Nachricht | Afrika - Sozialökologischer Umbau - Ernährungssouveränität BASF-Hauptversammlung 2020:

BASF-Pestizide vergiften Landarbeiter*innen in Südafrika

BASF-Insektizid Hunter 24: In der EU verboten
In der EU nicht genehmigt, in Südafrika eingesetzt: Das BASF-Insektizid Hunter 24 enthält den Wirkstoff Chlorfenapyr, der auf der PAN-Liste der hochgefährlichen Pestizide steht. Foto: Benjamin Luig

Mit einem jährlichen Umsatz von fast sieben Milliarden US-Dollar ist BASF das weltweit drittgrößte Agrarchemieunternehmen und damit einer der wichtigsten Produzenten von Pestizidwirkstoffen. Am 18. Juni 2020 findet die diesjährige BASF-Hauptversammlung statt. Einen Teil seines Umsatzes macht der Chemiegigant auf Kosten von Mensch und Umwelt. In Ländern wie Südafrika vermarktet der Konzern unter eigenem Label oder in Produkten von südafrikanischen Herstellern Pestizidwirkstoffe, die keine EU-Genehmigung haben. BASF-Pestizide finden sich etwa auf südafrikanischen Zitrusfarmen, auf denen Arbeiter*innen bei Arbeitsunfällen mit Pestiziden schwere Vergiftungen erlitten.  

Die BASF hat 53 Pestizidprodukte in ihrem südafrikanischen Portfolio. Der Konzern vertreibt in dem Land am Kap mindestens vier Pestizidwirkstoffe selbst, die keine EU-Genehmigung haben. Auf Zitrusfarmen in Südafrika kommt eine Reihe von BASF-Produkten zum Einsatz, die schwerwiegende Folgen für die Gesundheit der Landarbeiter*innen haben. Nach eigenen Recherchen der Rosa-Luxemburg-Stiftung ist eines davon das BASF-Insektizid Hunter 24. Es enthält den Wirkstoff Chlorfenapyr, der auf der PAN-Liste der hochgefährlichen Pestizide steht. Er ist zudem nicht in der EU genehmigt. Chlorfenapyr gilt als gesundheitsschädlich beim Verschlucken, giftig beim Einatmen und als sehr giftig für Wasserorganismen. Landarbeiter*innen auf Zitrusfarmen, auf denen sich eine Reihe von BASF-Produkten finden, berichten unter anderem, dass ein Großteil der Pestizide vor dem Einsatz von ihnen gemischt werden muss und sie bei der Zubereitung einen Teil der Substanzen einatmen. Manche Arbeiter*innen klagen infolge der Arbeit mit den Pestiziden über Symptome wie Kopfschmerzen sowie Juckreiz im Gesicht und an den Armen. In einem Fall musste ein Arbeiter sogar im Krankenhaus behandelt werden.

Unternehmen wie BASF geben gerne vor, dass ihre Produkte sicher seien, wenn sie korrekt eingesetzt werden. Auf dieser Annahme einer «sicheren Anwendung» basieren die Marktzulassung und der Vertrieb. Die Praxis zeigt jedoch, dass in vielen Fällen eine sichere Anwendung nicht gewährleistet ist – dies ist sowohl den Aufsichtsbehörden als auch den Unternehmen bekannt. Dazu gehören beispielsweise unzureichende Aufklärung über die Gefährlichkeit der Pestizidwirkstoffe, Anwendung der Pestizide ohne die nötigen Trainings oder ohne Schutzausrüstung und andere Vorsichtsmaßnahmen.

Am 18. Juni 2020 findet die Hauptversammlung von BASF statt. Die problematischen Auswirkungen des Kerngeschäfts der BASF auf die Gesundheit von Landarbeiter*innen in Südafrika sollten dort diskutiert werden. Da die Hauptversammlung in diesem Jahr online stattfindet, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es für kritische Wortmeldungen weniger Raum geben wird. Dringend notwendig wären folgende Dinge:

  • Transnationale Agrarchemiekonzerne wie BASF müssen den Export von HHPs (gemäß der PAN-Definition) in Länder des globalen Südens wie Südafrika stoppen
  • Sie müssen schnellstmöglich sämtliche von PAN gelistete hoch gefährliche Pestizide aus ihren globalen Produktportfolios nehmen
  • Ein erheblicher Teil ihres Geschäfts besteht darin, Wirkstoffe zu exportieren, die in den jeweiligen Importländern dann von lokalen Unternehmen unter deren Label vermarktet werden. BASF muss offenlegen, welche Wirkstoffe sie in welchen Ländern vertreiben.

Notwendig dafür ist ein rechtlicher Rahmen, wie wir in unserer kürzlich erschienenen Studie dargelegt haben. Die Studie «Gefährliche Pestizide von Bayer und BASF – ein globales Geschäft mit Doppelstandards» haben wir gemeinsam mit dem INKOTA-netzwerk und MISEREOR, dem brasilianischen Netzwerk Campanha Permanente Contra os Agrotóxicos e Pela Vida und der südafrikanischen Organisation Khanyisa herausgegeben.