Ausschreibung | «Internationales Recht und die Legitimierung kolonialer Gewalt am Beispiel Namibia»

Kurzfilm-Produktion; Bewerbungsfrist: 25.6.2021

Das Zentrum für Internationalen Dialog und Zusammenarbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin, hier vertreten durch das Referat Afrika, vergibt für den Zeitraum Juni bis Dezember 2021 einen Auftrag zur Produktion eines Kurzfilms zum Thema Internationales Recht und die Legitimierung kolonialer Gewalt sowie die komplexen Folgen bis heute am Beispiel Namibia.

Hintergrund

Langsam wächst in Deutschland und weltweit das Bewusstsein für die komplexen Folgen des Kolonialismus. In politischen und sozialen Debatten sowie in rechtlichen Diskursen geht es allerdings selten um die Aufarbeitung der transgenerationalen Exklusion der ehemals Kolonisierten – geschweige denn um Lösungsansätze, um die fortbestehenden Ungleichheiten zu durchbrechen. Auch viele der wesentlichen Grundannahmen des Rechts, wie wir sie heute noch kennen und anwenden, entstanden zur Zeit des Kolonialismus. Damals etablierte strukturelle Ungleichheiten und Herrschaftsverhältnisse bleiben teilweise noch heute durch Recht legitimiert.

Die Nachwirkungen des Kolonialismus im Bereich des internationalen Rechts haben Karina Theurer und Wolfgang Kaleck (beide arbeiten beim European Centre for Constitutional and Human Rights, ECCHR) in einem Sammelband herausgearbeitet: Dekoloniale Rechtskritik und Rechtspraxis, Nomos, August 2020, mittlerweile auch bei der bpb erschienen:

https://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/318030/dekoloniale-rechtskritik-und-rechtspraxis

Ziel des Buches ist es, dekoloniale Blickwinkel auf das internationale Recht und seine Entwicklung herauszuarbeiten und das Unrecht sichtbarzumachen, das nach wie vor in der Anwendung (post-)kolonialen Rechts liegt. Neben einer Intervention in rechtswissenschaftliche Debatten in Deutschland zielt das Buch darauf ab, die Vorgehensweise und Vernetzung bezüglich der Bekämpfung rassistischer Strukturen und kolonialer Machtverhältnisse zusammenzudenken sowie, auf lange Sicht, zivilgesellschaftliche Bündnisse und Kämpfe in Deutschland und Namibia zu vernetzen und voranzubringen. 

Die im Buch diskutierten Debatten und Kämpfe zu den Folgen von Kolonialismus und der Legitimierung kolonialer Gewalt durch internationales Recht sollen am Beispiel Namibia filmisch visualisiert und einer politisch interessierten Zielgruppe (im Alter von 16 bis 60ff) (insbesondere kritische Öffentlichkeit, Schüler*innen und Student*innen) nähergebracht werden. 

Das Projekt:

Ausgeschrieben wird hier die (dokumentar)filmische Konzeptualisierung und Produktion eines Films zum Thema Internationales Recht und die Legitimierung kolonialer Gewalt sowie die komplexen Folgen bis heute am Beispiel Namibia.

Inhaltliche Schwerpunkte:

  • Prägnante, allgemein verständliche Darstellung der Kernaussagen des Buches zu den Themen transgenerationale Exklusion, Legitimierung und Reproduktion von „Un“Recht, bspw. Intertemporalität, rechtliche Aufarbeitung der Völkermorde;
  • Dokumentation von Fallbeispielen;
  • Einbindung von Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen;
  • Aufzeigen von Interventionsmöglichkeiten
  • Länge des Films ca. 15-20 Minuten

Die filmische Thematisierung weiterer Kernaussagen des Buches durch 3 zusätzliche Filme ist geplant, wird im Rahmen dieser Ausschreibung mit vergeben, aber optional und separat beauftragt. Das Volumen des Auftrags orientiert sich für alle weiteren Filme an den unten beschriebenen Aufgaben und einem Finanzvolumen in Höhe von max. 20.000 EUR pro Film.

Ihr Profil:

  • Nachweisbare Expertise in Filmproduktion sowie kreativer und medialer Darstellung komplexer Inhalte
  • Nachweisbare Vertrautheit mit aktuellen antirassistischen und postkolonialen Themen und Debatten
  • Nachweisbare Erfahrungen zu vergleichbaren Projekten
  • Erfahrung in Interviewführung
  • Bereitschaft zur einer Reise nach Namibia und der Arbeit in einem multidisziplinären und multinationalen Team
  • Aufgeschlossenheit für die politischen Werte und Ziele der Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Strukturierte Arbeitsweise (Einhaltung von Abgabefristen, Formatvorgaben etc.)

Ihre Aufgaben:

  1. Mitarbeit an der Konzeptualisierung der Filme in Kooperation mit ECCHR und RLS
  2. Filmproduktion in englischer und deutscher Sprache
    - Skripterstellung
    - Filmaufnahmen in Deutschland und Namibia (in Nambia voraussichtl. August/ September 2021)
    - Aufnahme der Interviews in 4K
    - Filmredaktion (Recherche, Planung, Skripterstellung, Kommunikation, ggf. Einholen von Bildrechten)
    - Animation und Visualisierung
    - Schnitt und Postproduktion
    - Ausgabe des Films als Datei in FullHD
  3. Korrektur- und Feedbackschleifen mit RLS und ECCHR
  4. Erstellung von Material zur Social-Media-Nutzung
  5. Fertigstellung auf Englisch und Deutsch
  6. Bereitschaft zur Produktion von 3 weiteren Filmen, die optional beauftragt werden.

Die Urheberrechte der Filme verbleiben bei der Auftragnehmer*in. Die RLS erhält jedoch das einfache, räumlich und zeitlich unbeschränkte Recht, sämtliche vertragsgegenständliche Arbeitsergebnisse im Rahmen der politischen Bildungsarbeit zu nutzen, insbesondere zu vervielfältigen, zu verbreiten und im Internet öffentlich zugänglich zu machen. Die RLS erhält zudem das Recht, diese Rechte ganz oder teilweise auf Dritte zu übertragen.  

Wir bieten Ihnen:

  • Einen Werkvertrag mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Eine maximale Vergütung in Höhe von 20.000 EUR
  • Zusätzliche Übernahme der Reisekosten national und international sowie Übersetzungskosten der Filme

Bewerbungsprozess:

Angebotsunterlagen:

  • Kurzkonzept in Form einer konzeptionellen Ideendarstellung für den Film (max. 1 Seite)
  • Kostenverteilung unter Angabe von Tagessätzen für etwaige Anpassungen
  • Zeitplan für die Umsetzung des Films
  • Umfassende Darstellung der Leistungsfähigkeit, Eignung und fachlichen Qualifikation des Anbieters anhand von maximal drei aussagekräftigen Referenzprojekten mit Angabe der Auftraggeber*innen. Die Referenzprojekte sollten mit der zur vergebenden Leistung vergleichbar und nicht älter als drei Jahre sein. Ein Referenzbeispiel (DVD oder Link) wird begrüßt.
  • Benennung der Teams, das an den Referenzprojekten gearbeitet hat und das am aktuellen Projekt arbeiten soll.
  • Benennung der Kamera und Audiotechnik für das aktuelle Projekt
  • Unterzeichnete Erklärungen (siehe Anlage zur Ausschreibung)

Aussagekräftige Bewerbungen richten Sie bitte – mit dem Hinweis „Dekoloniales Recht“ in der Betreffzeile – per E-Mail bis zum 25. Juni 2021 an:

Rosa-Luxemburg-Stiftung, Britta Becker, Referat Afrika, britta.becker@rosalux.org

Der Eingang der Unterlagen wird nicht bestätigt.