Nachricht | Ungleichheit / Soziale Kämpfe - Rosa-Luxemburg-Stiftung Georg Bollenbeck ist gestorben

Vor wenigen Tagen, am 2. Oktober, ist Georg Bollenbeck, langjähriger Vertrauensdozent der RLS und gemeinsam mit Clemens Knobloch Protagonist des durch die RLS geförderten Graduiertenkollegs "Demokratie und Kapitalismus" an einer Krebserkrankung gestorben.

Information

Als Kulturwissenschaftler und Germanist war er lange Jahre am Fachbereich 3 (Sprach-Literatur- und Medienwissenschaften) der Siegener Hochschule tätig, an dem auch das Graduiertenkolleg angesiedelt ist. Seine gesellschafts- und herrschaftsanalytisch unterlegten, kulturkritischen und diskursanalytischen Arbeiten zu „Bildung“, dem deutschen Bildungsbürgertum, der Kulturkritik und Germanistik waren von großer Kenntnis getragen und schärften kritische Positionen – gerade auch solche, die den marxistischen Strömungen verbunden waren. Als es darauf ankam, ein linkes Studienwerk und die dazu gehörende Initialmenge linker VertrauensdozentInnen zusammenzubringen, zögerte er keine Sekunde. Seine Maßstäbe als Vertrauensdozent waren hoch, das Vergnügen intellektueller, freundlich-neugieriger wie konfliktfreudiger Zuarbeit und glänzend ironischer Verve ließ er sich nicht nehmen. Und wo, im Zweifel, die einen über eine coole Arroganz die Zähne knirschten, fassten andere Mut, sich nicht von dem Argumentationsglitzer der Macht niederdrücken zu lassen. Das RLS-Graduiertenkolleg "Kapitalismus und Demokratie" trieb er professionell und anspruchsvoll, auch kritisch voran. Als es letztes  Jahr auf einer Seminarwoche um Krise.Kunst.Kultur.Kritik - also um Transformation - ging, entwickelte er enthusiastisch die Idee und den Begriff des "Sinngenerators", die er dann in der Zeitschrift LuXemburg 1/2010 der RLS ("Für eine unbescheidene Linke. Krise – Hegemonie – Sinngenerator") publizierte, nachdem er das alles zuvor bereits bei der Versammlung der Vertrauensdozenten noch einmal ausprobiert hatte.

„Die Mosaiklinke... bräuchte einen imaginativen Sinngenerator, der ihren Energien eine neue Qualität verleiht; ein Sinngenerator, der eingesetzt wird, wenn es um den Zusammenhang von Gesellschaftsanalyse, Programmatik und Praxis geht. Seine Aufgabe besteht darin, die nötige philosophische und gesellschaftsanalytische Reintellektualisierung der Linken zu fördern, ihre große Erzählung mit Wahrheitsanspruch zu aktualisieren und schließlich eine Weltdeutung mit Handlungsanbindung zu befördern. Man könnte den Sinngenerator als eine regulative Idee bezeichnen. Ohne politische Akteure, die ihn nutzen, existiert er nicht, und ohne seine Ausrichtung auf den Zusammenhang von Gesellschaftsanalyse, Programmatik und Praxis produziert er keinen Nutzen für diese Akteure.“

In vielerlei Hinsicht sind wohl in diesem Text in der nach Rosa Luxemburg benannten Zeitschrift Selbstverständnisse und Sinngebungen des politisch-intellektuellen  Lebens Georg Bollenbecks widergespiegelt - auch als Sinngenerator wird er uns fehlen.

Wir verweisen auch auf die Würdigung im Blog des Instituts für Gesellschaftsanalyse.