Nachricht | Staat / Demokratie - Bildungspolitik - Rosa-Luxemburg-Stiftung «Integration durch Bildung - Bildung durch Integration. Das Recht auf gute Bildung für geflüchtete Kinder – Zum Stand der Umsetzung in Brandenburg»

Zu diesem Thema veranstalteten die Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) und die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) ihr zweite gemeinsame Bildungskonferenz.

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Autorin

Dörte Putensen,

Einmütigkeit herrschte bei allen Beteiligten darüber,  dass Sprache und Bildung Schlüssel zur Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen sind und dass es für diese Kinder nicht nur eine Schulpflicht, sondern auch ein Recht auf guten schulischen Unterricht gibt.

Dr. Roland Schmidt, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der FES begrüßte die mehr als 100 TeilnehmerInnen im Namen beider Stiftungen und wies auf die Bedeutung, die Aktualität und die Komplexität des Themas hin.

Günter Baaske, Minister für Bildung, Jugend und Sport, gab einen detaillierten Bericht über die Maßnahmen und Aktivitäten der Landesregierung zur Integration der ca. 6.600 geflüchteten Kinder im Land Brandenburg und wies auf auftretende Probleme, wie u.a. den Mangel an ausgebildeten Lehrkräften im Fach „Deutsch als Zweitsprache“, hin. In 196 Vorbereitungsklassen und 109 Förderkursen werden die Kinder an den Unterricht in den Regelschulen herangeführt. Es gibt sowohl Beispiele, wo das bestens funktioniert als auch solche, wo es Schwierigkeiten zu überwinden gilt und wo das Ministerium aktiv werden musste.

Kathrin Dannenberg, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Landtag Brandenburg, referierte zu den Anforderungen an die weitere Integration von geflüchteten Kindern in das Bildungssystem aus Sicht der Linken. Sie anerkannte, dass die rot-rote Koalition bereits vieles auf den Weg gebracht hat, es jedoch noch eine Reihe von Problemen zu lösen gilt. Dazu zählte sie u.a. eine schnellere Anerkennung vorhandener Abschlüsse, eine Verbesserung der Integrationskurse, eine zügige Besetzung der zusätzlichen Lehrerstellen, eine Absenkung der Klassengrößen, eine beitragsfreie Kita-Betreuung und letztlich eine Überwindung der Ungerechtigkeiten des gegliederten Schulsystems durch die Schaffung von Gemeinschaftsschulen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion, die von Ute Tenkhof moderiert wurde, berichteten Vertreterinnen aus der Praxis, wie sich die Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen vor Ort gestaltet. So berichtete die Schulleiterin der Sachsendorfer Oberschule Cottbus, Gerlinde Ehlert, über ihre Erfahrungen mit Migranten. An der Schule gibt es 61 Migranten aus 19 Nationen. Es wird an der Schule davon ausgegangen, dass alle Kinder den gleichen Anspruch auf gute Bildung haben – das versuchen die Lehrkräfte mit viel Engagement seit Jahren umzusetzen.  Christine Trost, Lehrerin an der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule Birkenwerder warnte davor, Flüchtlingskinder zu überfordern und immer die konkrete Lebenssituation der Eltern zu bedenken, auf Augenhöhe mit ihnen zu kommunizieren und den Austausch bewusst zu pflegen. Wichtige Mittel für eine gelingende Integration sah sie in der Schaffung von gemeinsamen Höhepunkten oder Elterngesprächen, um ihnen Ängste zu nehmen.

Ulrike Schwenter, stellvertretende Vorsitzende des Landeselternrates, machte auf das Spannungsfeld von Unterrichtsausfall und geflüchteten Kindern aufmerksam. Es gilt Eltern zu erklären, dass Unterricht nicht wegen der geflüchteten Kinder ausfällt und ihre Kinder durch die Integration geflüchteter Kinder keine Nachteile haben. Angela Basekow von der AWO Potsdam, die in den Kindertagesstätten Kinder, die 19 Sprachen sprechen, betreut, mahnte Erleichterungen und Entlastungen für die Kita-ErzieherInnen, besonders beim Übergang von der Kita zur Schule an. Eine engere Zusammenarbeit mit den Jugendämtern sowie ein Abbau von Bürokratie sind für sie notwendige Elemente für eine bessere Integration.

Wiederholt wurde in der Diskussion das Engagement und die Motivation vieler Lehrkräfte und ehrenamtlicher Helfer hervorgehoben, ohne deren unermüdlichen Einsatz und Fortbildungsbereitschaft vieles nicht möglich wäre.

Ein besseres Zusammenwirken aller beteiligten Institutionen (Ministerium, Schulämter, Schulträger, Schule, Jugendämter und Elternvertreter), eine Bündelung aller Angebote, ein Abbau von Bürokratie, eine Konkretisierung und Aktualisierung der Eingliederungsverordnung und eine ständige Kommunikation mit den Betroffenen wurden als Aufgaben bei der weiteren Integration von geflüchteten Kindern und Jugendlichen formuliert.

Das geschäftsführende Vorstandsmitglied der RLS, Dr. Florian Weis, dankte in seinem Schlusswort der FES für die gute Zusammenarbeit, lobte die Veranstaltung als Bildungsveranstaltung im besten Sinne und mahnte eine bessere Bildungsfinanzierung an. Er wiederholte zum Abschluss noch einmal den während der Veranstaltung mehrfach geäußerten Appell, nicht über Migranten zu sprechen sondern mit ihnen.