Nachricht | International / Transnational - Europa Wer anders ist, hat Schwierigkeiten – nicht nur am Arbeitsplatz

Diskriminierung wegen sexueller Orientierungen ist in Polen ein gravierendes Problem. Wie sich Gewerkschaften dagegen engagieren können war Thema eines Seminars in Warschau.

Ein sperriger Titel zu einer aktuellen Debatte. Nicht nur in Polen haben homosexuelle Arbeitnehmende Angst vor einem Bekenntnis und dem darauffolgenden Arbeitsplatzverlust.   

Eingeladen zu dem Seminar hatte die polnischen Organisation KPH - Kampania Przeciw Homofobii  – Kampagne gegen Homophobie, unterstützt wurde die Veranstaltung durch die RLS.

Es kamen an die 50 Interessierte, um Stellung zu nehmen und Erfahrungen auszutauschen. Von deutscher Seite nahmen Bodo Busch und Colin de la Motte-Sherman – beide im ver.di Bundesarbeitskreis Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender aktiv, am Seminar teil.

Nach der Eröffnung durch den Vorsitzenden der KPH Robert Biedronwurde im ersten Panel die Umsetzung der EU-Antidiskriminierungs-Richtlinie in Polen diskutiert und die Rolle von polnischen Institutionen diesbezüglich dargestellt. Auf dem Podium sprachen u.a. Łukasz Gabler (Polnisches Ministerium für Arbeit - dort angeschlossen gibt es auch Ressort gegen Diskriminierung), Dorota Obidniak, (Vertreterin der Lehrergewerkschaft ZNP), Lidia Geringer de Oedenberg (Mitglied des europäischen Parlaments) und Karolina Kędziora, (Polnische Gesellschaft für Antidiskriminierungsgesetze).

Im Mittelpunkt des zweiten Panels stand die Frage, wie sich europäische Gewerkschaften für die Belange von schwulen und lesbischen Arbeitnehmenden engagieren können.

Es sprachen unter anderen Craig Nelson von UNISON (der größten Gewerkschaft im öffentlichen Dienst Englands), Silvan Agius von der International Lesbian and Gay Association - Europe (dem europäischen Regionalverband des Internationalen Lesben- und Schwulenverbands), Rebecca Sewilla (Koordinatorin von Education International) sowie bereits erwähnt BodoBusch und Colin de la Motte-Sherman.

Von polnischer Seite gab es ein großes Interesse an internationalen Erfahrungen damit, wie Gewerkschaften in den Kampf für mehr Gleichbehandlung eingebunden werden können. Auf der anderen Seite hat z.B. die Lehrergewerkschaft das Problem, dass es hier bereits von Seiten der Gewerkschaft ein Engagement gibt, aber die Kontaktaufnahme zu homosexuellen Lehrerinnen und Lehrern sehr schwierig ist, da diese sich aus Angst vor Arbeitsplatzverlust nicht outen wollen.

In diesem Sinne war auch der Appell von Colin de la Motte-Sherman zu verstehen. Gewerkschaftsarbeit für Schwule und Lesben funktioniert nur, wenn es auf der einen Seite vorurteilsfreie und engagierte heterosexuelle Gewerkschafter gibt, aber auf der anderen Seite auch engagierte Homosexuelle aktiv in Gewerkschaften mitarbeiten.  

In der zweiten Jahreshälfte sollen weitere Gespräche in Warschau zwischen GewerkschaftsaktivistInnen verschiedener europäischer Länder zu diesen Fragen stattfinden. Außerdem ist ein europäisches Gewerkschaftsseminar in Bratislava parallel zur ILGA-Weltkonferenz in Wien geplant.

Weitere Informationen:

Kampania Przeciw Homofobii  – Kampagne gegen Homophobie
externer Link in neuem Fenster folgthttp://www.kampania.org.pl/wydarzenia.php?subaction=showfull&id=1214230692&archive=&start_from=&ucat=4&

ver.di Regenbogengruppe
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Internationaler Lesben- und Schwulenverband
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