Nachricht | Parteien- / Bewegungsgeschichte - Deutsche / Europäische Geschichte - Soziale Bewegungen / Organisierung - 30 Jahre Transformation in Osteuropa Friede, Freude, Einheit?

«Wir streiten für Selbstermächtigung und einen solidarischen Osten.»

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Philipp Rubach
Für uns steht fest: «Wir werden die Arbeiter*innen in Ostdeutschland nicht aufgeben, auch wenn die Wahlergebnisse abschrecken.» (Philipp Rubach) Foto: privat

30 Jahre nach der Wende brechen junge Menschen auf für eine lebenswerte Zukunft in Ostdeutschland und brechen etwas auf – Diskurse, Lebensgeschichten, Schieflagen. Ein Gespräch mit Philipp Rubach, Anfang 20, studiert Geschichte auf Lehramt und ist Gründer der Initiative «Aufbruch Ost» in Leipzig.  

 
Rosa-Luxemburg-Stiftung: Es ist viel über euch berichtet worden, der Titel «Aufbruch Ost der nächsten Generation» ist mir im Gedächtnis geblieben – Was hat es damit auf sich?

Philipp Rubach: «Aufbruch Ost» ist eine junge Bewegung, heute nenne ich es so. Der Auslöser für unsere Gründung im Herbst 2018 war der zunehmende Rechtsruck im Osten. Eine Initialzündung war auf jeden Fall das Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl 2017. Die Ergebnisse waren hier im Vergleich zum Westen prozentual doppelt so hoch. Das hat mich sehr beschäftigt. Die Idee und Gründung einer Gegenbewegung entstand im Freundeskreis, klassisch beim Bier, alle haben sofort mitgemacht. Wir arbeiteten auf das Jahr 2019 hin, in dem das 30-jährige Jubiläum der Wende und drei Landtagswahlen in Ostdeutschland mit der konkreten Gefahr einer AfD-Regierungsbeteiligung bevorstanden. Wir sind jung, wir sind eine nächste ostdeutsche Generation, wir wollen was verändern, wir wollen hier leben. Gemeinsam mit westsozialisierten Menschen streiten wir deshalb für Selbstermächtigung im Osten. Damit stehen wir für etwas anderes als die PDS der 90er Jahre mit ihrer «Kümmererfunktion». Wir wollen einen solidarischen Osten und deshalb ostdeutsche Systemkritik nach links verschieben. Dazu suchten und suchen wir bewusst das Gespräch, wollen Gesprächsräume überhaupt aufmachen, gerade auch in Kleinstädten und Ortschaften. Von Anfang an hatten wir das Ziel Ortsgruppen zu gründen und eine ostdeutsche Bürgerbewegung aufzubauen.

Auf dem Lichtfest in Leipzig im Oktober 2018 seid ihr mit einem Transparent mit der Aufschrift «Friede, Freude, Einheit? Treuhand-Aufarbeitung jetzt» erstmals in Erscheinung getreten – Wie waren die Reaktionen?

Wichtig war uns erst einmal die Aktion an sich, die Sichtbarmachung eines großen Fragezeichens. Wie die Reaktionen vor Ort sein würden, konnten wir überhaupt nicht einschätzen. Das Lichtfest in Leipzig findet jeweils am 9. Oktober anlässlich des Jahrestages der Friedlichen Revolution mit viel Pathos statt. Friedensgebet in der Nikolaikirche, prestigehaftes Begleitprogramm, Ansprache des Ministerpräsidenten, dazu werden eindrückliche Stimmen und Bilder von den damaligen Demonstrationen eingespielt. In der Mitte des Augustplatzes beleuchten Kerzen in Form einer großen 89 das jährliche Prozedere. Währenddessen haben wir direkt neben der Bühne vor 15.000 Menschen das zehn Meter lange Transparent ausgerollt. Begleitet von einem Fotografen und in Szene gesetzt durch Flutlicht im Rücken, standen wir etwa zwei Stunden, haben selbstgedruckte Flyer verteilt und abgewartet, was passiert.

Mit unserem Fokus auf die Treuhandanstalt, die lediglich ein Akteur in der damaligen Zeit war, wollten wir bewusst das Gelingen der Wiedervereinigung in Frage stellen. Die Wiedervereinigung als zentrale Erfolgsgeschichte der CDU. Jenseits dieser kritischen Ergänzung zur Einheitserzählung kanalisieren sich in dem Begriff der Treuhand sämtliche Enttäuschungen und Wut der in Ostdeutschland gebliebenen Menschen. Er steht für Ausverkauf, Abbau und Abbruch, vor allem für Abwanderung, deren demografische und strukturelle Folgen. Treuhand bedeutet für Ostdeutsche biografische Brüche, Entwertungen von Lebensleistungen, Scham, Resignation und Sprachlosigkeit bis heute. Um es in Zahlen auszudrücken: Es ging damals um etwa 8.500 Betriebe, in denen mehr als vier Millionen Menschen arbeiteten.

Jedenfalls, gegen Ende der Veranstaltung kamen etliche Leute auf uns zu und staunten, dass da junge Leute unter dem Transparent stehen. Sie waren zugleich aufgeschlossen und fragten, wieso wir uns dafür interessieren, bedankten sich sogar. Das war auch der Schlüssel für das mediale Interesse, und auch für die anhaltende mediale Begleitung. Anschließend haben wir sehr offene Treffen veranstaltet und großen Zulauf erfahren. Haben Stadtfeste und Marktplätze aufgesucht, Menschen befragt, eine Ausstellung über den «Herbst der Utopie» 1989 und die daran anschließende Treuhandpolitik zusammengestellt und mitgeschleppt, auf Podien diskutiert.

Warum, denkt ihr, ist eine Aufarbeitung notwendig und warum jetzt?

Wie gesagt, zu Beginn war die Aktionsform für uns von großer Bedeutung und das Thema Treuhand-Aufarbeitung war ganz klar eine strategische Überlegung gewesen. Es steckt aber auch ein ganz ehrliches Interesse dahinter. Jetzt – weil die Akten nach 30 Jahren zugänglich werden und weil die Treuhand, die symbolisch für die Verwerfungen in Ostdeutschland steht, auch als eine Ursache für den Zuwachs an Stimmen für rechte Parteien und Ideen gesehen werden kann. Hinter dem Begriff Aufarbeitung stehen für uns zwei konkrete Forderungen: Erstens formulieren wir den Anspruch einer jeden und eines jeden Ostdeutschen, nicht nur die eigene Stasi-Akte, sondern auch die Treuhand-Akte einsehen zu können. Zweitens fordern wir eine Reindustrialisierung des Ostens, von der alle Menschen, die in Ostdeutschland leben wollen, profitieren können. Das impliziert ein anderes Wirtschaften, die Vorstellung einer Wirtschaftsdemokratie und zukunftsgewandter Ideen. Daran hängt für uns als junge Generation, dass wir hier eine Perspektive haben wollen. Als linker Akteur, der einen emanzipatorischen Aufbruch anruft, wollen wir auch die Geschichte von Widerstand und Protest in den 90er Jahren gegen die Politik der Treuhand in den Fokus rücken. Neben Bischofferode gab es zum Beispiel in Freital einen Widerstand, der mit der Besetzung des Dresdener Flughafens und Straßensperrungen auch Erfolg hatte. Die Freitaler Edelstahlwerke galten als nicht sanierungsfähig. Und doch konnte durch die Proteste ein Umdenken erwirkt werden, aufgrund dessen zumindest einige der Arbeitsplätze erhalten werden konnten und das Unternehmen bis heute existiert. Darüber forsche ich zum Beispiel.

Euer Ansatz, die herrschende Geschichtsschreibung infrage zu stellen, stieß auf enormes mediales, aber auch gesellschaftliches Interesse – Wie erklärst du dir das?

Wir verstehen uns als «Stimme des Ostens» und sprechen mit den Themen, die wir aufwerfen, vielen Leuten aus dem Herzen. So glauben nach einer aktuellen MDR-Umfrage mit über 17.000 Zuschauer*innen nur drei Prozent der Ostdeutschen, dass Deutschland heute wiedervereinigt ist. Fast die Hälfte meint, dass es nie gleiche Lebensverhältnisse in Ost und West geben wird. Wir sprechen die Problemlagen an und aus, versuchen Lösungen zu formulieren. Die Linke hat das unseres Erachtens zu wenig getan in den letzten Jahren. Unsere Methodik ist dabei ausschlaggebend für unseren Erfolg. Unser Vorgehen war und ist, neue Wege zu gehen und neue Formen des politischen Engagements auszuprobieren: bürgernah, geschichtsbewusst, raus aus der Blase, rein in den ländlichen Raum, regionale und soziale Themen aufgreifen – dabei ausdrücklich auf die Ansprache zu achten und die lokale Ebene stärker zu berücksichtigen – sowie an der Seite der Menschen stehen.

Wen meinst du mit «die Linke»?

Vor allem die außerparlamentarische Linke, aber auch parteipolitische Akteure kriegen die Ansprache teilweise nicht (mehr) hin. Wie kommt es sonst, dass Menschen, die immer links wählten, jetzt rechts wählen? Aber bleiben wir bei der außerparlamentarischen Linken. Da gibt es die «antideutsche Ostlinke», die hier aufgewachsen ist und aufgrund ihrer krassen Erfahrungen nur noch Düsteres sieht, mitunter von einem«rassistischen Konsens» spricht, wichtige Abwehrkämpfe führt, aber nicht in die Offensive kommt und es gibt die «westdeutsche Zivilgesellschaftslinke», die zum Teil im Osten Politik macht, sich mit der Geschichte hier aber noch nie befasst hat und daher auch die Problemlagen und Potentiale nicht kennt. Unsere Analyse von der ostdeutschen Gesellschaft widerspricht der Analyse der westdeutschen, aber auch der der ostdeutschen Linken. Wie verfolgen einen anderen Ansatz, setzen bewusst auf eine andere Sprache, sprechen mit den Ostdeutschen, nicht über sie. Das hat ein gewisses Interesse geweckt, einen Nerv getroffen. Im Übrigen auch gemeinsam mit anderen Stimmen, wie Petra Köpping, Jana Hensel, Valerie Schönian.

«Aufbruch Ost»
Auslöser für die Gründung von «Aufbruch Ost» im Herbst 2018 war der zunehmende Rechtsruck im Osten. Eine Initialzündung war das Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl 2017. Foto: privat

Thomas Oberender bezieht sich in seinem Büchlein «Empowerment Ost» an verschiedenen Stellen auf euch – wusstest du das? Ich muss es dir vorlesen, weil es so gut passt. Er schreibt: «Gegen dieses Besprochenwerden der Ostdeutschen macht sich 30 Jahre später die Sprache der Betroffenen selbst hörbar. Es ist die Sprache der Akteure und Zeitzeugen und vor allem ihrer Kinder und Enkel in Leipzig oder Rostock, die sehr detailliert und alltagsnah die andere Lebenswirklichkeit der DDR und langen Wendezeit erforschen – für mich bedeutet dieser Vorgang occupy history: 30 Jahre nach der Öffnung der Mauer gibt es eine Erinnerungspolitik von unten, die nach einem Freiraum, wie eine dieser Bewegungen in Leipzig heißt, für die Erfahrungen in der DDR und in der Zeit nach ihrem Verschwinden sucht. Diese neue Erinnerungspolitik von Akteuren wie Aufbruch Ost (…) hilft vielleicht, die aktuelle Distanz zwischen den vereinten Deutschen besser verstehen zu lernen und nicht zur Dynamik der Entzweiung werden zu lassen, wie sie von rechten Populisten entfacht wird.»

Echt jetzt? (freudig überrascht, stolz auch) Cooler Typ, ich habˈ ihn wahrgenommen, finde gut, was er so sagt, habe das Buch gesehen, aber noch nicht gelesen. Also nein, das wusste ich nicht, wir hatten bislang keinen Kontakt mit ihm, sollten aber unbedingt mal miteinander sprechen.

Die Geschichte (neu) besetzen, sie sich (wieder) aneignen – ist das euer Anliegen?

Das ist interessant, ja, das kann man schon so sagen. Auf jeden Fall wollten wir die Wende-Erzählung und den Geschichtsdiskurs hinterfragen und ergänzen. Deutsche Geschichte ist in der Regel westdeutsche Geschichte. Wenn über Ostdeutschland in der Vergangenheit gesprochen wurde, dann über die DDR und die Wende, kaum aber über die Zeit danach, über die Wirren der 90er Jahre. Dass die Nachwendezeit inzwischen nicht mehr dethematisiert werden kann, ist auch unser Erfolg. Ansonsten sind wir aber bewusst nicht auf der Geschichtsschiene verblieben, sondern richten unseren Blick und unsere Kräfte auf Gegenwartsthemen. Konkret unterstützen wir beispielsweise das neu entstehende solidarische Gesundheitszentrum in Leipzig-Schönfeld und reißen zusammen mit kämpferischen Gewerkschaften die «Lohnmauer» zwischen Ost und West ein.

Du bist 1996 geboren – Wie gehst du damit um, wenn man dein Beurteilungs-/Deutungsvermögen zu DDR und unmittelbarer Nachwendezeit in Frage stellt und damit im Grunde Diskussionsräume schließt, bzw. den so nötigen intergenerationellen Austausch verstellt?

Ja, auch Gregor Gysi hat bei der Ostkonferenz in Weimar eingangs gesagt, dass ich 1989 ja noch nicht mal Weichkäse war. Dafür muss man sich dann erstmal rechtfertigen, bevor man in die Inhalte gehen kann. Es ist mir wichtig zu erzählen, dass wir die Erfahrungen Älterer in unsere Überlegungen einbezogen haben. So sind wir vor der ersten Aktion nach Bischofferode gefahren, haben mit Gerhard Jüttemann gesprochen und zum Beispiel auch mit Gesine Oltmanns von der Stiftung Friedliche Revolution. Ansonsten kann ich dazu sagen, dass wir jungen Menschen ganz direkt von den Folgen betroffen sind und dass das Thema Aufarbeitung deshalb für uns sehr relevant ist. Zu nennen sind hier Schlagwörter wie Führungspositionen, Mobilitätszwang, Nazis. Kausalzusammenhänge wie Abwanderung von jungen gut ausgebildeten Menschen, zum Beispiel aufgrund der Löhne, der damit verbundenen Lebensperspektiven, das damit einhergehende Fehlen ganzer Bevölkerungsschichten, die wiederrum für die oft beschworene ostdeutsche Zivilgesellschaft so nötig wären. Wir brauchen die Erfahrungen der Älteren, aber die Älteren brauchen auch uns, um die Themen und Geschichten wieder aufzumachen und um neue Lösungen zu finden. Es ist wichtig, dass wir ins Gespräch kommen und im Gespräch bleiben.

Du hast vorhin gesagt, «ostdeutsche Systemkritik nach links verschieben» – was glaubst du, warum sollte der Aufbruch Ost ein dezidiert linker sein?

Dazu müsste man sich angucken, warum der Osten so empfänglich für die rechte Ansprache ist, aber auch die Zuschreibung eines (überwiegend) rechten Ostens. Das ist komplex und geprägt von bestimmten Wechselwirkungen, von Reflexen und auch von Abwehr, leider auch von unangenehmen Schulterschlüssen. Es gibt ganz klar rassistische Kontinuitäten, die vor und nach 1990 nicht aufgearbeitet wurden, weniger Erfahrungen mit Migration, aber auch durch die Abwanderung entstandene Sozialstrukturen, die schmerzlichen Erfahrungen nach der Wende, die Nicht-Repräsentation in der deutschen Gesellschaft und das Gefühl Bürger zweiter Klasse zu sein. Im Osten zeigt sich Klassenbewusstsein nicht selten in Form von ostdeutscher Identitätspolitik, das ist ein Potential, was Linke verschenken. Es gab die Kritik an uns, wir würden die Rechten im Osten mit diesen Erklärungsansätzen aus der Verantwortung nehmen. Das wollen wir nicht. Im Gegenteil, wir versuchen durch unsere Gespräche verständlich zu machen, dass Identitätspolitiken von Frauen, Migrant*innen und Ostdeutschen stärker zusammengedacht werden müssen, sie dürfen gerade nicht auseinanderdividiert werden. Unser Aufbruch ist deshalb eindeutig ein linker, weil linke Politik in erster Linie an der Seite der Schwachen stehen sollte.

Mich hatte eine Frage von dir bei einer Tagung im Frühjahr 2019 in Dresden auf euch aufmerksam gemacht und beeindruckt. Dort fragtest du nach zweieinhalb Stunden breiter Diskussion über die Ostdeutschen das große Podium: «Wenn wir jetzt immer über die Treuhand reden, müsste man nicht eigentlich über eine viel größere Dimension reden, also müsste man sich nicht eigentlich mit Turbokapitalismus beschäftigen und ˈner krassen neoliberalen, marktradikalen Politik, die damals hier stattgefunden hat und die aber nicht Mitte der 90er Jahre ein Ende hatte, sondern die eigentlich in Griechenland nach der Finanzkrise genauso eingeschlagen hat. Müsste man das nicht in einen größeren kapitalismuskritischen und europäischen Zusammenhang setzen?» Viele nickten stark, die Antwort war dennoch eher relativierend, eine Art Reflex irgendwie. – Denkst du, dass eine Beschäftigung mit dem Neoliberalismus etwa ab dem Ende der 70er Jahre in Westeuropa über die 90er Jahre in Ostdeutschland und Osteuropa, dieses ˈin einen größeren europäischen Kontext setzenˈ, dabei helfen kann, besser zu verstehen, was damals mit den Arbeiterinnen und Arbeitern geschehen ist, und dazu beitragen kann, dass sich Menschen auch heute ihrer eigenen Lage bewusst werden?

Du meinst die Große Transformation bei Philipp Ther? Ja, ich denke, dass es wichtig wäre, sich damit kritisch auseinanderzusetzen – im Osten wie im Westen und mit Blick auf die Austeritätspolitik der EU in den Ländern Südeuropas, auf strukturelle Probleme, soziale Fragen und Bedürfnisse.

Was habt ihr euch an politischer Arbeit nach dem medialen Interesse an 30 Jahren Mauerfall und Deutscher Einheit bzw. der Aufmerksamkeit für Ostdeutschland aufgrund von Landtagswahlen vorgenommen?

Wie schon erwähnt, haben wir unsere politische Arbeit nach diesem «Ostjahr» neu ausgerichtet. Seitdem konzentrieren wir uns vor allem auf die Gewerkschaftsarbeit. Hierzu sind wir bei Streikkundgebungen vor Ort und unterstützen die Beschäftigten durch Öffentlichkeitsarbeit, zum Beispiel bei Teigwaren Riesa. Für uns steht fest: Wir werden die Arbeiter*innen in Ostdeutschland nicht aufgeben, auch wenn die Wahlergebnisse abschrecken. Nur wenn wir mit ihnen gemeinsam für gerechte Arbeits- und Lebensbedingungen kämpfen, nehmen wir den Rechten den Wind aus den Segeln. Denn das mit den Landtagswahlen im Osten geht auch in 2021 weiter, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Interessant sind für uns auch einige Oberbürgermeisterwahlen, etwa aktuell in Hoyerswerda und in Chemnitz. Wir wollen gemeinsam mit unseren westdeutschen Freund*innen für einen solidarischen Osten streiten. Das Bündnis Unteilbar ist uns dabei ein Vorbild. Darüber hinaus unterstützen wir Polylux, ein Netzwerk der Solidarität für Vereine, Initiativen und Projekte im Osten. Und wir sind gespannt auf einige Publikationen und die Debatten, die damit weiter aufgemacht und geführt werden, etwa «Erinnern stören. Der Mauerfall aus migrantischer und jüdischer Perspektive» zum 3.Oktober von Lydia Lierke und Massimo Perinelli von der Rosa-Luxemburg-Stiftung oder «Die Gesellschaft der Anderen» von Naika Foroutan und Jana Hensel. In der Zusammensetzung von Aufbruch Ost und im Sinne der Bündnisarbeit und «strategischen Allianzen», wie Naika Foroutan es sehr treffend bezeichnet, möchten wir in Zukunft stärker noch migrantische Perspektiven einbeziehen. Die «Initiative 12. August» in Merseburg geht schon in diese Richtung.  Methodisch wollen wir uns mit Organizing beschäftigen und planen ein Ladenprojekt hier in Leipzig. Auf der Diskursebene wollen wir, wie gesagt, die migrantische Perspektive stärker beleuchten, aber auch Aspekte von «Kolonialisierung» in Ostdeutschland untersuchen. Individuell arbeiten wir weiter am Aufbruch Ost – im Wege der Forschung, journalistisch und in Form von Rap.