Nachricht | Soziale Bewegungen / Organisierung - Widerstandsbewegungen vernetzen 10 Jahre Revolution – 18 Tage Programm mit NAWARA Berlin

Ein Kooperationsprojekt über die Nachwirkungen der Revolutionen in Nordafrika und Westasien

Hur/K 18 days of events in commemoration of the revolutions in NAWA
Hur/K: 18 days of events in commemoration of the revolutions in NAWA

Im Jahr 2020/2021 jährt sich der Beginn der Revolutionen in Nordafrika und Westasien zum zehnten Mal. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung arbeitet in Kooperation mit NAWARA (North-Africa West-Asia Artists, Activists and Researchers Alliance) an einer Reihe von 18 Veranstaltungen, die an den Beginn der Aufstände erinnern und die arabische Diaspora in Deutschland und international einbinden.

NAWARA ist ein in Berlin ansässiges basisdemokratisches, prozessorientiertes Kollektiv von Migrant*innen, Aktivist*innen und Forscher*innen mit engen Verbindungen zur NAWA-Region.

NAWARA engagiert sich für eine intersektionale queer-feministische Praxis. Ziel ist es, Räume für kritische Reflexion, Engagement, Wissensproduktion und kreative Verbreitung zu schaffen und zu überbrücken. NAWARA stellt interdisziplinäre Forschungsansätze vor und bietet Coaching und Beratung für Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und Künstler*innen aus Nordafrika und Westasien an.

Zum Jahrestag der Revolution in Ägypten ging die Webseite von Nawara online.

Hier präsentieren wir aktuelle Informationen zu der Veranstaltungsreihe, die in Berlin an 18 verschiedenen Tagen im Jahr 2021 stattfindet, um die NAWA-Diaspora-Gemeinschaften in Deutschland in eine Reihe von Gedenkaktivitäten einzubinden. Das Gedenken soll jedoch über feste Termine und Orte hinausführen und die Nachwirkungen der Revolutionen in der NAWA-Region als Kontinuum verfolgen, das sich nicht auf bloßes Erinnern beschränkt, sondern versucht, neue Realitäten zu gestalten. Dafür werden die unterschiedlichsten Mittel und Medien genutzt: Storytelling, Film, Podcasts, Texte, Diskussion, Begegnung, Forschung, Visualisierungen und mehr.

Das Ziel von NAWARA ist es, die kontinuierliche «Bewegung» darzustellen und hervorzuheben, im Gegensatz zu der Erzählung der «Stagnation», die heute häufig mit dem so genannten Scheitern der Revolutionen in Verbindung gebracht wird.

Vorträge und Diskussion «Al Salon»

Wie hat sich politische Mobilisierung und Organisation in der ersten Phase der Revolution 2011 bis 2013 verändert im Vergleich zu den jüngeren Aufständen? Wie hat sich die Situation der armen Stadtbevölkerung verändert? Wie wichtig sind Heilung und Erholung in einem revolutionären Kontext? Was ist die Rolle der Diaspora im gemeinsamen Kampf und bei der Unterstützung vor Ort in den Regionen? Diese Fragen werden in fünf Gesprächskreisen diskutiert. Redebeiträge aus den Diskussionsrunden finden sich unter «Al Salon» auf der Website von NAWARA: hrk-berlin.net/al-salon

Storytelling

Der Storytelling-Workshop, geleitet von Roba Riad, dreht sich in acht Sitzungen um diese Träume der Revolution. Sie beinhalten auch den Versuch in einer neuen Realität zu leben, weit weg von den Heimatländern, in denen sie entstanden.

Hoch oben am Himmel der Revolutionen flogen unsere Träume – so dachten wir zumindest.

Auf Grund der Corona Pandemie mussten die abschließenden Aufführungen des Storytelling-Workshops verschoben werden (ursprüngliche Termine: 25. Januar und 5. Februar).

Der neue Termin wird auf der Webseite von NAWARA bekannt gegeben: hrk-berlin.net/storytelling

Radio Dramas – Diasporic Dreams

Vom 14. bis 17. September 2020 fand im Bärenzwinger in Berlin ein Workshop statt, bei dem sich zehn Teilnehmende unterschiedlicher Diaspora-Erfahrungen dem Thema «Träume» widmeten und diese in Radio-Dramen und Podcasts verarbeiteten.

Die Ergebnisse werden nun auf der Webseite von NAWARA erstmalig präsentiert: hrk-berlin.net/diasporic-dreams

Filme

Filmreihe «Zehn Jahre Bewegung»
Genese und Erbe der Revolutionen im Spiegel des arabischen Films

Während der arabischen Rebellion 2010/2011 gingen Millionen von Menschen auf die Straßen, in Tunis, Kairo, Sanaa, Daraa, Algiers, Rabat und anderenorts. Sie forderten Freiheit und soziale Gerechtigkeit, rüttelten am politischen Status Quo oder stürzten gar lang etablierte autokratische Regime. Fast zehn Jahre sind seither vergangen. Das Bewusstsein um die verheerenden menschlichen Verluste und die Trauer über «verpasste Chancen» drängten sich in den Vordergrund. Aber auch die Erkenntnis, dass Widerstand und Revolution immer eine Fortsetzung finden, wo nicht öffentlich, so im Privaten. Und in der Tat: Während der letzten zwei Jahre lief die zweite Protestwelle im Sudan, Libanon und Algerien an. Manche, wie die libanesische knüpfte an eine viel frühere Protestbewegung an: die Zedern-Revolution 2005, die den Gegenstand einer der in diesem Programm gezeigten Filme bildet. 

Die Reihe umfasst insgesamt acht Filme aus acht Ländern: Ägypten, Tunesien, Algerien, Marokko, Libanon, Sudan, Syrien und Palästina. Sie soll helfen, einen Blick auf die Genese und das Ausmaß der Aufstände zu werfen. Sie sollen auch das gegenwärtige Erbe und den Aussichten auf die Weiterführung des politischen Kampfs um Gerechtigkeit widerspiegeln. Jenseits von Erfolg und Scheitern als Deutungsmodelle, stellt die hiesige Filmreihe – ob dokumentarisch oder fiktional – das Subjektive als das Politische in den Vordergrund. Ungewöhnliche Narration und Ästhetik zeigt sich in Werken, die zu einer affektiven und reflexiven Aufarbeitung des revolutionären Geschehens, seiner Vor- und Nachbeben, seinen Hoffnungen und Niederlagen einladen. Das Persönliche entpuppt sich als im Kern politisch, wie die Filme aus Algerien, Ägypten, Tunesien  und dem Sudan zum Verhältnis der Geschlechter zeigen. Darüberhinaus werden die Möglichkeiten kollektiven Handelns erforscht, ob durch arabisches Theater in Israel oder durch Amazigh (Berber) Grassroots-Bewegungen in Marokko.

Wie bereits in der Filmreihe «Beyond Spring», die sich seit 2015 in der Werkstatt der Kulturen in Berlin präsentierte, wollen die Filme der Reihe und die anschließenden Gespräche mit Filmschaffenden, Expert*innen und Aktivist*innen aus der Region die komplexen Verflechtungen von sozioökonomischen Bedingungen, historischen und Gender-spezifischen Erfahrungen berücksichtigen.

Ein Filmprogramm der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Zusammenarbeit mit NAWARA und Mayadin al-Tahrir e.V im Rahmen der Veranstaltungsreihe Hur/K zum 10. Jubiläum der Arabischen Revolutionen.

Aufgrund der Corona-Pandemie können die Filme vorerst nur digital gezeigt werden.

Vom 10. bis 12. Februar 2021 wird der ägyptische Film «Amal» (2017) gezeigt:

Screening: 10.2., 19 Uhr bis 12.2., 18:30 Uhr

Eine Filmdiskussion findet via Zoom im Anschluss statt, also am 12. Februar, 19 bis 20 Uhr. Die Teilnahme ist nur mit vorheriger Anmeldung möglich: info@nawaraberlin.com.

Folgende Filme sind neben «Amal» im Programm:

«Noura’s Dream» (Tunesien 2019), «Silvered Water» (Syrien/Frankreich 2014), «The Blessed» (Algerien/Frankreich 2017), «Waiting for Farajallah» (Israel/Palästina 2019), «Beirut Diaries» (Libanon 2006), «Akasha» (Sudan 2018), «Amussu» (Marokko 2019).

Mehr über die Filme sowie Termine sind der Website von NAWARA zu entnehmen: hrk-berlin.net/film-screenings

Die Webseite beinhaltet einen Blog, der regelmäßig mit Beiträgen unterschiedlicher Autor*innen erweitert wird.