Nachricht | Ungleichheit / Soziale Kämpfe - Geschlechterverhältnisse - Kultur / Medien - Kunst / Performance - Feminismus «Beyond Dreams» – Intersektionale Perspektiven auf «class, race & gender»

Ein Besuch bei der Feminist Film Week in Berlin

Am Sonntag, den 11. März wurde im Rahmen der Feminist Film Week in Berlin-Neukölln der schwedische Film «Beyond Dreams»(Regie: Rojda Sekersöz) gezeigt. Der Film und die anschließende Podiumsdiskussion griffen die Themen Gender, Prekarität und Migration auf.

Als die junge Frau Mirja aus dem Gefängnis entlassen wird, sieht sie sich, zurück in einem suburbanen Stadtteil Stockholms, vor mehrere Herausforderungen gestellt. Sie muss einen Job finden, ihre Mutter ist todkrank, und die Verantwortung für die kleine Schwester liegt nun plötzlich bei ihr. Krass stechen dagegen die Vorstellungen und Wünsche ihrer besten Freundinnen ab, die ihrem Leben entkommen und von einem anderen Leben weit weg von ihrer aktuellen Realität in Montevideo träumen, das sie durch einen Raubüberfall finanzieren wollen. Mirja muss sich entscheiden, entweder Verantwortung für ihr Leben und ihre Herkunftsfamilie zu übernehmen oder ihrer Girl Clique als verschworenem sozialem Zuhause zu folgen und den ursprünglich gemeinsamen Träumen gegenüber loyal zu sein. Der Film zeigt den spannungsgeladenen Kampf Mirjas, die gegen stigmatisierende Vorurteile, Klassen-, Gender- und ethnische Schranken feministisch-kämpferisch aufbegehrt und versucht, auf ihre Weise sich  den Widersprüchen, mit denen sie konfrontiert wird, zu stellen.  Manche zarten Solidarisierungsbande, die sie mit Kolleg*innen, bspw. in einem Job als Serviceperson im Zimmerdienst in einem Hotel knüpft, brechen schließlich vor dem institutionellen Zwangs- und Klassenkonsens der Unterordnung und Hierarchie schnell weg. Aber Mirja gibt nicht auf…

Die anschließende Diskussion moderierte Karin Fornander, eine der Organisatorinnen der Feminist Film Week. Nadire Y. Biskin, Sophia Söderquist und Katharina Pühl diskutierten unterschiedliche Aspekte des Films. Oft sind es vor allem (junge) Frauen mit Migrationshintergrund aus der Arbeiter*innenklasse, die wie Mirja prekärer Beschäftigung nachgehen müssen, um für sich und ihre Familien eine Grundversorgung gewährleisten zu können. Die Überschneidung von «class, race and gender» macht es so oft schwer, dem sozialen Milieu zu entkommen und die prekäre Lebenssituation zu verbessern.

Die Feminist Film Week findet vom 8. bis 14. März 2018 zum fünften Mal in verschiedenen Locations in Berlin statt. Sie soll jungen, talentierten Frauen, People of Color und queeren Filmemacher*innen die Möglichkeit geben, sowohl vor als auch hinter der Kamera, als Regisseur*in oder in anderen Rollen der Produktion in Erscheinung zu treten. Feministisches Empowerment steht so eindrücklich der fehlenden Diversität in der von weißen Männern dominierten Medienwelt entgegen!

Die Veranstaltung wurde aus Mitteln der Rosa-Luxemburg-Stiftung mitgefördert.

Laura Dittmann und Katharina Pühl