Themenschwerpunkte

Dialog «Positiver Frieden» / Frieden und Post-Konflikt

Das Programm «Positiver Frieden» stellt die Frage nach Ursachen und Bedingungen von Konflikt/Post-Konflikt und struktureller Gewalt in diesen Prozessen. Das Programm nimmt soziale und politische Kämpfe sowie zivilgesellschaftliche und aktivistische Strukturen und Prozesse als Grundlage für Konfliktprävention in den Blick. Basis für die Arbeit im Bereich Konfliktbearbeitung und Friedenspolitik ist das Konzept des «Positiven Friedens» des norwegischen Friedensforschers Johan Galtung. Darin richtet er sein Augenmerk auf Formen der strukturellen Gewalt, deren Wurzeln in politischen, ökonomischen oder gesellschaftlichen Verhältnissen liegen, und die, im Gegensatz zu der offenen personalen Gewalt von Krieg und Terror, indirekt vor sich geht. Laut Galtung herrscht strukturelle Gewalt überall dort, wo man Menschen infolge von ungleich verteilten Macht- und Herrschaftsverhältnissen politische und soziale Gerechtigkeit vorenthält oder gar verweigert. Bis dahin, sie zu unterdrücken, zu entrechten und auszubeuten. Positiver Frieden bedeutet danach die Herstellung von sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit sowie von politischer und persönlicher Freiheit Einzelner und sozialer Gruppen, vor allem von Minderheiten, ihre Partizipation und Entfaltung eingeschlossen.

Der Fokus des Programmbüros liegt auf der Sichtbarmachung von strukturellen Gewaltprozessen sowie der Unterstützung von Kämpfen zur Überwindung dieser strukturellen Gewaltprozesse. Dabei wird das Programm eine vergleichende Komponente beinhalten und die Programmländer mit anderen Ländern mit einer (Bürger-)Kriegsvergangenheit im Hinblick auf Friedensbewegungen und -initiativen sowie Post-Konflikt-Strategien und Realitäten in den Blick nehmen.

Migration

Die gewaltvollen Konflikte und Kriege in der Region des Nahen Ostens haben dazu geführt, dass große Teile der Bevölkerungen zu Geflüchteten oder Binnenvertriebenen gemacht wurden. Die Zahl der Menschen, die vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehen, war noch nie so hoch wie heute. Ende 2014 waren knapp 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Diese Zunahme von 2013 auf 2014 war die höchste, die jemals im Laufe eines Jahres vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) dokumentiert wurde. Die Programmländer des Programmbüros sind hier sowohl Aufnahmeland vieler Geflüchteter und Migrant*innen, als auch selbst Ausgangs- und Transitort für Flucht und Migration. Schätzungen zufolge sind mehr als 50 Prozent der syrischen Bevölkerung momentan auf der Flucht. Mehr als 4,5 Millionen dieser syrischen Geflüchtete sind auf Länder der Region, namentlich Türkei, Libanon, Jordanien, Irak und Ägypten verteilt. Im Libanon leben zudem eine geschätzte Zahl von 450.000 palästinensischen, 40.000 irakischen und 2.000 sudanesischen Geflüchteten, zusätzlich zu geschätzten 200.000 Arbeitsmigrant*innen.

Unsere Arbeit zum Thema Flucht und Migration in der Region beschäftigt sich vor allem mit den sozialen Umständen und Konsequenzen von Flucht und Migration für die beteiligten Gruppen sowie mit Zugängen von Geflüchteten und Migrant*innen zu sozialen, wirtschaftlichen und Menschenrechten. Gleichzeitig liegt ein weiterer Schwerpunkt auf Fragen politischer Subjektivität und Versuche der Emanzipation bzw. Selbstorganisation von Geflüchteten und Migrant*innen. Das Programm fokussiert innerhalb dieser Schwerpunkte sowohl auf Geflüchteten als auch auf Arbeitsmigrant*innen.