Nachricht | Staat / Demokratie - Parteien / Wahlanalysen - International / Transnational - Europa - Europa / EU - Frankreich-Wahl 2017 «En Marche!»

Mehr als 100 Menschen sind im April dem Aufruf der Berliner Sektion von «En Marche!» in ein Hotel am Alexanderplatz gefolgt. Eine Audioreportage mit Stimmen von Teilnehmenden.

Team von «En Marche! Berlin» beim «March for Europe» in Berlin, 25. März 2017, En Marche! Berlin

Die Präsidentschaftswahlen betreffen auch die Französinnen und Franzosen, die im Ausland leben. Eine Million Emigrant*innen haben sich in den Wählerlisten in den jeweiligen Konsulaten eingeschrieben und werden nun dementsprechend von den verschiedenen Kandidat*innen umworben. In Berlin wurden die hier lebenden französischen Staatsbürger zum Beispiel vom Wahlkampfteam Jean-Luc Mélenchons und der Bewegung «La France Insoumise» besucht. Auch Emmanuel Macron und seine Bewegung «En Marche!» bemüht sich um Wählerstimmen. Anfang April hat Julien Mechaussie einem von «En Marche»-Aktivist*innen organisierten Meeting in der 37. Etage eines großen Hotels am Alexanderplatz beigewohnt. Mehr als 100 Menschen sind dem Aufruf der Berliner Sektion von «En Marche!», unter dem Vorsitz von Olivier Fleckinger, gefolgt. Das Programm wird an die Anwesenden verteilt, der Beamer installiert und eine Power-Point-Präsentation gestartet: alles ist bereit für eine zweistündige Wahlkampfveranstaltung. 

Julien Mechaussie ist französischer Journalist und Korrespondent, u.a. für Radio France Internationale, Deutsche Welle und die Gruppe So Press. Er ist Autor des Textes «Die französische Linke – eingekeilt zwischen Sozialisten und Front National» in unserem Dossier zur Frankreich-Wahl 2017.

«En Marche!» - Audioreportage #2 zur Frankreichwahl 2017

Mitwirkende

Julien Mechaussie,

Dauer

4:06

Anfang April hat Julien Mechaussie einem von Treffen von «En Marche! Berlin» in der 37. Etage eines großen Hotels am Alexanderplatz beigewohnt. Mehr als 100 Menschen sind dem Aufruf der Berliner Sektion von «En Marche!» gefolgt. Das Programm wird an die Anwesenden verteilt, der Beamer installiert und eine Power-Point-Präsentation gestartet: alles ist bereit für eine zweistündige Wahlkampfveranstaltung.

Übersetzung O-Töne

0’09 – 0’14

«Guten Tag, ich bin Olivier Fleckinger, ich bin der Vorsitzende des Berliner En Marche-Kommitees …»
 

0’18 – 0’48

«Die erste große Veränderung ist geographischer Natur. Wenn du in Berlin Wahlkampf machen willst, kannst du dich natürlich nicht einfach auf einen Wochenmarkt stellen und die Leute ansprechen. Also müssen wir die Leute über die Themen zu uns holen. Seit drei Monaten organisieren wir quasi einmal wöchentlich ein Meeting und diskutieren Dinge wie Arbeitsmarktpolitik, Sozialversicherung. Und die Leute kommen zu uns, laden Freunde ein. Und ehrlich gesagt helfen die sozialen Medien sehr bei der Mobilisierung.»
 

0’55 – 1’31

«Ich heiße Gaël und bin  40. Ich lebe seit 5 Jahren mit meiner Frau und unseren 3 Kindern in Berlin. Ich arbeite im Bereich pharmazeutische Industrie.  

Ach, unsere Ausstattung ist sehr simpel, wir haben T-Shirts, auf denen En Marche steht. So erkennen uns die Leute und wir können sie angemessen empfangen, ihnen den Weg weisen und das Programm geben. Wir schreiben ihre Adressen auf, falls sie bei En Marche Mitglied werden oder etwas spenden wollen. Wir stehen auch zur Verfügung, falls sie noch jemanden suchen, der mit einer Vollmacht für sie in die Wahlkabine geht. Es gibt nicht wenige, die zu uns sagen: 'Ich kann am 23. April physisch nicht in Berlin sein, könnte jemand für mich wählen gehen?'.»

[Anmerkung der Übersetzerin Franziska Albrecht: In Frankreich gibt es keine Briefwahl, aber man kann jemanden mittels einer Vollmacht beauftragen, an seiner statt wählen zu gehen.]
 

1’34 – 1’59

«Guten Tag, Adrianne Montgobert. Ich lebe seit 2011 in Berlin, also jetzt seit sechs Jahren, und bei jeder Wahl wähle ich auch hier. Und Macron finde ich interessant.  

Ja natürlich, das ist klar. Naja, es gibt Internet, es gibt Radio (lacht) … man kann sich hier auch alles anhören, aber es ist doch sicher nicht die gleiche Atmosphäre und Stimmung wie zurzeit in Frankreich …»
 

2’03 – 2’35

«Guten Abend, ich heiße Xavier Gouffaud. Ich wohne seit 1999 in Berlin. 

Ja, na klar. Wenn man im Ausland lebt, gibt es viel weniger Möglichkeiten, an Wahlkampfveranstaltungen teilzunehmen, und das ist jetzt hier natürlich eine gute Möglichkeit. Leider konnte ich nicht teilnehmen als Macron selbst in Berlin war, oder auch die anderen Politiker, obwohl es mich interessiert hätte. Aber dieses Treffen hier gibt mir Möglichkeit, zusätzliche Fragen zu stellen, Fragen, die sich bei der Lektüre der verschiedenen Dokumente, Programme, der Presse oder auch beim Stöbern im Internet nicht beantworten lassen.»
 

2’40 – 3’08

«Ja, das stimmt. Ich denke wirklich, dass es diesbezüglich einen Unterschied zwischen Frankreich, Deutschland und Nordeuropa gibt. In Frankreich gibt es vielleicht eine größere Akzeptanz der Korruption. Vielleicht ist das eine politische Frage. Allerdings glaube ich auch, dass Frankreich in dieser Frage etwas von seinen Nachbarn lernen könnte, zum Beispiel von Deutschland oder Nordeuropa, ja ...»
 

3’11 – 3’51

«Ja, im Grunde genommen sind diese Wahlen eine typisch französische Angelegenheit und zwar auch für die Franzosen, die im Ausland leben. Denn was oft vergessen wird ist, dass diese französischen Bürger sehr viele französische Medien konsultieren, lesen, gucken. Genau, das ist das erste. Zweitens steht für die Franzosen im Ausland ja auch viel auf dem Spiel: ihre Familien und auch ihre Liebe zu Frankreich. Man glaubt oft, dass die «Auslandsfranzosen» ihr Land nicht lieben, aber das stimmt nicht. Die meisten Menschen lieben ihr Land. Sie sind traurig, wenn sie sehen, dass es Frankreich nicht gut geht. Und sie freuen sich, wenn Frankreich Erfolge feiern kann. Also was sie interessiert, ist einfach die Zukunft Frankreichs. Na, klar. Das sieht man ja, denn in den Wahlprogrammen gibt es auch einen Abschnitt zu den Franzosen im Ausland. Also für diese Programmpunkte interessieren sich die Leute hier, aber natürlich gibt es auch ein großes Interesse am Schicksal Frankreichs.»