Nachricht | Geschichte - International / Transnational «Ohne Widerspruch kein Fortschritt»

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung trauert um den Wissenschaftler und kritischen Kommunisten Theodor Bergmann (1916-2017).

Theodor Bergmann 2016
Theodor Bergmann an seinem 100. Geburtstag, März 2016 CC BY 3.0, Alexander Schlager (RLS)

Theodor Bergmann war eine der letzten personellen Verbindungen zur Weimarer Republik. Mit seinem Tod verliert die Linke einen engagierten Mitstreiter, der bis vor kurzem noch Reisen und Vorträge auf sich nahm. Beim Promotionskolleg der Rosa-Luxemburg-Stiftung im Juni 2016 über «Generationen linker Politik» war er gewissermaßen der «Stargast» - wie es im damaligen Tagungsbericht hieß. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung Baden-Württemberg gratulierte ihm im März 2016 mit einem eigenen Symposium zu seinem 100. Geburtstag. Es ist dem Chefredakteur des «neuen deutschland», Tom Strohschneider, nur zuzustimmen, wenn er schreibt:

Wer Theodor Bergmann in den letzten Jahren erlebte, konnte sprachlos werden ob der Agilität dieses Mannes, ob seiner Herzlichkeit, ob dieser sofort im Raum spürbaren Liebenswürdigkeit. Ein Mann, der auf ein ganzes Jahrhundert zurückblicken konnte und immer noch Pläne für die Zukunft machte. Der nicht aufhörte, für eine andere, eine bessere Welt zu streiten, wobei er dieses Streiten auf eine so freundliche und zugängliche Weise beherrschte, die in der Linken doch leider selten ist.

Nachfolgend sind einige Nachrufe und Artikel dokumentiert, die anlässlich des Todes von Theo Bergmann erschienen sind.

  • Ein aufrechter Mensch
    Dann fangen wir eben noch mal von vorne an. Ein Nachruf auf Theodor Bergmann von Bernd Riexinger, junge Welt, 16. Juni 2017
  • Die Stärksten kämpfen ein Leben lang: Theodor Bergmann (7.3.1916 – 12.6.2017)
    Prof. Mario Keßler, Vertrauensdozent der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Zeitschrift Sozialismus, 13. Juni 2017
  • Theodor Bergmann ist tot. Theodor Bergmann aus Stuttgart, der große politische Kämpfer, Analytiker und Optimist, ist am vergangenen Montag im Alter von 101 ­Jahren gestorben. «Er war ­Weltbürger und Kommunist, ein Linker, der den Stalinismus seit jeher verabscheute» schreibt Joe Bauer in den Stuttgarter Nachrichten vom 13. Juni 2017.
  • Unerschütterlicher Optimist und kritischer Linker: Der Wissenschaftler und Aktivist ist im Alter von 101 Jahren gestorben.
    Tom Strohschneider, neues deutschland, 13. Juni 2017
  • Die Stärksten kämpfen ein Leben lang. Zum Tode des Wissenschaftlers und kritischen Kommunisten Theodor Bergmann.
    «Immer mehr wurde die Geschichte und Politik der Arbeiterbewegung zu seinem Hauptthema, vor allem als Professor im (Un-)Ruhestand. Seine Geschichte der KPO, ‹Gegen den Strom›, gilt als ein Standardwerk. Doch auch zur Geschichte der Komintern, zum Spanienkrieg, zum israelisch-arabischen Konflikt lieferte er quellengestützte Werke. Er war mit seinem Kollegen und Freund Gert Schäfer Initiator einer Reihe internationaler Konferenzen zur Geschichte und zu aktuellen Problemen der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung sowie von Tagungen über Karl Marx und August Thalheimer, Rosa Luxemburg, Trotzki, Bucharin, Lenin und Friedrich Engels.»
    Mario Keßler, neues deutschland, 14. Juni 2017
Hintergrundinformationen zu Leben und Werk von Theo Bergmann
  • Die Autobiografie von Theodor Bergmann ist 2016 in aktualisierter, dritter Auflage erschienen:
    Theodor Bergmann: Im Jahrhundert der Katastrophen. Autobiografie eines kritischen Kommunisten; 312 Seiten, VSA-Verlag, Hamburg 2016, EUR 22.80 (ISBN 978-3-89965-688-6)
  • Eine ausführliche Bibliographie findet sich in dem Heft «Theodor Bergmann: Die Tradition kritischer Solidarität von Luxemburg bis Gorbatschow», Pankower Vorträge, Heft 200, hrsg. v. Helle Panke, Berlin 2016, S. 24-60 (kann in der RLS-Bibliothek eingesehen werden)
  • Wladislaw Hedeler und Mario Keßler würdigten Bergmann 2015 mit dem gemeinsam herausgegebenen Sammelband: «Reformen und Reformer im Kommunismus» (Hamburg 2015). Dieses 433 Seiten umfassende Buch ist als PDF online zugänglich.
  • «Ohne Alternativen, ohne Widerspruch, ohne Antithese gibt es keinen Fortschritt»
    Ein Vortrag von Theo Bergmann in Hamburg, 28.4.2016 - kurz vor seinem 100. Geburtstag.
  • «Der Kapitalismus verbraucht zu viel und zerstört die Umwelt»
    Der «kritische Kommunist» Theodor Bergmann über NaturFreunde im Widerstand und die Zerstörungskraft des Kapitalismus.
    Interview aus NaturfreundIN, Heft 3/2015
  • Ewiger Optimist
    Er wird am 7. März 99 Jahre alt, doch bei Eröffnung der Wanderausstellung
    «Ich kam als Gast in euer Land gereist ...» über «Deutsche Hitlergegner als Opfer des Stalinterrors. Familienschicksale 1933-1956» darf Theodor Bergmann nicht fehlen. Er, der «kritische Kommunist», der «nicht jüdische Jude» und der ewige Optimist.
    Innerhalb der Partei DIE LINKE gehört er zu denjenigen, die schließlich durchsetzen, dass am Karl-Liebknecht-Haus in Berlin Ende 2013 eine Tafel zur Erinnerung an die Opfer des Stalinismus angebracht wird. Auch die Ausstellung über die Opfer des Stalin-Terrors geht mit auf seine Initiative zurück. Bei der Eröffnung in Stuttgart am 1. März 2015 hielt er das Einführungsreferat.
    Hermann G. Abmayr, in KontextWochenzeitung, Ausgabe 205, 4. März 2015
  • Kapitalismus – nicht das letzte Wort
    Interview zum 100. Geburtstag von Bergmann Von Josef-Otto Freudenreich, in KontextWochenzeitung, Ausgabe 257 vom 2. März 2016

  • Theodor Bergmann: 1916-2016 - Ein Leben als kritischer Kommunist
    Die Helle Panke in Berlin stellt einen früheren Auftritt Bergmanns 24. Juni 2016 als Audiomitschnitt zur Verfügung: