Nachricht | Afrika - Westafrika «Wir haben ein enormes Problem mit Ressourcenmanagement»

Aliou Cissé über die Situation des Abbaus natürlicher Ressourcen in Ziguinchor, Senegal

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Aliou Cissé Foto: Franza Drechsel

Aliou Cissé ist Journalist und Kommunikationsberater im Gemeinderat von Ziguinchor, einer Stadt in der Casamance, Südsenegal. In der Regionalstelle Ziguinchor der Nationalen Koalition Publish What You Pay (PWYP) Senegal kümmert er sich um die Kommunikation und vertritt die Koordinatorin. Er ist verantwortlich für die Durchführung des zweiten Aktionsplans, den die Rosa Luxemburg Stiftung Westafrika unterstützt.

Aliou, was ist die Rolle von Publish What You Pay in Ziguinchor?

PWYP ist eine weltweite Organisation, die in allen Ländern aktiv ist, wo es extraktive Industrien gibt und wir sind Teil der senegalischen. Unser Ziel ist die Sensibilisierung und Mobilisierung für mehr Transparenz im Management natürlicher Ressourcen. In der Casamance sind die Herausforderungen dahingehend enorm.

Welche natürlichen Ressourcen gibt es hier denn?

Die Region Ziguinchor ist sehr reich. Abgesehen von Öl und Zirkon haben wir einen riesigen Wald.  Allerdings wird der zunehmend abgeholzt, sodass heute diese letzte große Waldfläche im Senegal vom Verschwinden bedroht ist. Es ist also wichtig, ihn zu schützen. Es gibt auch Kalkstein, der abgebaut wird, ohne dass sich um die zurückgelassenen Gräben gekümmert wird. Darüber hinaus ist der Fluss die mit am meisten angegriffene natürliche Ressource. Täglich werden die Fischereigesetze gebrochen und die Fischfabriken missachten Umweltnormen.

Worin besteht genau eure Arbeit?

Unser erstes Ziel ist es, dass die Betroffenen ihre Rechte kennen. Dafür sensibilisieren wir und bieten Trainings für die Bevölkerung und Gemeindevorsteher*innen an, in denen sie über ihre Rechte und die Gesetzgebung erfahren. Damit können sie sich selbst verteidigen. Bei den Trainings gibt es immer auch öffentliche Debatten über die sozioökonomischen und ökologischen Folgen des Abbaus und der Abholzung. Für bessere Unterstützung beginnen wir unseren Aktionsplan mit Besuchen bei den verschiedenen Autoritäten (hier: Gouverneur, Präfekt, Bürgermeister, Gemeindevorsteher). Sie sind nicht nur die Eingangstür zu den Gemeinden, sondern auch diejenigen, die letztlich die Entscheidungen fällen. Diesen ersten Schritt haben wir gerade gemacht.

Die Konsequenzen von industriellem Bergbau sieht man in vielen Teilen der Welt. Was ist das Besondere an der Situation in der Casamance?

Seit 1982 steckt die Casamance in einer Identitätskrise. Damals begann die Bewegung Demokratischer Kräfte der Casamance (MFDC) die Unabhängigkeit der Region zu fordern. Auch wenn es 2004 ein Abkommen zwischen MFDC und der senegalesischen Regierung gab, halten die Spannungen an, weil die Rebell*innen noch nicht entwaffnet wurden und sie ab und zu Gebiete besetzen, während das Militär dauerpräsent ist, um auf jede Eventualität reagieren zu können. Die Situation bleibt also fragil, weil kein nachhaltiger Frieden etabliert wurde.

Warum ist das in Bezug zu Bergbau so relevant?

Im Landkreis Kataba 1, wo eine Abbaulizenz für Zirkon vergeben wurde, ist die Situation besonders sensibel, da ist die Spannung noch höher. Dort gibt es zwei Lager – eines, was für den Zirkonabbau ist, und eines, das so genannte Kampfkomitee, was dagegen ist. Wenn wir die Regierung mit dem Konflikt um den Abbau alleine lassen, kann sie diesen notfalls mit Gewalt durchsetzen. Dadurch könnte der größere Konflikt zwischen Militär und Rebell*innen aber wieder aufflammen. Um die Gewalt also zu vermeiden, hatten wir uns während des ersten Aktionsplans, von 2015 bis 2018, auf die Region konzentriert. Das hat stark dazu beigetragen, dass die Spannungen gesunken sind und ein Dialog möglich wurde.

Werdet ihr hier eure Arbeit fortführen?

Auf jeden Fall. Die ersten Schritte bestanden daraus, zuzuhören und die Sorgen zu analysieren, um besser die verschiedenen Positionen und ihre Hintergründe zu verstehen. Das hat es uns erleichtert, als Mediator*innen akzeptiert zu werden und alle an einen Verhandlungstisch zu bringen. So wurde dann auch die Idee akzeptiert, Verhandlungsrunden mit dem Kampfkomitee, den staatlichen Strukturen und dem australischen Unternehmen Carnegie Ltd. zu etablieren. PWYP ist hier vor allem Mediator und kümmert sich darum, dass mögliche Abkommen auch eingehalten werden.

Warum ist ausgerechnet PWYP so wichtig als Mediatorin?

Wir sind eine der wenigen Organisationen, die von den verschiedenen Parteien, also staatlichen Strukturen aber auch der Bevölkerung, akzeptiert und der auch zugehört wird. Auf Basis dieses Vertrauens versuchen wir feinfühlig weiterzuarbeiten, wobei wir sehr auf den Kontext und die verschiedenen Bedürfnisse eingehen müssen. Die Casamance ist nicht nur in einer fragilen Phase was den Frieden angeht, sondern auch dabei, sich sozial und ökonomisch wieder aufzubauen. Es ist wichtig, diese Initiativen zu begleiten. Und hier kann PWYP einiges beitragen, weil wir durch die zahlreichen Mitgliedsorganisationen viel Wissen über die extraktiven Industrien haben.

Die Regionalstelle Ziguinchor der Nationalen Koalition Publish What You Pay Senegal hat circa 30 Mitgliedsorganisationen. PWYP Senegal ist in sieben von 14 Regionen aktiv (Ziguinchor, Kédougou, Tambacounda, St. Louis, Thiès, Dakar, Matam) und ist Mitglied der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI) im Senegal.