidigen müssen.  Claus-Peter Reisch steht momentan in Malta vor Gericht, ihm wird eine fehlerhafte Registrierung der «Lifeline» vorgeworfen. Der Kapitän aus Bayern ist durch sein couragiertes Auftreten bekannt geworden. Sara Mardini wurde in Griechenland wegen  «Menschenschmuggel, Geldwäsche, Spionage und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung» festgenommen, sie hatte als Freiwillige für die NGO ERCI (Emergency Response Centre International) Flüchtlinge auf Lesbos betreut. Sie war bekannt geworden, weil sie 2015 zusammen mit ihrer Schwester Yusra ein havariertes Flüchtlingsboot stundenlang schwimmend in Sicherheit gebracht hatte.

Nach einem Bericht zur Lage auf dem Mittelmeer von Claus-Peter Reisch interviewte die Vorstandsvorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Dagmar Enkelmann, ihn und Sara Mardini zu den Anklagen gegen beide und ihre Motive, sich der Seenotrettung anzuschließen. Der mutige Einsatz beider Aktivist*innen wurde im mit ca. 120 Personen sehr gut gefüllten Salon der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Applaus quittiert. Besonders das Auftreten des Kapitäns Reisch bei den bayrischen Filmfestspielen einige Tage zuvor wurde vom Publikum goutiert. Zum Abschluss sprach auch der Musiker Walid Habash über seine Erfahrungen von Flucht und Ankommen und spielte eigene und Coverversionen bekannter Friedenslieder für das Publikum.

Die Tageszeitung neues deutschland zeigt in der Ausstellung «Kein Land in Sicht für die Seenotrettung» die Arbeit der privaten Seenotrettungscrews von 2015 bis heute.
Die Ausstellung ist vom 18.02.2019 bis 11.03.2019 im Foyer des Franz-Mehring-Platz 1 in Berlin geöffnet.