Publikation Sozialökologischer Umbau Nachhaltige Entwicklung – sozial-ökologischer Umbau

Kernbereiche linker Politik. kontrovers 02/2010 (Beiträge zur politischen Bildung)

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Erschienen

September 2010

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1. Nachhaltige Entwicklung – Gefährdungen und Chancen

Alltagserfahrungen – beunruhigende Entwicklungen Meldungen über Klimaveränderungen, Naturkatastrophen und Zerstörungen unserer natürlichen Umwelt gehören mittlerweile zu unserem Alltag. An Nachrichten über Hurrikane, Tsunamis und Erdbeben sind wir schon fast gewöhnt. Wir erfahren, dass wichtige industrielle Rohstoffe und fossile Energieträger wie Kohle und Öl in wenigen Jahrzehnten kaum noch zur Verfügung stehen werden. In großen Regionen der Erde mangelt es bereits jetzt an Wasser und anderen lebenswichtigen Gütern. In dichtbesiedelten Gebieten und industriellen Ballungszentren leiden die Menschen unter Luftverschmutzung, Lärm und sich häufenden Abfallbergen. In der Natur sind weitere Pflanzen- und Tierarten vom Aussterben bedroht. Die Furcht vor Klimaveränderungen und Naturkatastrophen hat auch in Deutschland zugenommen.

In einer Minute …
… beträgt der Kohlendioxid-Ausstoss über 38.000 Tonnen.
… zerstören die Menschen 3,5 Quadratkilometer Wald.
… produzieren wir alle über 15.000 Tonnen Müll.
… belasten zusätzlich über 90 neue Autos unsere Umwelt.
… werden rund 60.000 Tonnen Erde abgeschwemmt oder abgetragen.
… nimmt die Erdbevölkerung um 165 Menschen zu.
… geht fast ein Quadratkilometer Naturfläche durch Bebauung oder Versiegelung verloren.
… sterben ca. 40 Menschen an Hunger.
(Aus: Hans-Georg Herrnleben/Jochen Henrich, Thema im Unterricht 7/1997: Umweltfragen, Bundeszentrale für politische Bildung Bonn)

Fragen der Nachhaltigkeit gehören ins Zentrum linker Politik im 21. Jahrhundert. Dabei besteht die Herausforderung für Linke nicht nur darin, Gefahren, Risiken und Bedrohungen
aufzuzeigen. Vielmehr sind die gesellschaftlichen und politischen Ursachen und Zusammenhänge zu analysieren und aufzudecken. Schließlich enthalten kapitalistische Gesellschaften eine Reihe von Errungenschaften und Entwicklungspotenzialen, an die anknüpfend sich Chancen für neue Entwicklungsperspektiven ergeben. Es sind realistische Alternativen zu entwickeln und zu verbreiten, die eine andere, eine nachhaltige Entwicklung ermöglichen.

Zu den beunruhigenden Faktoren unseres heutigen Alltagslebens gehören auch zunehmende Ängste vor Gewalt und Kriminalität, vor Terrorismus und Krieg, vor Perspektivlosigkeit,
sozialen Notlagen, schweren Erkrankungen und Pflegebedürftigkeit im Alter. Viele Menschen leiden unter der Angst vor persönlichem Versagen, vor Arbeitslosigkeit und vor sozialem
Abrutschen. Ihr Blick in die Zukunft ist voller Sorgen und Zweifel. Vor allem hält die Sorge um sichere Arbeitsplätze an.

Laut einer Repräsentativ-Umfrage unter 1000 Deutschen, die vom Meinungsforschungsinstitut EMNID im Auftrag des Karriere-Portals jobware.de seit Beginn 2000 durchgeführt wurde, haben 30 Prozent der Deutschen Angst vor der Zukunft. Hochgerechnet sind dies 23,3 Millionen Bundesbürger, die sich Sorgen über das Morgen machen. Vor allem hält die Sorge um sichere Arbeitsplätze an. 31 Prozent der Berufstätigen (dies entspricht 8,1 Millionen Menschen) befürchten, dass ihr Arbeitsplatz gefährdet sein könnte.

Mit Blick auf die Zukunft macht sich auch in weiten Teilen der Jugend Unruhe breit. Verantwortlich ist hierfür vor allem die Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren oder keinen angemessenen Job zu finden. Viele junge Menschen verfügen über Kreativität und gute Fähigkeiten, die sie unter den gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen jedoch nicht voll zur Entfaltung bringen können. Frust macht sich breit. Während die vorhergehenden Generationen in ihrer Jugend noch so etwas wie Utopien und optimistische Zukunftsvorstellungen besaßen, leidet die heutige Jugend unter fehlenden Perspektiven und aktivierenden Orientierungen. Vermisst werden anspornende Zukunftsbilder als Alternative zur nur auf Konsum ausgerichteten
Gesellschaft.
(Vgl.: Jugendstudie vom Rheingold- Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen aus dem Jahre 2007)

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