Nachricht | Eckert: Geschichte der Sklaverei; München 2021

Prägnante Einführung zu wichtigem Thema

Information

Im Jahre 1763, zu Beginn der Ereignisse, die später die amerikanische Revolution heißen werden, leben in den 13 Kolonien, die sich später zu den Vereinigten Staaten von Amerika zusammenschließen, werden geschätzt drei Millionen Menschen. Eine halbe Million davon sind Sklaven und Sklavinnen. Die auf Sklavenarbeit basierende Plantagenökonomie schuf das Kapital mit, mit dem die Entstehung des modernen (und industriellen) Kapitalismus in Europa (und dann später auch anderswo) erst möglich wurde. In Brasilien, der Karibik, den Südstaaten Nordamerikas wurde für einen entstehenden Weltmarkt z.B. Zucker, Baumwolle, Kaffee oder Tabak angebaut und exportiert, in südamerikanischen Minen Gold oder Silber abgebaut.

Sklaverei und Sklavenhandel gab es aber auch in anderen Weltregionen, etwa in Indien, oder innerhalb Afrikas, und auch schon vor dem 18. Jahrhundert. Andreas Eckert, eine_r der Expert_innen für die Geschichte Afrikas und der globalen Arbeit, liefert in diesem Bändchen einen knappen historischen Überblick. Er erzählt die Geschichte der Sklaverei in verschiedenen Regionen und Zeitperioden nach, mit dem Schwerpunkt auf dem gewalttätigen und profitablen Geschehen im transatlantischen Raum. Er weist auf weithin unbekanntes hin, etwa darauf, dass Sklavenarbeit in Brasilien eine weit größere Bedeutung hatte als in Nordamerika, und die Karibik, z.B. das heutige Haiti, am stärksten von der Sklaverei (und ihren Nachwirkungen) geprägt wurde. Eckert schildert Widerstand und Handlungsräume von Versklavten und untersucht, warum die Sklaverei dann im 19. Jahrhundert schrittweise und zu unterschiedlichen Zeitpunkten formal abgeschafft wurde, und wie das mit der Entstehung des modernen Denkens zusammenhing. Er hat angesichts der aktuellen Debatte um Postkolonialismus ein kurzes, lesenswertes Buch zu einem wichtigen, hierzulande noch falsch als unwichtig angesehenen Thema vorgelegt.

In Brasilien wird die Sklaverei auf dem Papier erst 1888 abgeschafft. In den USA war dies bereits 1865 erfolgt.

Andreas Eckert: Geschichte der Sklaverei. Von der Antike bis ins 21. Jahrhundert, Reihe C.H.Beck Wissen, München 2021, 128 Seiten, 9,95 EUR