Nachricht | Rosa Luxemburg - Revolutionen100 «Red Rosa» – Wie es dazu kam

Bereits in 15 Sprachen übersetzt: Albert Scharenberg zum Erfolg eines Comics über Rosa Luxemburg.

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«Red Rosa»

Ende 2012, das Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in New York hatte gerade erst Eröffnung gefeiert, meldete sich ein gewisser Paul Buhle per E-Mail. Ich kannte Paul als Autor, der viel über die amerikanische und internationale Linke publiziert hatte, darunter etwa eine Biografie von C.L.R. James und die bekannte «Enzyklopädie der amerikanischen Linken». Dass er sich nach seiner Emeritierung mit voller Kraft der Produktion linker Comics verschrieben hatte, erfuhr ich hingegen erst aus besagter E-Mail. Paul fragte, ob wir – also er und das Büro New York – nicht zusammen einen Comic-Roman über Rosa Luxemburg veröffentlichen sollten.

In New York waren wir sofort Feuer und Flamme. Nachdem die vertragliche Seite geklärt war (Paul würde als Herausgeber fungieren, wir die weltweiten nicht-exklusiven Rechte am Comic erwerben), konnte es losgehen. Anfangen mussten wir selbstredend damit, eine Künstlerin ausfindig zu machen, die für das Projekt passte – keine ganz leichte Aufgabe. Aufgrund eines Hinweises nahmen wir schließlich Kontakt zu der in England lebenden Kate Evans auf. Kate hatte bereits einige Comic-Bücher veröffentlicht, darunter einen Band über den Klimawandel und den Bestseller The Food of Love über das Stillen. Rosa Luxemburg indes kannte sie nicht. Das machte aber, wie sich rasch zeigte, gar nichts, denn Rosa erwies sich für Kate als ein Fall von Liebe auf den ersten Blick. Mit einer Begeisterung, die man dem fertigen Werk anmerkt, machte sie sich ans Werk. Und sie nahm es dabei mit der historischen Wahrheit sehr genau, wie man bereits am umfangreichen – und für Comics so unüblichen – Anmerkungsapparat erkennen kann.

Inzwischen interessierte sich auch der renommierte linke Verlag Verso Press für die graphic novel über eine der herausragenden politischen Persönlichkeiten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die auch hundert Jahre nach ihrer Ermordung noch einen guten Namen hat in der internationalen demokratisch-sozialistischen Linken.

Ich hatte zwar schon viele Comics gelesen, aber letztlich dann doch unterschätzt, wie ungeheuer aufwändig die Produktion einer solchen Bildergeschichte sein kann. Dennoch schaffte es Kate, «Red Rosa»  in nur zwei Jahren fertigzustellen. Im Laufe der diversen Arbeitsschritte standen wir ihr mit Rat und Tat zur Seite. Bei ihren Recherchen in Berlin wurde Kate dann auch von weiteren Mitarbeitern der Stiftung unterstützt.

Seit der von zahlreichen Besprechungen begleiteten englischen Erstveröffentlichung im Herbst 2015 hat der Comic-Roman einen regelrechten Siegeszug angetreten. So wurde das Buch u.a. von «Independent» und «Observer» als Grafikbuch des Jahres ausgezeichnet. Bis heute hat Verso Press bereits über 23.000 Exemplare, wohlgemerkt allein des englischsprachigen Buches, verkauft. Inzwischen sind auch zahlreiche Übersetzungen erschienen (bzw. erscheinen derzeit), darunter Deutsch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Russisch, Ukrainisch, Schwedisch, Tschechisch, Griechisch, Serbisch, Slowenisch, Türkisch, Hebräisch, Arabisch und Koreanisch. Dabei werden die meisten dieser Übersetzungen von linken Verlagen vor Ort produziert. Weitere Anfragen, darunter für eine Übersetzung in Thai, liegen Verso Press vor.

Als überzeugte Internationalistin wäre Rosa Luxemburg von der Übersetzung der Comic-Biografie in so viele Sprachen zweifellos begeistert gewesen. Fest steht jedenfalls: Die Erfolgsstory von «Red Rosa» ist noch lange nicht zu Ende.

 
Albert Scharenberg
gründete und leitete zusammen mit Stefanie Ehmsen das Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in New York von 2012 bis 2018.


Jetzt auch in deutscher Sprache:
Kate Evans, Rosa. Die Graphic Novel über Rosa Luxemburg
228 Seiten, Broschur
Karl Dietz Verlag Berlin 2018