Nachricht | Legerer: Aktion Sühnezeichen in der BRD und in der DDR und Gedenkdienst in Österreich; Leipzig 2011

Christiane Wienand, Department of German, University College London, rezensiert für H-Soz-u-Kult

Legerer, Anton: Tatort: Versöhnung. Aktion Sühnezeichen in der BRD und
in der DDR und Gedenkdienst in Österreich. Leipzig: Evangelische
Verlagsanstalt 2011. ISBN 978-3-374-02868-9; 492 S.; EUR 28,00.

Sie schreibt: "Anton Legerer hat mit seiner Dissertation eine quellengesättigte und akribisch recherchierte Organisationsgeschichte von "Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste" seit ihrer Gründung 1958 vorgelegt. Dazu hat er neben dem umfangreichen Aktenbestand im Evangelischen Zentralarchiv Berlin auch Quellen aus weiteren kirchlichen und staatlichen Archiven und der Stasiunterlagenbehörde (BStU) sowie private Nachlässe ausgewertet; zudem hat er über Zeitzeugengespräche weitere Quellen erhoben. (...) Während sich das Gros der bisherigen Untersuchungen zu diesem Feld mit der westdeutschen Aktion Sühnezeichen beschäftigt, nimmt Legerer eine gesamtdeutsche Perspektive auf die zwischen 1961 und 1991 getrennt agierende Organisation ein; für die Gedenkdienste in Österreich hat er die erste historische Studie überhaupt verfasst.
(...)
Der Vergleich der beiden Organisationen in Ost- und Westdeutschland verdeutlicht, dass Aktion Sühnezeichen in der DDR stärker den theologischen Grundlagen verpflichtet blieb, während sich die westdeutsche Organisation trotz vielfältiger Verbindungen zur Evangelischen Kirche und zu protestantischen Netzwerken dem linken friedensbewegten Milieu annäherte und in den frühen 1980er-Jahren zu einem wichtigen Akteur der Friedensbewegung wurde. Diese unterschiedliche Entwicklung trug Legerer zufolge - neben anderen Faktoren wie der Stasi-Problematik - auch zu Konflikten im Zuge der Vereinigung beider Organisationen seit den frühen 1990er-Jahren bei."
Abschließend urteilt die Rezenszentin: "Anton Legerers Dissertation bietet ein erkenntnisreiches, durch profunde Quellenstudien erarbeitetes Panorama der Geschichte von Aktion Sühnezeichen, das er durch einen transnationalen Blick auf die österreichischen Gedenkdienste sinnvoll ergänzt. Weitere Forschungen zu Versöhnungsaktivitäten zivilgesellschaftlicher Akteure, gerade auch in
ihren transnationalen Bezügen, können auf seinen Ergebnissen aufbauen."