Nachricht | REZ.: Globale Geschichte des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 2007

Globalgeschichte oder globale Geschichte ist in aller Munde(1). Was aber Globalgeschichte denn genau ist, und wie diese operativ für emanzipatorische Zwecke zu nutzen sein könnte, ist noch weitgehend unklar.

Die Autoren dieser Neuerscheinung definieren Globalgeschichte nicht, sondern strukturieren ihr als Handbuch für StudienanfängerInnen gedachtes Werk in zwei parallel verlaufende Teile. 130 Seiten umfassen Tabellen, Grafiken, Abbildungen, Karten und Begriffserdefinitionen, die jeweils auf den ungeraden Seiten abgedruckt sind, während auf der gegenüberliegenden Seite ein fortlaufender, chronologischer Text platziert ist, der wiederum in zehn Kapitel unterteilt ist, die sich an den bekannten Einteilungen ausrichten: 1. Weltkrieg, Weimar, 2. Weltkrieg, Kalter Krieg, Entkolonialisierung, Wohlstandsexplosion, Entspannung und Protestbewegung, Technik und Umwelt, Nord-Süd-Konflikt. Diese Untergliederung zeigt deutlich, dass doch Deutschland und Europa stark im Fokus stehen, die Vorgehensweise erfährt erst ab dem Kapitel zur Entkolonisierung eine Erweiterung hin zu "außereuropäischen" Ereignissen. Eine globale oder auch nur global verschränkte Geschichte, wie im Titel vollmundig versprochen, sähe anders aus.

Der gerade mal gut ein Dutzend Seiten umfassende Einleistungsessay benennt elf Themenfelder, die im 20. Jahrhundert, dem von den Autoren so verstandenen "Zeitalter der extremen Gegensätze", wichtig seien. Hier reicht der Bogen dann von Krieg und Frieden über Demokratie und Diktatur bis hin zu Demographie oder Säkularisierung und Religion.

Der Band enthält 43 Abbildungen und 22 Karten und ist als Handbuch zu einer globalen Geschichte des 20. Jahrhunderts nur bedingt brauchbar, da z.B. nur ein Personen-, aber kein Sachregister und auch kein Literaturverzeichnis enthalten sind. Selbstverständlich verbleibt vieles angesichts des vorgegebenen Umfanges und des "großen" Gegenstandes notgedrungen etwas oberflächlich. Wer und welche von einem solchen Buch im Wesentlichen Fakten, und weniger Erklärungen erwartet, ist sogar relativ gut bedient. Die Lektüre vermittelt einerseits Grundkenntnisse der Geschichte des 20. Jahrhunderts, verbleibt aber überwiegend in der Addition verschiedenster nationaler Phänomene. Das Buch kann jedoch sehr gut dazu dienen, die Wartezeit bis zum Erscheinen des von Jens Kastner und David Mayer herausgegebenen Bandes "Weltwende 1968: Ein Jahr aus globalgeschichtlicher Perspektive" (Wien 2008, Mandelbaum Verlag) zu verkürzen.

Edgar Wolfrum / Cord Arendes: Globale Geschichte des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 2007, 291 Seiten, 20 EUR

(1) Erste Andockpunkte sind die Internetangebote externer Link in neuem Fenster folgthttp://geschichte-transnational.clio-online.net); sowie nach der Einstellung zumindest der Printversion von Sozial.Geschichte, die Zeitschrift comparativ (externer Link in neuem Fenster folgtwww.comparativ.net).

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Hinweis: Global history - Wegbereiter für einen neuen Kolonialismus? externer Link in neuem Fenster folgtArtikel auf HSozKult von 2004