Die neue multipolare Welt
Die internationale Ordnung befindet sich im Wandel. Nach dem Kalten Krieg dominierten die USA das Weltgeschehen. Heute verändert sich das: Es entstehen mehrere Machtzentren, also eine multipolare Welt. Länder wie China, Indien oder Russland gewinnen an Einfluss – in ihren Regionen, aber auch global. Dadurch verändert sich das Gleichgewicht der Kräfte. Viele sehen darin eine Reaktion auf die lange Vorherrschaft westlicher Staaten. Doch es ist unklar, ob diese neue Ordnung gerechter wird. Manche befürchten, dass sie mehr Konflikte, politische Spaltungen und Machtkämpfe mit sich bringt.
Das internationale Recht wird immer offener je nach Zugehörigkeit zu dem Machtblock instrumentell genutzt. Viele multilaterale Organisationen – wie die UNO – sind blockiert oder arbeiten unter strukturell schlechten Bedingungen. Kriege wie in der Ukraine oder der Genozid in Palästina zeigen: Grundlegende Werte und Normen geraten unter Druck. Zwar entstehen neue Machtpole, aber diese bringen bisher keine gerechteren Strukturen mit sich. Stattdessen könnten alte Ungleichheiten weiter bestehen oder sogar schlimmer werden.
Dieses Dossier versammelt Stimmen aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Praxis. Es zeigt Perspektiven aus verschiedenen Regionen der Welt. Die zentrale Frage lautet: Ist eine gerechte multipolare Ordnung möglich? Und wenn ja – welche politischen Ideen, Reformen und solidarischen Wege braucht es dafür? Eine gute Lektüre wünscht Heinz Bierbaum, Vorstandsvorsitzender der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

















