Nachricht | Jacobs/Rössler (Hg.): Jan Tschichold – ein Jahrhunderttypograf?, Göttingen 2019

Buch zu Ausstellung in Leipzig

Information

Der 1902 in Leipzig geborene Jan Tschichold gilt als einer der wichtigsten Typografen des 20. Jahrhunderts. 1933 verlässt er Deutschland und arbeitet vor allem in der Schweiz. Er verstirbt 1972. Die neue, von Publikation von Stephanie Jacobs und Patrick Rössler herausgegebene Publikation stellt weniger das Leben, als vielmehr das Werk von Tschichold ausführlich vor.

Tschichold arbeitet zwar selbst nie am Bauhaus, ist aber einer der prominenten VertreterInnen der modernen, funktionalen Typografie der 1920er und 1930er Jahre, der über Jahrzehnte auch immer wieder durch markante Publikationen in die fachliche Debatte eingreift und sich dort positioniert. Er gestaltet unter anderem Bücher und Buchumschläge, Schriften und Plakate. Stephanie Jacobs berichtet in ihrem Beitrag über den 176 Kisten umfassenden, im Deutschen Buch- und Schriftmuseum archivierten Nachlass von Tschichold, während Rössler einleitend seine Biografie vorstellt. Beide argumentieren, dass Tschichold nicht gerecht wird, wer/welche ihn auf funktionale Typografie beschränkt. Habe dieser doch in den 1930er Jahren eine Abkehr von der «Neuen Typografie» und sozusagen eine Rückkehr zum klassischen Ansatz vollzogen, die er 1946 auch schriftlich und öffentlich bekannte. In der Nachkriegszeit lebt Tschichold drei Jahre in London und arbeitet für den großen englischen Verlag Penguin, kehrt dann aber wieder zurück in die Schweiz. Von 1955 bis 1967 ist er für den Chemiekonzern Hoffmann-LaRoche und Co. tätig.

Kern des Buches sind auf über 300 Seiten die chronologisch und jeweils auf einer Doppelseite präsentierten und von Rössler kommentierten Skizzen, Entwürfe, Collagen, Fotos und gedruckten Werke aus dem Zeitraum 1917 bis 1974. Diese, teilweise mit handschriftlichen Anmerkungen und Korrekturen versehenen Dokumente geben einen kleinteiligen Eindruck in das umfangreiche Schaffen dieses, so die HerausgeberInnen, «Ausnahme-Typografen»; so dass dieser Band schon fast Werkbiografie genannt werden könnte.

Das angesichts seiner reichhaltigen Ausstattung sehr preiswerte Buch ist anlässlich einer Ausstellung im Deutschen Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek erschienen. Diese ist noch bis 6. September 2019 in Leipzig zu sehen.

Stephanie Jacobs / Patrick Rössler (Hg.): Jan Tschichold – ein Jahrhunderttypograf? Blicke in den Nachlass; Wallstein Verlag, Göttingen 2019, 384 Seiten, 29 EUR