
Im aktuellen Diskurs erscheinen Flucht und Migration nicht als Fragen von Gerechtigkeit, Solidarität oder gesellschaftlicher Vielfalt. Sie werden fast ausschließlich als Bedrohung oder unter dem Blickwinkel ökonomischer Verwertungslogik behandelt.
Der Aufstieg der rechtsradikalen AfD zur bundesweit zweitstärksten Partei ist nicht zuletzt das Ergebnis dieser Deutungshoheit. Auch in der Koalitionsvereinbarung von CDU/CSU und SPD spiegeln sich zentrale Narrative und Forderungen der AfD wider. Die politischen Maßnahmen konzentrieren sich dabei auf drei Bereiche: die Schließung von Migrationsrouten, die Ausweitung von Abschiebungen und den Abbau des Asylsystems.
Die gesellschaftliche Linke verteidigt das Asylrecht, die Menschenwürde Geflüchteter und das Recht auf Migration. Sie tritt rassistischen Ressentiments entgegen und verweist auf den Gewinn einer offenen Einwanderungsgesellschaft. Doch das reicht nicht aus. Nötig ist eine Gegen-Erzählung zu Flucht, Asyl und Migration – positiv, solidarisch und getragen von den Prinzipien sozialer Gerechtigkeit, internationaler Solidarität und universeller Menschenrechte.
Migration ist keine Ausnahmeerscheinung, sondern so alt wie die Menschheit selbst. Seit dem Ende des Kalten Krieges gehören Fragen von Steuerung und Kontrolle jedoch zu den zentralen Themen nationaler und internationaler Politik. Gleichzeitig haben die Kämpfe von Migrant:innen um Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit, politische und soziale Teilhabe sowie gegen Rassismus an Dynamik gewonnen. Damit sind Migrationsprozesse und der gesellschaftliche Umgang mit ihnen ins Zentrum der Auseinandersetzungen um soziale Gerechtigkeit und Demokratie gerückt.
Mit unseren Veranstaltungen wollen wir linke Positionen zu Flucht und Migration diskutieren und zugleich die Widersprüche und Herausforderungen ihrer Umsetzung sichtbar machen – für eine solidarische Gesellschaft der Vielen, die wir der autoritären Wende entgegensetzen.
Eine Reihe in Kooperation mit der GWA St.Pauli.
Gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg
Veranstaltungsort: Köllibri (Hein-Köllisch-Platz 12, 20359 Hamburg ).
Die Veranstaltungen im Detail:
- Dienstag, 07. Oktober 2025, 19:30 Uhr (Katherine Braun): Vom Mythos einer ‘globalen Migrationskrise‘ - Oder, warum Migration nicht die Krise ist
- Dienstag, 04. November 2025, 19:30 Uhr (Klaus Neumann):“Gute und nicht so gute Gründe, warum Deutschland Flüchtlingen Schutz gewähren sollte”
- Dienstag, 09. Dezember 2025, um 19:30 Uhr (Helge Schwiertz): Anti-migrantische Hegemonie überwinden– Solidarische Infrastrukturen der Migration aufbauen
- Dienstag, 03. Februar 2026, um 19:30 Uhr (Clara Bünger): Die autoritäre Wende im Migrationsrecht. Angriffe von Rechts. Verteidigung von unten.