Uns steht ein hartes Programm ins Gesicht
Ein Abend über Fußball, Gewalt, Nationalismus und Hoffnung
- Mitwirkende
- Krunoslav Stojaković, Barbi Marković , Frank Willmann,
Anekdoten aus dem Weltreich des Fußballs gibt es unzählige. Im Falle des sozialistischen Jugoslawien heben sich insbesondere zwei ganz besonders hervor.
Die eine besagt, dass der blutige Bürgerkrieg hätte verhindert werden können, hätte Jugoslawien doch nur die Weltmeisterschaft in Italien gewonnen – ein Turnier, dass für die „Blauen“ in der Tat nur äußerst unglücklich und im Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Argentinien zu Ende ging.
Die andere besagt, dass das Ende Jugoslawiens mit dem nur knapp zwei Monate zuvor angesetzten Ligaspiel zwischen Dinamo Zagreb und Roter Stern Belgrad besiegelt wurde. Aufgrund schwerer Ausschreitungen zwischen Hooligans aus beiden Lagern konnte das Spiel nicht angepfiffen werden. Der Zagreber Fußballprofi und spätere Milan-Star Zvonimir Boban lieferte mit seinem Kung-Fu-Tritt gegen einen Polizisten ein ikonisches Bild des kroatischen Nationalismus. Der amtierende serbische Staatspräsident Aleksandar Vučić rühmt sich, damals ebenfalls dabei gewesen zu sein.
Mittendrin statt nur dabei war immer schon auch Željko Raznatović, genannt „Arkan“. Ein Roter-Stern-Hooligan und Krimineller, der während des Bürgerkriegs als Kriegsverbrecher und Kommandant der sogenannten „Arkan-Tiger“ zur Berühmtheit wurde, eine bekannte Schlagersängerin heiratete und später auch zum Besitzer eines bis dato irrelevanten Fußballvereins avancierte, der es – nicht sonderlich überraschend – zur serbischen Meisterschaft brachte.
Über all das werden wir mit Frank Willmann und Barbi Marković sprechen. Frank Willmann ist regelmäßiger Kolumnist der sozialistischen Tageszeitung „nd“, Mitglied der Akademie für Fußballkultur sowie u.a. Autor des von der Kritik gefeierten Buches „Der Pate von Neuruppin“. Sein jüngstes Buch „Balkanblut. Leben und Sterben des serbischen Mafiosos und Warlords Arkan“ bildet einen der beiden Anlässe für unser Gespräch. Den anderen Anlass bildet Barbi Marković`s „Piksi-Buch“. Betitelt in Anlehnung an den legendären Spielmacher der jugoslawischen Fußballnationalmannschaft Dragan Stojković, behandelt es nicht so sehr den Fußball, als vielmehr seine gesellschaftlichen und kulturellen Nebengeräusche. Das „Piksi-Buch“ erhielt 2025 den von der Deutschen Akademie für Fußballkultur verliehenen Preis für das Fußballbuch des Jahres.
In welchem Kapitalismus leben wir?
Ein neues Grundsatzprogramm für Die Linke
- Mitwirkende
- Klaus Dörre, Alex Wischnewski, Christoph Spehr,
Die Linke erarbeitet sich ein neues Grundsatzprogramm. Doch seit dem Erfurter Programm hat sich vieles geändert. Der Kapitalismus ist ein anderer geworden, die Gesellschaft ist im Umbruch. Die Situation ist geprägt von einer blockierten Transformation im Westen, von Faschisierung und spätneoliberaler Angriffe auf Sozial- und Arbeitsrechte. International fragmentiert die Globalisierung infolge von Handelskriegen und einer neuen Blockbildung zwischen den USA und China um die hochtechnologische Führung künftiger kapitalistischer Entwicklung.
Wie begreifen wir all diese Veränderungen? Und was bedeuten sie für die gesellschaftliche Linke wie die Partei Die Linke? Welche strategischen Schlussfolgerungen sind zu ziehen? Denn ein Programmprozess bedeutet nicht ein paar Grundsätze zu fixieren, sondern eine breite Debatte über die gesellschaftliche Lage, die Situation der Linken, Ziele, die wir gewinnen wollen und Mittel, um diese zu erreichen.
Mit:
- Begrüßung: Mario Candeias (Rosa-Luxemburg-Stiftung)
- Klaus Dörre (Universität Kassel und Jena)
- Alex Wischnewski (Feministin, FLINTA-Redaktion der Zeitschrift LuXemburg, Berlin)
- Christoph Spehr (Co-Vorsitzender Die Linke Bremen)
- Moderation: Anna Mehlis (Universität Jena)
Alle drei Referent*innen wie die Moderatorin sind Mitglieder der AG „In welchen Kapitalismus leben wir – welchen Sozialismus wollen wir“ bzw. der queer-feministischen AG bei der Programmkommission Der Linken.
Zubetoniert?
Kosten, Schäden und Alternativen zur Zementproduktion
- Mitwirkende
- Tom Ackers, Conrad Kunze, Matthias Schmelzer, Nils Urbanus ,
Kein Baustoff prägt unsere Welt so sehr wie Beton. Doch zunehmend kommt die Schattenseite ans Tageslicht: Allein die Betonproduktion ist für acht bis neun Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, darüber hinaus trägt sie zur Zerstörung von Ökosystemen, zur Luftverschmutzung, zum Absinken von Städten bei und produziert Berge von Abfall.
Dem Baustoff Beton geht deshalb eine neue Studie im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung auf die Fährte. Basierend auf den Kernergebnissen der Studie diskutieren wir mit den Autoren die Fragen: Wie groß sind die Schäden durch die Zementindustrie? Ist die Zementindustrie transformierbar? Wie können wir weniger und besser bauen? Und welche politischen Kämpfe sind nötig?
Podiumsteilnehmer:
- Dr. Tom Ackers (Postdoctoral Researcher, University of the Arts Helsinki)
- Dr. Conrad Kunze (Soziologe und Klimagerechtigkeitsaktivist)
- Prof. Matthias Schmelzer (Professor für sozial-ökologische Transformation an der Universität Flensburg)
- Nils Urbanus (Klimagerechtigkeitsaktivist bei der Gruppe End Cement)
Das Prinzip Verzweigung
„Linksbündig“-Buchpremiere mit Razmig Keucheyan
- Mitwirkende
- Razmig Keucheyan,
Wie lässt sich die ökologische Transformation realisieren – nicht als spontane Anpassung, sondern als bewusster, gemeinschaftlich gesteuerter Prozess? In „Das Prinzip Verzweigung“ fordern Cèdric Durand und Razmig Keucheyan gesellschaftliche Planung, um Produktion, Energie und Konsum im Rahmen der planetaren Grenzen demokratisch zu organisieren. Sie knüpfen an historische Erfahrungen der Wirtschaftsplanung in Krisen- und Kriegszeiten an – und sie denken radikal neu: dezentral, partizipativ und ökologisch. Gegen die Ideologie des freien Marktes formulieren sie die Prinzipien einer planbaren Zukunft, in der gesellschaftliche Bedürfnisse und ökologische Realitäten wieder zur Deckung kommen. Ihr Plädoyer gilt einer neuen Kultur der Verantwortung, die Planung nicht als Zwang, sondern als kollektive Gestaltung begreift – als Voraussetzung für Freiheit, Gleichheit und Nachhaltigkeit. Ein eindringliches, kämpferisches Buch über die Kunst, das Kommende zu gestalten.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Karl Dietz Verlag Berlin.
Kohei Saito: Am Ende des Fortschritts
„linksbündig“-Buchpremiere, der Autor im Gespräch mit Carla Reemtsma
- Mitwirkende
- Kohei Saito, Carla Reemtsma,
In seinem neuen Buch zieht Kohei Saito eine ernüchternde Bilanz unserer Gegenwart: Zentrale ökologische Grundlagen unseres Wohlstands sind bereits zerstört, während autoritäre Kräfte und Kriege weltweit zunehmen. Gleichzeitig stagniert das Wirtschaftswachstum im globalen Norden – ein Zeichen dafür, dass der Kapitalismus an seine Grenzen stößt, zunehmend geprägt von der Macht globaler Techno-Oligarchien.
Ist die Krise eine Chance? Saito widerspricht entschieden. Statt eines Aufbruchs erwartet uns eine Ära chronischer Notlagen: Knappheit, gesellschaftliche Destabilisierung und Naturkatastrophen werden unsere Zukunft prägen – nicht Überfluss, Beschleunigung oder Emanzipation. Vor diesem Hintergrund plädiert Saito dafür, das Ende des Fortschrittsnarrativs anzuerkennen und eine neu gedachte, demokratische Planwirtschaft zu entwickeln, um verbleibende Freiheiten zu sichern.
Die Veranstaltung bietet die Gelegenheit, diese Diagnose zu diskutieren und gemeinsam über Perspektiven jenseits des Katastrophen-Kapitalismus nachzudenken.
Kohei Saito spricht mit der Klimaaktivistin Carla Reemtsma über die politischen Konsequenzen seiner Analyse sowie über aktuelle Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten im Kampf für Klimagerechtigkeit.
Zum Autor: Dr. Kohei Saito (*1987) ist Associate Professor für Philosophie an der Universität Tokio. Er promovierte 2016 an der Humboldt-Universität zu Berlin und ist Mitherausgeber der Marx-Engels-Gesamtausgabe. 2018 wurde er mit dem renommierten Isaac-Deutscher-Preis ausgezeichnet, 2020 erhielt er den JSPS-Preis der Japanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften für herausragende junge Forschende. Sein Buch "Systemsturz" wurde ein internationaler Bestseller und verkaufte sich allein in Japan über eine halbe Million Mal.
Zur Gesprächspartnerin: Carla Reemtsma ist Klimaaktivistin und Mitbegründerin von Fridays for Future Deutschland. Sie engagiert sich seit Jahren für Klimagerechtigkeit und bringt eine zentrale Stimme der jungen Klimabewegung in die Diskussion ein.
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