Nachricht | International / Transnational - Europa Ausstellung zu Rosa Luxemburg in Warschau und Wrocław

In Warschau wurde eine Straßenausstellung anlässlich des 140. Geburtstages Rosa Luxemburgs eröffnet.

Information

Anfang September wurde in Warschau in der ul. Floriańska im Stadteil Praga auf der rechten Weichselseite eine Straßenausstellung eröffnet, die sich Rosa Luxemburgs diesjährigen 140. Geburtstag zum Anlass nimmt. Sie wird bis Anfang Oktober an dieser Stelle zu besichtigen sein und dann weiterziehen nach Wrocław, wo sie vor der Synagoge „Pod Białym Bocianem„ (Synagoge zum Weißen Storch) bis Anfang November zu besichtigen sein wird. Organisator der Ausstellung ist der Verein „Warszawa w Europie“ (Warschau in Europa), der sich seit einigen Jahren auf derartige, überaus publikumswirksame Straßenausstellung spezialisiert hat. In der Vergangenheit wurden so den Warschauern z. B. Ausstellungen zu erfolgreichen Wohngenossenschaften in den 1920er und 1930 er Jahren angeboten, mit denen Arbeiterfamilien zu erschwinglichem und zugleich modern gestaltetem Wohnraum kamen.

Mit entschiedener Unterstützung des Warschauer Büros der Rosa Luxemburg Stiftung wurde nun im Jubiläumsjahr Rosa Luxemburgs diese Ausstellung erfolgreich auf den Weg gebracht. Die Ausstellungsautoren stützten sich dabei fast ausschließlich auf Dokumente und Materialien, die sich in Warschauer Archiven befinden. Leszek Lachowiecki, der Vorsitzende des Vereins, erklärte bei der feierlichen Eröffnung, dass es vor allem darum gegangen sei, den Warschauern und den Besuchern der Stadt einen unvoreingenommenen, neugierig machenden Blick auf die Persönlichkeit Rosa Luxemburgs zu ermöglichen. Angesichts der auffallenden Reserviertheit, mit der große Teile der Öffentlichkeit in Polen auf Werk und Persönlichkeit Rosa Luxemburgs seit einigen Jahrzehnten gewöhnlich reagieren, würde er sogar von einem kleinen, womöglich hilfreichen Tabubruch sprechen.

Der Ausstellung gaben die Autoren den feinsinnigen Titel „Die rote Rosa – ein Streiflicht auf Rosalia Luxemburg im 140. Geburtsjahr“. Dabei wurde bewusst auf Vollständigkeit verzichtet, also nicht der Lebenslauf chronologisch nacherzählt, sondern vor allem jene Dinge hervorgehoben, die auf das engste mit der nicht immer leicht zu verstehenden polnischen Geschichte im Zusammenhang stehen. So finden sich Äußerungen Rosa Luxemburgs zu ihrer jüdischen Herkunft, zum Patriotismus unter den Polen, zur Frage von Krieg und Frieden sowie zur Frage von Demokratie und Sozialismus.

Der Ausstellungseröffnung wohnte Elżbieta Ficowska bei, die Vorsitzende der Gesellschaft „Dzieci Holocaustu“ (Die Kinder des Holocausts). Sie wurde durch weitere Mitglieder der Gesellschaft begleitet, in der sich Überlebende des Holocausts organisieren, die als Kleinstkinder und Kinder aus dem Warschauer Ghetto und anderen Stätten des Grauens meistens durch polnische Mitbürger gerettet wurden.

Joanna Gwiazdecka, die Leiterin des Warschauer Büros der Rosa Luxemburg Stiftung, verwies auf die Fortsetzung der Ausstellung ab Oktober in Wrocław, wobei sie besonders hervorhob, dass dies vor der Synagoge „Pod Białym Bocianem“ (Synagoge zum Weißen Storch) möglich sei. Mit dieser Ausstellung, so Joanna Gwiazdecka, kehre ein kleines, aber wohl nicht unwichtiges Stück Erinnerung an Rosa Luxemburg zurück in die Stadt ihrer Jugend – nach Warschau, und nach Wrocław, wo sie im damaligen Strafgefängnis Breslau im Sommer 1918 u. a. das berühmte Manuskript zur russischen Revolution geschrieben hat, wo auf dem jüdischen Friedhof der Stadt Ferdinand Lassalle begraben liegt, von dessen Grabstelle sie im August 1918 eine Pflanze in ihr Herbarium einfügte.

Im Netz kann die Ausstellung unter folgender Adresse besucht werden: www.czerwona-roza.pl