Nachricht | Geschichte - Rosa Luxemburg - Rosa-Luxemburg-Stiftung Auf den Spuren Rosa Luxemburgs

Kürzlich wurden in Warschau an verschiedenen Orten Filmaufnahmen gemacht, die den Lebensspuren Rosa Luxemburgs nachzugehen suchten.

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Auf dem Jüdischen Friedhof der Stadt, dem größten Europas, galt die Aufmerksamkeit den Gräbern der Eltern Rosa Luxemburgs sowie dem Grab des großen Bruders Józef, der sich als Arzt in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg nachdrücklich für die Entwicklung des öffentlichen Gesundheitswesens in Polens Hauptstadt eingesetzt hatte. Józef war der erste in der Familie Luxen(m)burg, der ein Hochschulstudium absolvierte, weshalb Rosa ihm unbedingt nacheifern wollte, so dass sie schließlich außer Landes ging, denn innerhalb des Zarenreichs war ein Hochschulstudium für Frauen damals ausgeschlossen. Ihre Mutter sah Rosa Luxemburg nie wieder, mit dem Vater fuhr sie im Sommer 1899 einige wenige Wochen zur Kur nach Schlesien und Mähren.

Nach Warschau kehrte Rosa Luxemburg erst Ende Dezember 1905 zurück – illegal und auf abenteuerlichem Weg –, weil sie fest mit dem baldigen Erfolg der Revolution im Russischen Reich rechnete. Alle Warnungen ihrer Freunde in Berlin schlug sie in den Wind, sie zog es in die Nähe der Revolutionskämpfe, die im polnischen Warschau eines ihrer wichtigen Zentren hatten. Außerdem wusste sie ihren Lebenspartner Leo Jogiches bereits vor Ort, mit dem sie sich nun künftig in die geliebte Redaktionsarbeit stürzen wollte. Am 4. März 1906 gingen beide der Zarenpolizei in die Fänge, lernten dann die berüchtigten Gefängnisse in der Stadt kennen, die seit langem den unzähligen politischen Gefangenen vorbehalten waren – den Pawiak und den X. Pavillon in der Warschauer Zitadelle. Rosa Luxemburg kam Ende Juni 1906 unter starken Auflagen aus dem Gefängnis heraus, weil sich der Gesundheitszustand spürbar verschlechtert hatte. Sie nutzte die Gelegenheit, um im Sommer des gleichen Jahres über St. Petersburg und Finnland schließlich nach Deutschland zurückzukehren.

Zu den wichtigen, erhalten gebliebenen Erinnerungsstücken an Rosa Luxemburg gehört das Herbarium, das sie von 1913 bis zur Entlassung aus dem Breslauer Strafgefängnis im November 1918 geführt hatte. Das Herbarium schlägt einen Bogen zurück zum ursprünglichen Studienwunsch, denn die junge, aus dem Zarenreich geflüchtete Rosa wollte in Zürich eigentlich Biologie oder – am liebsten – Botanik studieren. Die rasche Bekanntschaft mit Leo Jogiches durchkreuzte allerdings diese Pläne. Heute ist das Herbarium in Warschau im staatlichen Archiv Neue Akten (Archiwum Akt Nowych) aufbewahrt, wobei der Weg, auf dem das Herbarium aus dem Gefängnis in Breslau bis in das Warschauer Archiv gelangt ist, nicht mehr zweifelsfrei nachvollzogen werden kann.