Publikation Soziale Bewegungen / Organisierung - Geschlechterverhältnisse - Palästina / Jordanien - Feminismus Feministische Proteste in Palästina

Fidaa Al Zaanin zur Lage der feministischen Bewegung

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Autorin

Fidaa Al Zaanin,

Erschienen

April 2021

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Palästinensische Frauen beteiligen sich traditionell sehr rege am politischen und gesellschaftlichen Leben und die Kämpfe der palästinensischen Frauenbewegung reichen bis in die Zeiten des Kolonialismus zurück. Trotzdem haben die konzertierten feministischen Proteste vom 26. September 2019 so manche*n überrascht.

An diesem Tag gingen Tausende palästinensische Frauen – einige unter ihnen zum ersten Mal in ihrem Leben – in zwölf Städten, unter anderem in Ramallah, Nazareth, Haifa, Jaffa und Jerusalem, auf die Straße. Auch in mehreren Geflüchtetenlagern und in der Diaspora (etwa in Berlin und London) kam es zu Demonstrationen. Die Gruppe Tal’at hatte zum feministischen Protest aufgerufen: gegen patriarchale Strukturen insgesamt, gegen toxische Männlichkeit, sexuelle Gewalt, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, wirtschaftliche Ausbeutung, gegen die Ausgrenzung von Frauen auf politischer Ebene und die sexistische Gesetzgebung, aber auch gegen die israelische Besatzungspolitik.

Zuvor waren weibliche Stimmen im palästinensischen Befreiungskampf zunehmend an den Rand gedrängt worden. Auslöser für die neuartige feministische Organisierung war die Ermordung der 21-jährigen Palästinenserin Israa Ghrayeb durch männliche Angehörige in der Westbank. Dieser Femizid war jedoch kein Einzelfall: Frauenrechtsorganisationen zufolge wurden 2020 im Gazastreifen und in der Westbank schätzungsweise 35 Frauen ermordet. Dies wurde auch in den sozialen Medien publik gemacht und führte zu verstärkten feministischen Diskussionen vor allem in sozialen Netzwerken.

Die Organisation der Proteste erfolgte ohne traditionelle Mobilisierungsmittel, es wurde also nicht auf Ressourcen und Netzwerke parteigebundener Frauenorganisationen zurückgegriffen. Im Unterschied zu anderen palästinensischen Frauenorganisationen ist Tal’at unabhängig: Politische Parteien und offizielle Institutionen haben keine Kontrolle über die Arbeit der Gruppe.

Die Autorin:

Fidaa Al Zaanin ist palästinensische Aktivistin und Feministin aus Beit Hanoun, Gaza. Sie arbeitet insbesondere zu Gleichberechtigung und sozialer Gerechtigkeit unter Militärbesatzung. Fidaa ist seit 2007 für lokale und internationale zivilgesellschaftliche Organisationen in Gaza aktiv. Als Advocacy-Koordinatorin arbeitete sie für das palästinensische Netzwerk für Nichtregierungsorganisationen (PNGO) und war Mitglied der UN Women Civil Society Advisory Group (CSAG). Aktuell lebt und arbeitet sie in Berlin.