Mode.Macht.Menschen

Eine dokumentarisch erzählte Webserie über die Textil- und
Bekleidungsindustrie in Kambodscha

Episode 1 – The Conscience of Clothing – Mode.Macht.Menschen

Dauer

9:41

Endlich ist es soweit! Wir sind sehr glücklich, euch heute die ersten drei Episoden unseres Dokumentarfilms #modemachtmenschen zeigen zu können.

Was ist das Ziel von #modemachtmenschen? Wir möchten gerade denjenigen von euch einen Einstieg in die Thematik ermöglichen, die sich noch nicht sehr umfassend mit der Frage beschäftigt haben, wo unsere Kleidung eigentlich herkommt.

Unsere beiden Protagonist*innen Willy und Helen begegnen in jeder neuen Episode, die wir ab jetzt jeden Mittwoch veröffentlichen, Menschen aus Kambodscha, die ganz unterschiedliche Berührungspunkte mit der Produktion in der Modebranche haben und uns ihre Geschichte erzählen. Dabei versuchen wir bewusst nicht zu moralisieren, sondern ehrlich, offen und auf Augenhöhe in den Dialog zu gehen und zu lernen.

In Episode 1 lernen Helen und Willy Kambodschas Vergangenheit etwas besser kennen. Helen schaut sich in den Tempelanlagen von Angkor Wat um und lernt die reiche Geschichte der ehemaligen Hochkultur kennen. Willy macht sich mit den schrecklichen Schattenseiten der jüngeren Vergangenheit, dem Völkermord der «roten Khmer» vertraut.

Drei Millionen Menschen, überwiegend Frauen, und damit ein Fünftel der Bevölkerung Kambodschas arbeiten täglich, um Textilien und Bekleidungsstücke für den Weltmarkt zu produzieren. Ihr Werk macht 70% des gesamten Exportvolumens des Landes aus. Im Dezember 2019 waren Filmemacher Patrick Kohl, Influencer Willy Iffland und Journalistin Helen Fares für einige Wochen in Kambodscha. Sie erfuhren vor Ort, was die Textilindustrie für Kambodscha bedeutet, welche Veränderungen die Menschen vor Ort anstreben und wie sie sich dafür organisieren.

MODE. MACHT. MENSCHEN ist ein durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstütztes Dokumentarfilmprojekt, das im Herbst 2020 veröffentlicht wurde. Bis dahin kann das Projekt auf Facebook und Instagram verfolgt werden. 

Weitere Informationen unter: www.mode-macht-menschen.com

#whomademyclothes
Das Überangebot an Kleidung besonders in westlichen Ländern und die allgegenwärtige Präsenz von Werbung scheint uns beinahe vergessen zu lassen, wie die Welt hinter der glitzernden Fassade von Fast Fashion aussieht: die Industrie hat einen enormen CO2 Ausstoß, es wird mit hoch giftigen Chemikalien gearbeitet und der Natur werden Unmengen an Rohstoffen entzogen. Aber nicht nur die Umwelt und das Klima leiden unter dem Modell Fast Fashion. Arbeiter*innen in den Fabriken der großen Produzenten werden zu Löhnen unter dem Existenzminimum ausgebeutet und arbeiten meist unter prekären Bedingungen. Sie sind bei den Versuchen sich zu organisieren um bessere Arbeitsbedingungen zu erstreiten oft Repressalien ausgesetzt und befinden sich stets in einer benachteiligten Verhandlungsposition.

Unser Dokumentarfilm Mode.Macht.Menschen erzählt Geschichten aus der kambodschanischen Textilindustrie. Auf Grund des immer noch fehlenden Lieferkettengesetzes ist es den Arbeiter*innen oft unmöglich sich gegen Menschenrechtsverletzungen an ihren Arbeitsplätzen zu wehren und Schadensersatz einzuklagen. Seit Jahren machen Menschenrechtsorganisationen auf prekäre Arbeitsbedingungen entlang den Lieferketten der Textilindustrie aufmerksam. Trotzdem kam es noch zu keinem politischen Durchbruch mit einem Gesetz, welches Unternehmen zur Einhaltung der Menschenrechte in ihren Lieferketten verpflichtet.

Auch die breite gesellschaftliche Sensibilisierung für die Bedingungen unter welchen ein Großteil unserer Kleidung hergestellt wird blieb bisher aus. Mode.Macht.Menschen möchte die Produzent*innen und Konsument*innen näher zusammenbringen. Deswegen haben wir die beiden Influencer*innen Willy Iffland und Helen Fares in Kambodscha ins Gespräch mit Arbeiter*innen, Fabrikbesitzer*innen, Gewerkschaftsaktivist*innen und anderen Akteuren gebracht. Ihre Eindrücke teilen Willy und Helen in unserer Serie mit ihren Follower*innen. Wie wird die Zeit in Kambodscha sie verändern? Wie werden die Begegnungen ihre Einstellung zu Kleidung und Konsum beeinflussen?

Im Verlauf der Dreharbeiten für die Doku-Serie Mode.Macht.Menschen kam es zu einem Konflikt zwischen der Journalistin Helen Fares und dem Filmemacher Patrick Kohl, den die Rosa-Luxemburg-Stiftung zum Anlass genommen hat, ihre Sorgfaltspflichten in von ihr vergebenen Projekten zu reflektieren und einen Konfliktmechanismus zur Minimierung solcher Vorfälle zu etablieren. Fragen können an die Pressestelle der Rosa-Luxemburg-Stiftung gerichtet werden.

  • Produzent Patrick Kohl und Blogger Willy Iffland waren im Januar 2020 zu Besuch bei Radio Fritz und haben über ihre Erlebnisse in Kambodscha und ihre Motivation hinter Mode.Macht.Menschen gesprochen, das Interview kann auf der Facebookseite des Projekts nachgehört werden.

Ländersteckbrief Kambodscha

Kambodscha wird in der Region als Kampuchea bezeichnet - und offiziell als Königreich Kambodscha - und ist ein südostasiatisches Land, das im Nordwesten an Thailand, im Nordosten an Laos und im Osten an Vietnam grenzt. Das Klima ist tropisch und mitunter regnerisch. Zur ethnischen Mehrheit gehören die Khmer (97,6%), ferner zählen zu den ethnischen Minderheiten Cham (1,2%), Vietnamesen (0,1%), Chinesen (0,1%) und 30 unterschiedliche Bergvölker. Offiziell sind 97% der Bevölkerung buddhistischen Glaubens. Wirtschaftlich spielt der Kleidungs- und Textilsektor in Kambodscha, der 68% des Gesamtexports ausmacht(2017), eine große Rolle für das Wirtschaftswachstum. Dabei gehören vor allem die USA und EU-Länder zu den Hauptabsatzländern.

Unabhängigkeitstag: 9. November 1953

Offizielle Amtssprache: Khmer

Anerkannte Verkehrssprachen: Englisch, Französisch

Hauptstadt: Phnom Penh

Politisches System: Parlamentarische Wahlmonarchie

Fläche: 181.035km2

Einwohner*innendichte: 90/km2 (Zensus 2019)

Einwohner*innenzahl: 15.288.489 (Zensus 2019)

Durchschnittsalter: 26 Jahre (25 J. Männer/ 27 J. Frauen)

Altersstruktur:
0-14 Jahre: 30,18%
15-24 Jahre: 17,28%
25-54 Jahre: 41,51%
55-64 Jahre: 6,44%
65+ Jahre: 4,59%

Mindestlohn: 190 $ (2020)

Geschätzter existenzsichender Mindestlohn: 480 $ (2017)

Durchschnittseinkommen pro Monat in der Hauptstadt Phnom Penh: 270,00 $ (2019)

Wichtige Wirtschaftssektoren: Landwirtschaft (Reis, Gummi, Mais, Gemüse, Maniok, Seide), Tourismus, Bekleidung und Textilien, Bauwesen, Reismahlerei, Fischerei, Holz, Gummi, Zement, Edelsteinabbau.

Beschäftigte im Textilsektor: 700.000 Beschäftigte (80% Frauenanteil)

Ein paar Eindrücke der Dreharbeiten...