Analyse | Rosalux International - USA / Kanada - Südliches Afrika - Westafrika - Ostafrika Der Elefant auf dem Kontinent

Trumps chaotische Politik scheint in Afrika nur einem Ziel zu dienen: dem Geschäft

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Alex Thurston,

Donald Trump empfängt den liberianischen Präsidenten, Joseph Nyuma Boakai, am 9. Juli 2025 im Oval Office, bevor er mit afrikanischen Regierungschefs zu einem Mittagessen zusammenkommt.
Donald Trump empfängt den liberianischen Präsidenten, Joseph Nyuma Boakai, am 9. Juli 2025 im Oval Office, bevor er mit afrikanischen Regierungschefs zu einem Mittagessen zusammenkommt. Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Donald Trumps überraschende Ankündigung eines Gipfeltreffens mit den Staatsoberhäuptern von Gabun, Guinea-Bissau, Liberia, Mauretanien und Senegal vom 9. bis 11. Juli unterstreicht die Unberechenbarkeit der Afrika-Politik der neuen US-Regierung und belegt zugleich deren offensichtliche wirtschaftliche Ausrichtung, verfolgt sie diesmal doch eindeutig das Ziel, kritische Mineralien zu sichern. Vor dem Gipfel besaß Afrika in der Außenpolitik der zweiten Amtszeit von Präsident Trump keine Priorität; sie hatte bereits während seiner ersten Amtszeit keine große Rolle gespielt. Wie so oft und unabhängig davon, wer gerade im Amt ist, wurde der Kontinent von der US-Außenpolitik regelmäßig vernachlässigt. Dennoch zeitigen verschiedene Entscheidungen von Trumps Team bereits erhebliche Auswirkungen auf den Kontinent – nicht zuletzt in Form von Kollateralschäden durch Kürzungen der Auslandshilfen oder durch Reise- und Einreiseverbote.

Alex Thurston ist außerordentlicher Professor an der School of Public and International Affairs der University of Cincinnati. Sein zuletzt erschienenes Buch trägt den Titel Jihadists of North Africa and the Sahel (Cambridge, 2020). Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in seinem Newsletter Sawahil.

Der Fünf-Länder-Gipfel, der in jener Woche stattfand, lässt vermuten, dass die Regierung an Abkommen mit einigen afrikanischen Staatschefs interessiert ist. Dennoch gibt es bereits ernsthafte Spannungen zwischen den USA und Afrika, insbesondere in den Bereichen humanitäre Hilfe und Handel. Die USA dürften einen Teil ihres wirtschaftlichen und politischen Einflusses auf dem Kontinent verlieren.

Trumps selektives Engagement, sein offener Rassismus sowie das Fehlen eines stabilen Teams für die Afrika-Politik dürften die bereits wachsende Kluft zwischen den Vereinigten Staaten und Afrika weiter vertiefen. Hinzu kommen die teils drastischen Kurswechsel von Demokraten wie Republikanern, die erhebliche Auswirkungen auf die Beziehungen haben und das Bild von Washington als unberechenbarer und unzuverlässiger Kraft in der Welt festigen. Dies wird afrikanische Länder und Bürger*innen wahrscheinlich dazu bringen, verstärkt über alternative Partnerschaften und Wege zu wirtschaftlicher Unabhängigkeit und Souveränität nachzudenken.

Eine einseitige Beziehung

Trump ist keineswegs der Einzige, der Afrika relativ wenig Beachtung schenkt. In der Regel konzentrierten sich US-Präsidenten in ihrer Außenpolitik auf den Aufbau und die Wahrung (oder, im Falle von Trump, die Aufmischung) von Allianzen mit Europa, die Kontrolle des Nahen Ostens, die Bekämpfung vermeintlicher Rivalen und die Einmischung in südamerikanische Angelegenheiten. Folglich betrachten sie den Kontinent häufig durch die Brille größerer geopolitischer Konflikte. Dazu zählen etwa der Kalte Krieg oder der sogenannte Krieg gegen den Terror, um zwei Beispiele aus jüngerer Zeit zu nennen.

In jüngerer Zeit zeigte George W. Bush ein ungewöhnlich großes Interesse an Afrika. Dies offenbarte sich in der Einrichtung des Notfallplans des US-Präsidenten zur Bekämpfung von HIV (PEPFAR) im Jahr 2003, der engen Beteiligung seines Teams am umfassenden Friedensabkommen für den Sudan im Jahr 2005 sowie der Einrichtung des US-Afrika-Kommandos (AFRICOM) gegen Ende seiner zweiten Amtszeit. Im Gegensatz dazu hatte die Afrika-Politik der Präsidenten Barack Obama und Joe Biden wenig Substanzielles zu bieten. Sie begnügten sich mit hochkarätigen, aber relativ oberflächlichen «US-Afrika-Gipfeltreffen» in den Jahren 2014 und 2022.

Trump versäumte es in seiner ersten Amtszeit, nach Afrika zu reisen, nahm jedoch in einigen Bereichen folgenreiche Änderungen vor. So erkannte er beispielsweise den von Marokko erhobenen Anspruch auf das umstrittene Gebiet der Westsahara an und unterstützte Rabats «Autonomieplan» für die Region, im Gegenzug für eine Beteiligung an den von den USA geförderten Abraham-Abkommen. Dieser Schritt beunruhigte wiederum Algerien, den langjährigen Rivalen Marokkos und entschiedenen Befürworter der Unabhängigkeit der Sahrauis. Aktuell scheint das Land jedoch von Trumps Rückkehr unbeeindruckt und sogar offen für begrenzte Vereinbarungen mit der neuen Regierung zu sein.

Trumps Provokationen lösten bei afrikanischen Staatsoberhäuptern zwar Gegenreaktionen aus, doch insgesamt bleiben ihre Reaktionen zurückhaltend, da sie sich die Möglichkeit von Verhandlungen mit der Trump-Regierung offenhalten wollen.

In Trumps zweiter Amtszeit gibt es keine hochrangigen Regierungsvertreter*innen mit fundierter Afrika-Erfahrung. Weder Außenminister Marco Rubio noch Verteidigungsminister Pete Hegseth haben bisher Interesse an dem Kontinent erkennen lassen. Bis Juli 2025 wurden nur wenige ranghohe Beamt*innen mit Afrika-Expertise ernannt. Obwohl Trump einige Verbündete im Kongress hat, die ein ausgeprägtes Interesse an Afrika haben – darunter der Kongressabgeordnete Chris Smith aus New Jersey und Senator James Risch aus Idaho –, könnte seine Regierung letztendlich wichtige Strukturen der Afrika-Politik mit Kürzungen überziehen oder herabstufen. Dazu zählen diplomatische Vertretungen und sogar AFRICOM selbst.

Trumps rassistische Äußerungen, die einen Kernbestandteil seiner innenpolitischen Rhetorik bilden, haben sich in beiden Amtszeiten auch in seiner Afrika-Politik niedergeschlagen. In seiner ersten Amtszeit sorgte Trump für Aufsehen, als er zahlreiche afrikanische Staaten als «Drecksländer» bezeichnete. Im Februar schürte er nun mit einem provokanten Dekret, das den Titel Addressing Egregious Actions of The Republic of South Africa («Zu den ungeheuerlichen Handlungen der Republik Südafrika») trägt, diplomatische Spannungen. Wie schon in seiner ersten Amtszeit haben verschiedene «Einreiseverbote» und der Einreisestopp für Menschen aus vielen muslimischen Ländern zahlreiche afrikanische Länder getroffen. In den USA waren auch afrikanische Geflüchtete von Trumps Abschiebungen betroffen.

Mit seiner provokativen Vorgehensweise löste Trump eine Reihe von Gegenreaktionen afrikanischer Staatsoberhäupter aus. So entschied beispielsweise der Tschad, Visa für US-Bürger*innen auszusetzen. Insgesamt sind die Reaktionen jedoch zurückhaltend, da sich die afrikanischen Staatsoberhäupter eine Tür für Verhandlungen mit der Trump-Regierung offenhalten wollen. Trump selbst erfreut sich in einigen afrikanischen Ländern, wie etwa in Teilen Nigerias, großer Beliebtheit. Auch das bremst die Bereitschaft vieler afrikanischer Regierungen, ihm offen zu widersprechen.

Die Schwächsten im Visier

Die bislang folgenreichste Entscheidung Trumps, die direkte Auswirkungen auf Afrika zeitigte, war die Kürzung der Auslandshilfen. Am 20. Januar 2025 unterzeichnete er eine Verordnung zur «Überprüfung und Neuausrichtung der Auslandshilfe der Vereinigten Staaten», mit der die meisten Hilfsleistungen für 90 Tage eingefroren und verschiedene Programme einer Überprüfung unterzogen wurden. Seine «Behörde für Regierungseffizienz» (DOGE) nahm insbesondere die US-Agentur für internationale Entwicklung (USAID) ins Visier und entließ über 1500 Mitarbeiter*innen. Im Juni 2025 gingen die Regierung und ihre Verbündeten im Kongress dazu über, alle Stellen im Ausland zu streichen und die Mittel für die Auslandshilfen sowie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk um rund 9,4 Milliarden US-Dollar zu kürzen.

Die Folgen trafen Afrika hart, insbesondere den öffentlichen Gesundheitssektor und Konfliktgebiete wie den Sudan. Die Kürzungen der USAID waren besonders verheerend für Nigeria, das seit über 15 Jahren unter dem bewaffneten Aufstand von Boko Haram und weiteren gewalttätigen Konflikten, darunter endemische Bandenkriminalität und organisierte Kriminalität, leidet. Wie The New Humanitarian und andere Medien berichteten, führte die Streichung der USAID-Mittel nicht nur zum Wegfall der direkten humanitären Hilfe für die Bedürftigen im Nordosten Nigerias, sondern erschütterte auch das gesamte Wirtschaftssystem. Viele Arbeitskräfte waren bei lokalen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) beschäftigt, die größtenteils oder teilweise aus ausländischen Hilfsgeldern finanziert wurden. Die unbegründeten Behauptungen des republikanischen Kongressabgeordneten Scott Perry, wonach USAID Terrororganisationen wie Boko Haram finanziert habe, verbreiteten sich wie ein Lauffeuer in den nigerianischen Medien. Dies verschärfte letztlich das ohnehin schon weit verbreitete Misstrauen gegenüber ausländischen NGOs in Nigeria und darüber hinaus.

Die USAID-Aktivitäten in Afrika und auf der ganzen Welt verdienen zweifellos eine genaue Prüfung. Trumps Kürzungen haben zu kritischen Reflexionen darüber geführt, inwieweit die Arbeit der USAID im Bereich «Demokratie und Regierungsführung» weitreichende Bemühungen zur Umgestaltung der jeweiligen Innenpolitik umfasste, Protestbewegungen oder soziale Werte in anderen Kulturen beeinflusste und somit einer Art Imperialismus gleichkam. Ein großer Teil des Budgets der USAID floss jedoch zurück in die US-Wirtschaft und an amerikanische NGOs. Zudem wurden die viel gepriesenen Monitoring- und Evaluierungsmaßnahmen häufig von Berater*innen durchgeführt, die enge Verbindungen zur USAID selbst hatten. Dennoch flossen weit über 40 Prozent der Mittel in Hilfs- und Gesundheitsprogramme, sodass die Kürzungen einen schweren Schlag für einige der bedürftigsten Menschen der Welt bedeuten.

Heuchelei und Menschenrechte

Sämtliche US-Präsidenten waren bestenfalls inkonsequent, wenn es darum ging, ihr Bekenntnis zu demokratischen Werten und Menschenrechten einzuhalten. Selbst Jimmy Carter verbündete sich mit Persönlichkeiten wie dem iranischen Schah Mohammad Reza Pahlavi. Die Regierung unter Joe Biden setzte diese langjährige Tradition fort und ging Partnerschaften mit altgedienten autoritären Führern ein, wie beispielsweise Yoweri Museveni aus Uganda, obwohl Bidens Afrika-Strategie angeblich darauf abzielte, «Offenheit und offene Gesellschaften zu fördern».

Trump hingegen zeigt nicht einmal Interesse an der Rhetorik von Demokratie und Menschenrechten und äußert Bewunderung für Staatschefs wie Wladimir Putin in Russland und Abdel Fattah al-Sisi in Ägypten. Es ist daher eher unwahrscheinlich, dass Trump und sein Team afrikanische Regierungen dazu drängen werden, die Demokratie in ihren Ländern aufrechtzuerhalten oder weiterzuentwickeln.

Diese Haltung und der fehlende Druck könnten sich auf die Entwicklung verschiedener Länder auswirken. Die Regierung unter Joe Biden war weder in der Lage noch willens, Tunesiens Abstieg in den Autoritarismus aufzuhalten. Unter Trump ist eine Umkehr dieses Trends jedoch noch weniger wahrscheinlich. Zwar ist fraglich, ob Bidens Regierung oder eine mögliche Regierung unter Kamala Harris den ivorischen Präsidenten Alassane Ouattara davon hätte abhalten können, im Oktober 2025 eine vierte Amtszeit anzustreben oder seine wichtigsten Herausforderer auszuschalten. Mit Trump im Weißen Haus hat Ouattara nun jedoch noch mehr Freiraum.

Sollte Trump letztendlich von weitreichenden Zöllen zu gezielteren bilateralen Abkommen übergehen, könnten einige nordwestafrikanische Länder als kleinere Partner in Erscheinung treten.

Die Militärregimes in Guinea, der zentralen Sahelzone (Mali, Burkina Faso, Niger) und das dynastische Regime im Tschad stehen derzeit ebenfalls unter nachlassendem Druck, während viele dieser Regierungen planen, mindestens bis 2030 an der Macht zu bleiben. Sollte es der Trump-Regierung gelingen, mit politischen Fraktionen in Libyen Abkommen zur Ansiedlung von Palästinenser*innen und/oder Deportierten zu schließen – Abkommen, die die Macht dieser Gruppen sowie ihre Stellung in Washington stärken könnten –, würden sich die Perspektiven für eine demokratische Entwicklung in Libyen weiter verschlechtern. Tatsächlich gibt es derzeit, abgesehen von Senegal und einer Handvoll anderer Länder, nur wenige Lichtblicke für die Demokratie in Nordwestafrika.

Wenn die Trump-Regierung sich weiterhin aus diesen Fragen heraushält, werden mehrere bevorstehende Machtwechsel voraussichtlich ohne nennenswerte Einmischung aus Washington ablaufen. In mehreren Ländern mit alternden, langjährigen Präsidenten (wie Kamerun und Uganda) zeichnen sich Übergangsprozesse ab. Zudem sind in verschiedenen afrikanischen Ländern weitere Staatsstreiche möglich, etwa in der Côte d’Ivoire oder erneut in der Sahelzone, die die Trump-Regierung wahrscheinlich dulden würde – wie es letztendlich auch die Biden-Regierung für notwendig gehalten hatte.

Weniger Einsatzkräfte vor Ort

Während Trump wieder an die Macht gelangte, sieht sich ein Großteil Afrikas mit tief verwurzelten, scheinbar unlösbaren Konflikten konfrontiert: seien es die langjährigen Aufstände in der Sahelzone, die zunehmende Gewalt im Nordosten Nigerias, der brutale Bürgerkrieg im Sudan, der schwelende Konflikt in Äthiopien oder das Wiederaufleben der Al-Shabab in Somalia. Denjenigen in Trumps Umfeld, die sich erinnern, sind die meisten dieser Konflikte bekannt, obwohl weder Trumps erste Amtszeit noch Bidens Präsidentschaft nennenswerte Fortschritte bei der Friedenskonsolidierung auf dem Kontinent erzielten. Besonders Somalia stand während Trumps erster wie auch zweiter Amtszeit im Fokus seines Teams. Neben Gesprächen über die Schließung der US-Botschaft in Mogadischu wurden regelmäßig Luftangriffe durchgeführt.

Trump wird die vergleichsweise zurückhaltende Positionierung seiner Vorgänger in Bezug auf bewaffnete Konflikte in der Sahelzone und in Nigeria wahrscheinlich fortsetzen. Die Regierungen der Sahelstaaten stehen Washington überwiegend misstrauisch gegenüber. Niger hat nach dem Staatsstreich im Jahr 2023 US-Truppen des Landes verwiesen. Nigeria ist seit Langem daran interessiert, mehr Rüstungsgüter aus den USA zu erhalten. Die erste Trump-Regierung genehmigte den Verkauf umfangreicher Kampfflugzeuge. Das Land scheint jedoch kein Interesse am Einsatz amerikanischer Truppen oder Berater*innen zu haben. Auch in Washington besteht wenig Interesse an solchen Einsätzen. Vereinfachende Darstellungen, die die Konflikte in Nigeria in erster Linie als antichristliche Gewalt darstellen, gewinnen in Washington zwar an Boden, dürften aber kaum zu einer direkten militärischen Beteiligung der USA in Nigeria führen.

Vorausgesetzt, AFRICOM übersteht die nächsten Sparrunden, könnte Trumps relatives Desinteresse an Afrika dem Regionalkommando die Freiheit geben, seine engeren Beziehungen zu einigen westafrikanischen Küstenstaaten in der Nähe der Sahelzone fortzuschreiben, beispielsweise durch die Stationierung von Drohnen in der Côte d’Ivoire. AFRICOM wird bei großen Trainingsübungen auch weiterhin mit Ländern wie Marokko und Tunesien zusammenarbeiten. Insgesamt werden sich die Konfliktgebiete im Nordwesten Afrikas wahrscheinlich jedoch weiterhin vor allem aufgrund ihrer eigenen inneren Dynamik entwickeln – und nicht aufgrund von US-Interventionen. Eine drastische Verschärfung eines oder mehrerer Konflikte oder das sehr unwahrscheinliche Szenario eines Angriffs einer afrikanischen militanten Gruppe auf US-Territorium könnte die Haltung der Trump-Regierung verändern. Die derzeitige Dynamik deutet jedoch auf eine Strategie der Nichteinmischung hin.

Deals, Zölle und noch mehr Deals

Der Handel war stets ein zentrales Element von Trumps Politik. Besonders seine zweite Amtszeit ist geprägt von einem wiederkehrenden Kreislauf aus Zollankündigungen, «Verhandlungen» mit China und anderen Staaten, teilweisen Anpassungen oder Rücknahmen – gefolgt von neuen Runden desselben Spiels. Auch wenn Afrika nicht im Fokus der Regierung stand, sind einige afrikanische Länder dennoch direkt von den Zöllen und der damit verbundenen Unsicherheit stark betroffen.

Die Zölle stellen die Zukunft des Africa Growth and Opportunity Act (AGOA) infrage, einer Regelung, die im Jahr 2000 verabschiedet wurde und im September 2025 zum zweiten Mal verlängert werden soll. AGOA hob Zölle auf einige afrikanische Exporte auf und zielt darauf ab, die Industrialisierung, den Handel und die regionale Integration auf dem Kontinent zu fördern – wurde jedoch auch heftig kritisiert, weil es nach Ansicht einiger Beobachter*innen einseitige und einschränkende Auflagen enthält, die den afrikanischen Handelspartnern politische Präferenzen der USA aufzwingen, größere Volkswirtschaften gegenüber kleineren begünstigen und weit hinter den ursprünglichen Versprechungen zurückbleiben. Sollte AGOA nicht verlängert oder aufgrund der Trump-Zölle, die das Gesetz ersetzen, einfach irrelevant werden, würden einige afrikanische Industriezweige einen schweren Schlag erleiden, während andere Länder sogar den Beginn einer Ära, die stärker von Transaktionen geprägt ist, begrüßen würden.

Trumps Vorgehen gegen China könnte auch Afrika zugutekommen. Im Juni 2025 kündigte China an, nicht nur die Zölle auf Exporte aus afrikanischen Ländern mit geringer Wirtschaftsleistung abzuschaffen, wie seit 2024 vorgesehen, sondern dies auch auf alle afrikanischen Länder auszuweiten, mit denen China diplomatische Beziehungen unterhält. Zu diesen Ländern zählen etwa 20 Staaten mittlerer Wirtschaftsleistung. Dieser Schritt Beijings war zweifellos eine Reaktion auf Trumps Zölle. China ist bereits jetzt Afrikas größter Handelspartner, und Trumps Politik könnte die wirtschaftliche Hinwendung des Kontinents zu China und Asien somit unbeabsichtigt beschleunigen.

Trumps Zölle kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Europäische Union ihren Handel mit Afrika ausbauen will. Obwohl sich insbesondere Frankreich, nicht zuletzt wegen seiner kolonialen Vergangenheit und einer von vielen als neokolonial empfundenen Gegenwart, erheblichem Misstrauen auf dem Kontinent gegenübersieht, könnten die europäischen Staaten, sowohl bilateral als auch auf EU-Ebene, neue wirtschaftliche Chancen erkennen, da Washington zunehmend als unzuverlässiger und unberechenbarer Partner erscheint.

Trump hingegen zeigt ein ausgeprägtes Interesse an kritischen Mineralien. Die Rhetorik und Politik seiner Regierung konzentrieren sich auf die Steigerung der heimischen Produktion. Doch auch in seinen Verhandlungen mit China, Südafrika und anderen Ländern räumt Trump diesen Mineralien Priorität ein. Nordwestafrika steht bei Trumps Politik eindeutig nicht im Fokus, aber Länder wie Ghana und Mali könnten wegen ihrer Lithiumvorkommen für Washington interessant werden. Sollte Trump letztendlich von weitreichenden Zöllen zu gezielteren bilateralen Abkommen übergehen, könnten einige dieser Staaten zu kleineren Partnern werden.

Souveränität oder Unterwerfung?

Aufgrund seiner launischen Persönlichkeit, seiner wenig klaren Prioritäten und der ideologisch vielfältigen, manchmal widersprüchlichen Strömungen in seinem Beraterteam wird Trumps Afrika-Politik wahrscheinlich weiterhin schwer durchschaubar bleiben. Ein mögliches Szenario wäre ein stärkerer Isolationismus, begleitet von Kürzungen bei Finanzmitteln und Personal, der Nichtbeachtung von Konflikten und Krisen sowie der Ausweitung von Reiseverboten und anderen repressiven Maßnahmen. Ein anderes Szenario könnte eine neokonservative Ausrichtung sein, die auf die Fortsetzung des Krieges gegen den Terror in Somalia und möglicherweise weiteren Regionen setzt, während gleichzeitig eine Konfrontation mit China auf dem afrikanischen Kontinent vorangetrieben wird.

Ein drittes Szenario könnte einen stark auf Transaktionen ausgerichteten Ansatz beinhalten: Washington würde mit Marokko, Libyen, Dschibuti und anderen Ländern verhandeln, um sich die Unterstützung Afrikas für Israel, die Umsiedlung von Palästinenser*innen und Deportierten sowie für den Handel zu sichern, insbesondere mit kritischen Mineralien. Angesichts der personellen und politischen Veränderungen, die beide Amtszeiten Trumps geprägt haben, scheint es sehr wahrscheinlich, dass die endgültige «Politik» eine Mischung aus allen oben genannten Elementen sein wird und sich durch Ad-hoc-Entscheidungen entwickeln wird.

Afrikanische Staats- und Regierungsoberhäupter, Organisationen und Bürger*innen haben verschiedene Optionen, um in diesem unvorhersehbaren politischen Umfeld Antworten zu finden. Einerseits bieten Trumps Transaktionspolitik, seine Skepsis gegenüber der Ukraine und seine relative Gleichgültigkeit gegenüber Afrika den afrikanischen Regierungen etwas mehr Handlungsspielraum als Bidens Außenpolitik. So übte die Regierung unter Biden beispielsweise erheblichen Druck auf afrikanische Länder aus, sich gegen Russland zu stellen. Andererseits wird es schwieriger sein, Washingtons Aufmerksamkeit und Finanzmittel für Prioritäten zu gewinnen, die über Handelsabkommen und – im Falle einiger weniger Länder wie Somalia – die Terrorismusbekämpfung hinausgehen.

Für afrikanische Regierungen liegt es nahe, sich noch stärker verschiedenen anderen Mächten anzunähern. Dazu zählen China, Indien, die Türkei, die Golfstaaten und die EU, die alle bestrebt sind, ihren schwindenden Einfluss auf dem Kontinent zu stärken. Die BRICS-Staaten könnten weitere afrikanische Mitglieder anziehen. Ein teilweise ergänzender Ansatz für diese Regierungen könnte darin bestehen, den von den Militärregimes in Mali, Burkina Faso und Niger vertretenen Souveränitätsdiskurs zu verfolgen: einen übersteigerten Patriotismus, verbunden mit wirtschaftlicher Selbstversorgung und einer Ablehnung des westlichen (insbesondere französischen) Einflusses. Dieser Ansatz stößt bei der Bevölkerung anderer Länder offenbar auf große Resonanz.

Eine weitere Möglichkeit wäre, eine abwartende Haltung einzunehmen. Viele afrikanische Spitzenpolitiker*innen scheinen davon auszugehen, dass sie weit über das Jahr 2029 hinaus an der Macht bleiben werden. Damit hätten sie genügend Zeit abzuwarten, ob die Kürzungen von Trumps Regierung bei den Hilfs- und Entwicklungsgeldern eine einmalige Laune sind oder ob es sich um eine längerfristige Trendwende in der US-Politik handelt. Einige afrikanische Staatschefs könnten schließlich zu dem Schluss gelangen, dass es klug ist, vorsichtig zu agieren und Einladungen nach Washington jederzeit anzunehmen. Alternativ könnten sie ihre eigenen Angelegenheiten vier Jahre lang ohne Einmischung Washingtons – sei sie wohlwollend oder feindselig – regeln.
 

Übersetzung von Camilla Elle und Claire Schmartz für Gegensatz Translation Collective.