Nachricht | M. Reitmayer u.a. (Hrsg.): Unternehmen am Ende des "goldenen Zeitalters", Essen 2008

Matthias Judt, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam rezensiert auf H-Soz-u-Kult vom 6.8.2010
Reitmayer, Morten; Rosenberger, Ruth (Hrsg.): Unternehmen am Ende des "goldenen Zeitalters". Die 1970er Jahre in unternehmens- und wirtschaftshistorischer Perspektive. Essen 2008, S. 338; € 24,90

Morten Reitmayer und Ruth Rosenberger machen ihre lesenswerte Einleitung zu dem Sammelband über "Unternehmen am Ende des 'goldenen Zeitalters'" mit Eric Hobsbawns Einteilung des 20. Jahrhunderts in die Abschnitte des "Katastrophenzeitalters" der ersten Jahrhunderthälfte, des "Goldenen Zeitalters" von 1945 bis 1973/74 und des anschließenden "Erdrutsches" auf. Die Frage, welcher Abschnitt wirtschaftshistorisch der markanteste, derjenige mit den einschneidendsten Veränderungen war, lässt sich nicht so leicht beantworten, wie es zunächst den Anschein hat. Zweifellos haben sich die Katastrophen der Hyperinflation, der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkriegs genauso unauslöschlich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt wie der Boom der Nachkriegsjahrzehnte. Doch der in den 1970er-Jahren beginnende Strukturwandel in den modernen Volkswirtschaften ist mit so großen gesellschaftlichen Umbrüchen verbunden, dass eher diese Periode als die wichtigste in der Wirtschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts anzusehen ist: Das Verschwinden ganzer Industriebranchen, der Bedeutungsgewinn des Dienstleistungssektors, die Computerisierung des öffentlichen (und später auch privaten) Lebens und die damit verbundenen Veränderungen in der Qualifikation der arbeitenden Bevölkerung markieren diese Umwälzungen.
In den 14 Aufsätzen werden von den meisten Autoren vor allem die 1970er-Jahre beleuchtet, wobei die Entwicklung aus drei Perspektiven betrachtet wird: Die erste wendet sich den "Produzenten" zu, die zweite der "Politik", ehe schließlich "Semantiken" diskutiert werden. Indem die Herausgeber ihren Autoren einen "Auftrag" mit auf den Weg gaben, nämlich sich mit Boltanskis und Chiapellos These vom "neuen Geist des Kapitalismus"[1] auseinanderzusetzen, also seiner – wie es Manfred Grieger formuliert – "Neuerfindung" über die "Mobilisierung des bis dahin ungenutzten Innovationspotenzials" des Managements und der anderen Beschäftigten eines Unternehmens (S. 31), erhielten die Aufsätze eine gemeinsame Klammer, die das Lesen dieser Sammlung zu einem Gewinn werden lässt. Allerdings ist es bedauerlich, dass sich der Band im wesentlichen mit Wandlungsprozessen in der Bundesrepublik befasst und andere Länder (Frankreich, DDR und Polen) nur ergänzend betrachtet werden....
Die gesamte Rezension auf http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2010-3-088