Nachricht | K. Nannen: Wirtschaft, Geschichte und Geschichtskultur; Münster 2010

Katharina Krovat, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Universität Wien rezensiert für HSozKult

Klaus Nannen: Wirtschaft, Geschichte und Geschichtskultur. Eine Untersuchung zur Vermarktung und Förderung von Geschichte durch deutsche Unternehmen (= Geschichte 93). Münster: LIT Verlag 2010. ISBN 978-3-643-10562-2; 344 S.; EUR 39,90.

Sie schreibt in ihrer Buchkritik eingangs: "History sells! Wir erleben seit etwa einem Jahrzehnt einen verstärkten Trend zur Popularisierung von Geschichte, bei der die verschiedensten Akteure historische Themen und Versatzstücke auf mannigfaltige Art und Weise verwenden. Angesichts der Menge an historischen und historisierenden Inhalten in Unterhaltungsbranche und Wirtschaft muss uns "Public History" daher Thema sein. Eine wissenschaftliche Bearbeitung dieser Phänomene ist im deutschsprachigen Kommunikationsraum bislang aber noch nicht in zufriedenstellendem Ausmaß unternommen worden. In diesem Sinne ist prinzipiell jedes neue Werk zu begrüßen, das sich mit der Thematik auseinandersetzt.
Wie lässt sich die Dissertation von Klaus Nannen über die Vermarktung
und Förderung von Geschichte durch deutsche Unternehmen in diesem
Kontext verorten? Nannen, der stark von der Geschichtsdidaktik geprägt
ist, unternimmt einen dokumentarischen Streifzug durch das weite
(Spannungs-)Feld von Wirtschaft und Geschichte. Mangels konkreter
Fragestellungen (das entsprechende Kapitel gibt lediglich einen
Überblick über die folgenden) ist in dem Buch ein roter Faden, der auf
ein Ziel hin ausgerichtet wäre, allerdings nicht zu erkennen."
Abschliessend urteilt sie: "Nannen verbleibt konsequent in der Deskription. Schlussfolgerungen über Bedeutung und Auswirkungen der Befunde werden kaum oder gar nicht geboten. Es fehlt der zweite und entscheidende Schritt - Aussagen, die über eine Bestandserhebung hinausgehen. So reibt sich die Arbeit an einem problematischen Forschungsdesign auf, und der Versuch die ebenso interessante wie drängende Thematik möglichst breit gefächert
abzudecken, ohne dabei in die Tiefe zu gehen, kostet zusätzliche
Substanz. In diesem Sinne muss man sich Nannens Wunsch anschließen, dass
dieser Untersuchung weitere folgen mögen, die zielgerichteter vorgehen
und die vielfältigen Aspekte des History Marketings und seiner
Geschichte beleuchten. Bis dahin ist das Buch als Sammlung von Anekdoten
und Beispielen sowie als eine Inspiration für weiterführende
Bearbeitungen dieses Problemfeldes zu empfehlen."