
Die Reihe «Jüdinnen und Juden in der internationalen Linken» erscheint seit 2021. Fast 50 Autor*innen und sowie Gregor Gysi, Bodo Ramelow und Isabel Frey als Gesprächspartner*innen haben insgesamt über 70 Beiträge beigesteuert. Das Anliegen der Reihe besteht darin, die lange gemeinsame, vielfach organische Geschichte von jüdischer Emanzipations- und sozialistischer Arbeiter*innenbewegung wieder stärker in Erinnerung zu rufen.
«Jüdinnen und Juden in der internationalen Linken» ist ein fünfbändiges Buchprojekt in der Reihe «luxemburg beiträge»:
- Band 1: «Die jüdische mit der allgemeinen proletarischen Bewegung zu vereinen»
- Band 2: «Wenn du ausgegrenzt wirst, gehst du zu anderen Ausgegrenzten»
- Band 3: Die Arbeiter*innenbewegung als Emanzipationsraum
- Band 4: «Zog nit keyn mol, az du geyst dem letstn veg. Mir zaynen do!»
- Band 5: Erinnerungen an eine emanzipatorische Allianz
Angesichts der polarisierten Debatten um Israel und den Nahen Osten mag es schwerfallen sich dies vorzustellen: Doch seit dem 19. Jahrhundert bis weit in das zwanzigste Jahrhundert hinein bestand eine Allianz zwischen beträchtlichen Teilen der jüdischen Emanzipationsbewegungen und der sozialistischen und Arbeiter*innenbewegung. Dies galt für das Russische Reich und die frühe Sowjetunion ebenso wie für Polen, für Großbritannien sowie für die USA und ebenso für Südafrika, wo Jüdinnen und Juden weit überproportional auf Seiten der im Apartheid-System unterdrückten Schwarzen standen. Auch die kommunistischen, gewerkschaftlichen und antikolonialen Bewegungen in Tunesien und Marokko hatten zahlreiche jüdische Repräsentant*innen. Jüdinnen und Juden waren stark in sozialdemokratischen, kommunistischen und anderen linken Parteien und Organisationen vertreten. Erinnert sei an so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Moses Hess und Rosa Luxemburg in Deutschland, Leo Trotzki in Russland beziehungsweise der Sowjetunion, Otto Bauer und Bruno Kreisky in Österreich, Abraham Benaroya im Osmanischen Reich beziehungsweise in Griechenland und Joe Slovo in Südafrika.
Die Arbeiter*innenbewegung stand mehrheitlich auf der Seite von Jüdinnen und Juden im Kampf gegen den Antisemitismus. Doch konnte auch sie die Shoah nicht verhindern. Ebenso wenig waren Bewegungen und Staaten, die sich auf den Sozialismus und Kommunismus beriefen, frei von Antisemitismus, wie sich etwa in der frühen Arbeiter*innenbewegung, in der Sowjetunion unter Stalin und in der CSSR in den «Slansky-Prozessen» 1952 und anderswo deutlich zeigte.
Die Erinnerung an die lange und tiefe Allianz von jüdischer Emanzipationsbewegung und Arbeiter*innenbewegung ist wichtig, weil sie zum einen die Voraussetzung einer respektvollen, wo nötig auch kritischen Erinnerungsarbeit ist und weil aus ihr zum anderen Lehren für das Zusammenwirken partikularer und universalistischer Perspektiven für eine heutige Linke in heterogenen Gesellschaften gezogen werden können. Nicht zuletzt verweisen Geschichte und Geschichten, die wir in diesen fünf Bänden dargestellt haben, darauf, dass das, was einmal mühsam erkämpft und politisch verbunden wurde, in veränderter Form auch wieder möglich werden kann.
Wir freuen uns über die Möglichkeit, einzelne Aspekte aus dieser Reihe mit Interessierten in öffentlichen Veranstaltungen zu erörtern, wie wir es in den letzten Monaten beispielsweise in Frankfurt am Main, Berlin, Erfurt und Zürich tun konnten und in vielen weiteren Orten in den nächsten Monaten mit unterschiedlichen Kooperationspartner*innen und wechselnden Referent*innen tun werden. Gern stehen wir für weitere Vorstellungen und Gespräche zur Verfügung.