Interview | 70 Jahre Italienische Migration Lavoro e lotta – Arbeit und Kampf

Kämpfe der Frauen, Gewerkschaften und Wilde Streiks 

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Portrait von Nuria Cafaro
Nuria Cafaro, Historikerin Foto: privat

Die Geschichte der italienischen Migration nach Deutschland wird oft auf das Anwerbeabkommen von 1955 verkürzt. Doch schon lange vorher kamen Italiener*innen in die deutschen Staaten – als Tagelöhner*innen, Künstler*innen oder Industriearbeiter*innen. Mit dem Abkommen begann jedoch eine neue Phase: Italien drängte auf Auswanderung, um ökonomischen und politischen Druck abzubauen, während deutsche Unternehmen auf flexible Arbeitskräfte setzten. Frauen waren dabei weniger sichtbar, obwohl sie in Fabriken, in der Gastronomie oder als Studentinnen eine wichtige Rolle spielten und die Kämpfe um Löhne, Wohnen, Bildung und Familie miteinander zu verbinden wussten. Die Arbeits- und Lebensbedingungen waren prekär, das Leben in Wohnheimen engmaschig reguliert, doch gleichzeitig entwickelten sich Formen der Organisierung: über Gewerkschaften, kirchliche Strukturen und kommunistische Zirkel. Das Interview mit Nuria Cafaro rückt die politischen Potenziale, Konflikte und Nachwirkungen dieser Migration in den Blick und zeigt, dass italienische Einwanderung keie vergangene Geschichte ist, sondern bis heute fortwirkt. 
 

Nuria Cafaro ist Doktorandin an der Universität zu Köln und forscht zu den Arbeitskämpfen der 1970er-Jahre, mit dem Fokus auf dem sogenannten Fordstreik, dem spontanen Streik bei Ford. Außerdem setzt sie sich mit der Verzahnung von politischen und gewerkschaftlichen Betriebskämpfen in Westdeutschland, Frankreich und Italien auseinander. Nuria beschäftigt sich auch mit der Migrationsgeschichte von Frauen und arbeitet im Kölner Frauengeschichtsverein. 

Massimo Perinelli/Cristina Raffaele: Nuria, heute wollen wir über die Geschichte der italienischen «Gastarbeiter*innen» sprechen. Erst einmal allgemein: Was waren die Ursprünge und Bedingungen des Anwerbeabkommens mit Italien 1955?

Nuria Cafaro: Man kann natürlich über die Epoche der sogenannten Gastarbeiter*innen ab 1955 reden, sollte dabei aber immer berücksichtigen, dass die italienische Migration nach Deutschland nicht erst mit dem Anwerbeabkommen beginnt. Bereits im Kaiserreich waren Italiener*innen nach Deutschland gekommen, um vor allem im Bergbau und in der Landwirtschaft zu arbeiten. Es waren verarmte Tagelöhnerinnen und Tagelöhner – ich benutze hier ganz bewusst auch die weibliche Form, denn wahrscheinlich waren es sogar mehr Frauen als Männer, die als Tagelöhnerinnen registriert waren. Aber auch ganze Familien sind gekommen, denn die verarmte Landbevölkerung migrierte nicht mehr nur nach Norditalien, sondern hatte ihren Migrationsradius auch auf Deutschland ausgeweitet.

Daneben gab es auch italienische Migration jenseits von harter körperlicher Arbeit. Nach Berlin beispielsweise – sicher ein Spezialfall – sind in den 1920er-Jahren ganz viele italienische Stummfilmschauspielerinnen migriert. Ich erwähne auch deshalb die Künstlerinnen, die aus Italien zwischen den Weltkriegen nach Deutschland gekommen sind – und später ebenfalls im Rahmen der Abkommen zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und dem faschistischen Italien –, weil Frauen noch mal unsichtbarer in der Migrationsgeschichte gemacht werden. Es gab immer wieder diese Abkommen und Gesetzgebungen, die Migration befördert haben, aber auch unabhängig von diesen Abkommen sind Leute aus Italien nach Deutschland migriert. Deshalb ist es wichtig, im Kopf zu behalten, dass die Migration nicht 1955 angefangen hat.

Das ist das eine. Das Zweite ist: Wenn man vom Anwerbeabkommen von 1955 spricht, muss man bedenken, dass Migration nicht etwas ist, das sich durch bestimmte Dekrete an bestimmten Punkten einläuten oder abschließen lässt. Migration war und ist der Normalfall der Geschichte, auch schon vor 1955. Wenn man beides beachtet, macht es natürlich trotzdem Sinn, sich anzuschauen, was das Anwerbeabkommen bedeutete, das im Dezember 1955 zwischen Italien und Deutschland geschlossen wurde.

Als Grund für das Abkommen heißt es in der Regel: «Es gab Arbeitskräftemangel in Deutschland, deshalb brauchten wir Menschen, die hier arbeiten.» Wenn man sich das deutsch-italienische Anwerbeabkommen aber genauer ansieht, dann ging die Initiative von Italien, nicht von Deutschland aus. Italien hatte großes Interesse daran, dass in der Nachkriegszeit Leute ausreisten. Damit hoffte man zum einen, Devisen ins Land zu holen und so das Handelsdefizit abzumildern. Aber ich glaube, viel wichtiger war dem italienischen Staat, damals christdemokratisch regiert, dem großen Potenzial an Aufruhr, Protest und Organisation vorzubeugen, das sich durch die Kombination von Arbeitslosigkeit, Armut und der kommunistisch geprägten Arbeiter*innenbewegung ergeben hatte. Dies nicht zuletzt, weil die italienische Verfassung erstaunlich viele Arbeiter*innenrechte verankert hatte, also eigentlich eher eine linke Verfassung ist. Das hat damit zu tun, dass die Partisan*innenbewegung maßgeblich an der italienischen Verfassungsgebung mitgewirkt hatte und auch danach sehr einflussreich war. Diesen Einfluss wollte die konservative italienische Regierung mittels Emigration eindämmen, zumal es gerade in Süditalien eine hohe Arbeitslosigkeit gab, eine große Verarmung und zahlreiche Landbesetzungen. Die italienische Regierung fürchtete, dass daraus eine umstürzlerische Stimmung erwachsen könnte, weil die starke kommunistische bzw. sozialistische Arbeiter*innenbewegung auch organisationsfähig war. Auf italienischer Seite erhoffte man einerseits, durch Migration die Arbeitslosigkeit verringern und die Armut damit lindern zu können. Aber vor allem setzte man darauf, durch massenhafte Migration der Männer nach Deutschland das Konflikt-, vielleicht sogar revolutionäre Potenzial, das man in der Organisationsfähigkeit der italienischen Linken gesehen hat, zu entschärfen, quasi den sozialen Druck entweichen zu lassen. Das war der Grund für die wirklich jahrelangen Bemühungen der italienischen Regierung, diesen Vertrag zu schließen.

Das hierzulande immer wieder genannte Argument des Arbeitskräftemangels für das Anwerbeabkommen ist also zu relativieren. Außerdem versprachen sich viele deutsche Unternehmen, ihre Position gegenüber den Gewerkschaften stärken zu können, wenn sie mehr Arbeitskräfte einsetzten, das heißt bei Bedarf die vorhandenen Arbeitskräfte durch andere ersetzen könnten. Man argumentierte – übrigens auch die Gewerkschaften –, dass da, wo wenige Arbeitskräfte und viele Arbeitsplätze vorhanden sind, die Arbeitnehmer*innen mehr Druckmittel hätten, um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Gleichwohl war es nicht so, dass das Arbeitskräftepotenzial in Deutschland komplett ausgeschöpft gewesen wäre.

In der Debatte um das Anwerbeabkommen stellte sich darüber hinaus die Frage, ob Frauen vermehrt in die Erwerbsarbeit eingebunden werden sollten. Auch in den Vorläuferstaaten der Bundesrepublik spielte bei der  Diskussion um die Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte immer wieder die Macht patriarchaler Familienorganisation eine Rolle. Im Nationalsozialismus – im Zuge des sogenannten «Arbeitskräfteaustauschs» – und dann konkret bei Kriegsbeginn, entschied man sich gegen eine Arbeitsverpflichtung von Frauen und für den Masseneinsatz polnischer männlicher Arbeitskräfte unter strengen, rassistischen Vorschriften.

Letztlich war der Umfang der Zwangsmigration riesig und gipfelte in der Arbeit von Zwangsarbeiter*innen, KZ-Häftlingen und Kriegsgefangenen. In den Nachkriegsjahren vor 1955 flackerte die Debatte um den Haupternährer und das Familienbild dann erneut auf. Man hätte eigentlich die Arbeitskraft von bisher nicht erwerbstätigen Frauen einbinden können, aber das wollte man offensichtlich nicht. Migrantische Frauen hingegen wurden massenhaft angeworben, während deutsche nicht arbeiten sollten. Damit will ich nicht sagen, dass deutsche Frauen in dieser Zeit gar nicht gearbeitet hätten. Das wäre ja auch Unsinn, denn Frauen haben schon immer gearbeitet, anderes mussten auch deutsche Familien sich leisten können. Aber es macht einen Unterschied, ob Familien- und Arbeitspolitik auf Männer als Haupternährer abzielen. Die Quote der Erwerbstätigkeit von migrantischen Frauen in Deutschland war demnach auch höher als die von deutschen Frauen.

Wenn wir unter Berücksichtigung der von dir genannten Vorbehalte auf das Jahr 1955 schauen, welche Rolle spielten die italienischen Arbeitsmigrant*innen in der sogenannten italienischen «Gastarbeit»?

Am Anfang tatsächlich keine so große. Über die Anwerbeabkommen selbst sind zunächst viel mehr italienische Männer gekommen. Das hat sich dann aber mit den Jahren stark verändert. Generell sind viel mehr Frauen damals nach Deutschland migriert, als man denkt. Gerade aus Griechenland, Jugoslawien und der Türkei sind in manchen Jahrgängen sogar mehr Frauen als Männer gekommen. Für Italien galt das lange nicht. Im ersten Jahr bewegten sich die Zahlen italienischer Migrantinnen sogar nur im zweistelligen Bereich. Erst in den 1960er-Jahren wandelt sich das, 1969/70 sind dann schon jeweils mehr als 100.000 Frauen aus Italien nach Deutschland migriert, immerhin ungefähr ein Viertel derjenigen, die aus Italien angeworben wurden.

Im Verhältnis zu anderen «Migrationsgruppen» sind das eher wenige Frauen, aber sie sind nicht vernachlässigbar, auch nicht in den ersten Jahren. Und wir sprechen natürlich erstmal nur über die Frauen, die über die Anwerbeabkommen gekommen sind. Zur gleichen Zeit kamen aber auch Studentinnen nach Deutschland, vor allem im Rahmen der ganzen operaistischen Bestrebungen[1] und der Studierendenbewegung. Berlin war dabei ein bevorzugtes Ziel, gerade auch für Italienerinnen.

Die Situation der Frauen war überdies geprägt von den italienischen Strukturen, die sich um die Migration gebildet hatten und die dafür sorgten, dass für sie teilweise andere Regeln galten – ob in der Universität, in der Fabrik oder in der Landwirtschaft. Es gab zum einen die katholische Betreuung, aber auch die sozialistischen bzw. kommunistischen Parteien, die zum Teil hier aktiv waren, oder die circoli,[2] also die regionalen Assoziationen. Die circoli («Zirkel» oder «Clubs») waren selbstorganisierte Treffpunkte italienischer Arbeitsmigrant*innen und dienten als soziale, kulturelle und teilweise auch politische Räume der Begegnung, des Austauschs und der gegenseitigen Unterstützung – insbesondere in einem von Ausgrenzung und Rassismus geprägten Umfeld. Je nach Herkunftsregion und politischer Prägung unterschieden sie sich: Migrant*innen aus Nord- und Mittelitalien gründeten häufiger linke oder gewerkschaftsnahe circoli, während viele Süditaliener*innen stärker in kirchlich geprägten Gemeinschaften und Strukturen wie der Missione Cattolica Italiana aktiv waren.

Besonders da, wo nur Frauen angeworben wurden, etwa in der Textilindustrie oder in Lebensmittelfabriken, gab es engmaschige Regulierungen, wie die Frauen leben und arbeiten sollten. Die mit dem Migrationsverfahren schon an sich einhergehende Entmündigung spielte bei den Frauen eine nochmal größere Rolle. Zum Beispiel durften Frauen in den Wohnheimen keine männlichen Besucher empfangen. Oder aus Sorge um ihre Religiösität und vor einem drohenden Sittenverfall sollten sie sonntags zum Gottesdienst gehen und dafür eigens freigestellt werden. Die Frauen wurden also über Auslandsorganisationen des italienischen Staats oder der katholischen Kirche engmaschiger überwacht. Gleichzeitig konnten sie teilweise auch mehr Freiheiten als daheim genießen, was auch zu den vielfältigen Motiven gehörte, nach Deutschland zu migrieren.

Wie sahen die Lebensbedingungen der italienischen Gastarbeiter*innen aus?

Im Allgemeinen so wie die für die meisten anderen «Gruppen», die über Abkommen angeworben worden sind. Vor allem zu Beginn wurden sie häufig in Sammelunterkünften, also in betriebseigenen Wohnheimen, untergebracht. Wenn die nicht sogar auf dem Betriebsgelände standen, wurden die Arbeiter*innen von dort dann teilweise mit Pendelbussen in die Fabrik gefahren. In diesen Wohnheimen mit ihren Mehrbettzimmern gab es in aller Regel wenig Privatsphäre. Anfangs war eine begrenzte Verweildauer vorgesehen. Die Leute sollten nur zwei Jahre im Land bleiben und dann zurückkehren und durch neue Arbeiter*innen ersetzt werden. Das hat sich nicht durchgesetzt. Zum einen, weil das einfach ein absurdes Konzept ist, zu sagen, Leute kommen her und nach zwei Jahren haben die sich hier nichts aufgebaut, haben keine Verbindungen. Aber auch, weil sich das für die Unternehmen einfach nicht lohnte, jedes Mal wieder neue Leute anzulernen.

Die Arbeit hat den Großteil der Zeit in Anspruch genommen und das Leben hat sich örtlich weitgehend auf die Fabrik beschränkt. Es gibt diese Bilder vom Kölner Hauptbahnhof, wo Migranten im feinen Sonntagsanzug in den Eingangshallen rumhängen und sich da treffen oder auf den Promenaden. Sie nutzten den öffentlichen Raum, weil die Wohnräume gar keine Zusammenkünfte zugelassen haben. Und sie hatten wenig Geld, obwohl der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), der anfangs gegen die Anwerbung war, ausgehandelt hatte, dass es eine offizielle Gleichstellung bei gleicher Arbeit gab, die auch die migrantischen Beschäftigten betraf. Trotzdem lassen sich durch verschiedene Eingruppierungen gravierende Lohnunterschiede finden. Migrant*innen waren finanziell schlechter gestellt, übrigens auch in aller Regel, was die körperliche Beanspruchung anging.

Ich würde gern daran anschließen: Wie sah die gewerkschaftliche Organisierung der italienischen Arbeiter*innen aus?

Es gab neben der katholischen Organisierung, die in Deutschland vor allem über die Caritas stattfand und bei der der italienische Staat involviert war, auch eine starke Organisierung über die Auslandsorganisation der Kommunistischen Partei (PCI) und der Sozialistischen Partei (PSI). Und dann gab es auch noch eine davon unabhängige regionale Organisierung. Diese landsmannschaftlichen Vereine – besonders stark etwa aus Sardinien oder dem Friaul – waren neben ihrer Folklore oft auch einer bestimmten politischen Tradition verpflichtet. Gerade für alleinstehende Migrant*innen waren solche Zusammenhänge ein wichtiger Bezugspunkt.

Was die gewerkschaftliche Organisierung angeht, so war die Rolle des DGB migrationsgeschichtlich in Deutschland lange Zeit recht ambivalent. Es gab zwar zum einen das bereits genannte Bemühen um Gleichstellung, aber gleichzeitig existierte ein Widerwillen gegen die Migration und gegen das, was vor allem beachtliche Teile der Arbeiter*innen, die schon in Italien politisch organisiert waren, verkörperten. Es wird immer so getan, als wenn die Migrant*innen, die nach Deutschland kamen, eine passive Masse gewesen wären. Aber das waren vielfach schon politisierte und politisch aktive Menschen aus der italienischen Arbeiter*innenbewegung mit einer eindeutig kommunistischen bzw. sozialistischen Prägung. Und das war dem DGB einfach ein bisschen zu viel. Deshalb hatten seine Vertreter gerade in den ersten Jahren große Vorbehalte und haben dann auch nicht mit dem größten italienischen Gewerkschaftsverbund zusammengearbeitet, der aus einer kommunistischen Tradition stammte. Lieber haben sie ein schwächeres Organisierungspotenzial in Kauf genommen, als sich der Gefahr auszusetzen, weniger sozialpartnerschaftlich zu agieren und mehr sozialistische oder kommunistische Traditionseinflüsse zu bekommen.

Natürlich gab es in den Betrieben engagierte italienische Arbeiter*innen, die als Vertrauensleute oder später als Betriebsräte aktiv waren. Schließlich konnten die italienischen Migrant*innen als einzige Gruppe der ausländischen Beschäftigten in den Betriebsrat gewählt werden, weil Italien zu den EWG-Staaten gehörte. Da gab es je nach Betrieb oft Leute, die in den Auslandsorganisationen des PSI und vor allem des PCI organisiert waren und eine ganz engagierte Betriebsratspolitik machten, die den Anspruch hatte, mehr Leute zu organisieren. Gerade für Köln kann man das gut sehen: In den Kölner Fordwerken arbeiteten – neben der größten migrantischen Gruppe aus der Türkei – zum Beispiel zahlreiche Italiener und Jugoslawen, in der Regel Männer. Bei dem «wilden Streik» in den Fordwerken gab es PCI-Genossen, die radikalere und weitreichendere Forderungen einbrachten als der Betriebsrat. Sie unterstützten die Streikenden und machten im Streik ganz gute Arbeit. Anders als die linksradikalen deutschen Gruppen waren sie trotzdem sehr darauf bedacht, dass die Nähe zur IG Metall beibehalten wurde und dass man nicht gegen die Gewerkschaften wetterte. Das war eine Linie im PCI, die zwar linker war als die des DGB, die aber darauf pochte, sich nicht spalten zu lassen. Diese Leute wollten innerhalb der großen Einheitsgewerkschaften für linke Positionen werben und sie durchsetzen, ohne von den Gewerkschaften getrennt zu werden. Daneben gab es militantere italienische Gruppen, die in der Tradition etwa von Lotta Continua standen und betriebsinterventionistische Ansätze verfolgten. Diese Ansätze kamen ganz direkt aus den Fabrikkämpfen in Italien in die hiesigen Betriebe und prägten die Zusammenarbeit mit deutschen betriebsinterventionistischen Gruppen.

Weil du schon die Fordwerke erwähnt hast – es gibt ja diesen weniger bekannten «wilden Streik» bei VW in Wolfsburg, der oft als eine Art Sonderfall bezeichnet wird. Inwiefern reiht er sich ein in diese Erzählung der Organisierung italienischer Arbeiter*innen? Und kann er überhaupt als Sonderfall betrachtet werden?

Wolfsburg war ab Anfang 1962, nach dem Wegfall von Arbeiter*innen aus der DDR aufgrund des Baus der Mauer 1961, sehr stark geprägt von italienischer Migration. In den folgenden Jahren siedelten sich 60.000 Italiener*innen in der Stadt an – fast die Hälfte der Einwohner*innen. Der Streik vom November 1962 bei VW wird als Sonderfall angesehen, weil er nicht innerhalb dieser großen Streikwelle Anfang der 1970er-Jahre stattfand, die mit den sogenannten Septemberstreiks 1969 begann und sich bis zum Sommer 1973 erstreckte. Der Streik bei VW fand lange davor statt – und ich finde es wichtig hervorzuheben, dass es immer solche Interventionen, solche «wilden Streiks» gab, nicht nur während dieser bekannten Wellen. Deshalb würde ich sagen, dieser Streik war ein relativer Sonderfall.

Damals verstarb ein italienischer Kollege. Er erlitt einen Hirnschlag, und bis der Krankenwagen im Wohnheim ankam, hat es 40 Minuten gedauert. Daraufhin streikten die italienischen Kollegen, konkret für eine bessere medizinische Versorgung. Das ist ein interessantes Beispiel dafür, wie eng die Lebens- und Arbeitsbedingungen damals miteinander verknüpft waren. Dieses Potenzial der Arbeitsverweigerung für weitergehende Anliegen findet man immer wieder, auch in der migrantischen Selbstorganisation der Frauen in den 1980er- und 1990er-Jahren. Für sie lag diese Verknüpfung anscheinend näher als bei betrieblichen Kämpfen von Deutschen, etwa wenn aus Solidarität mit Personen aus dem Herkunftsland gestreikt wurde. Die heutige Betriebsratsvorsitzende von VW, Daniela Cavallo, oder der erste italienische Betriebsrat Lorenzo Annese sind wichtige Beispiele für ein wirkliches Ankommen von Italiener*innen in der Interessenvertretung.

Gleichzeitig muss man aufpassen, dass man solch eine «gelungene Integration» nicht romantisiert und dass hinter diesen erfolgreichen Geschichten nicht verschwindet, dass es auch in Wolfsburg viele Personen und Familien gab, die keine Anerkennung erfahren haben und ihr Potenzial nicht entfalten konnten. Das soll die genannten Erfolgsbeispiele keinesfalls abwerten, sie waren wichtig und haben zur Entwicklung dieser Stadt beigetragen. Du kannst dir Wolfsburg nicht ohne italienische Migration denken. Aber wie gesagt, wir dürfen den Streik von 1962 nicht romantisieren, er ist vielmehr ein Zeichen dafür, dass es aus vielfältigen Gründen zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder Kämpfe in Betrieben gab, von denen die Mehrzahl heute unbekannt ist. Es gab zum Beispiel etliche Bergleute, die immer wieder für einen halben Tag gestreikt haben.

Der Streik 1962 in Wolfsburg ist nur ein Beispiel, aber auch ein gruseliges, weil ein Kollege wegen der schlechten medizinischen Versorgung gestorben ist. Und das bei gleichzeitiger ärztlicher Überbegutachtung der Migrant*innen bei der Einreise. Ich habe mit vielen Leuten gesprochen, die sind teilweise viermal ärztlich untersucht worden, bevor sie ihre Arbeit aufnehmen konnten: im Dorf, aus dem sie stammten, in der zentralen Anwerbestelle, dann in Deutschland und schließlich noch mal im Betrieb. Und Frauen wurden später noch daraufhin kontrolliert, ob sie schwanger waren. Denn wenn schwangere Frauen vermittelt wurden, gab es anschließend Streit darüber, wer dafür haftet, wenn sie weniger arbeiten konnten. Ganz zu Anfang wurden Frauen nicht auf Schwangerschaft getestet, aber dann wurde eine körperliche Untersuchung obligatorisch, teilweise sogar mit Schwangerschaftstests. Ob die Frauen später hier Kinder bekamen, konnte man nicht ausschließen, aber bei der Vermittlung selbst wurden schwangere Frauen ausgeschlossen.

Lorenzo Annese – ein Pionier und ein Glücksfall für die IG Metall

Lorenzo Annese erhält den Bundesverdienstorden Berlin, 1.10.2024, Foto: Fessum Ghirmazion (IG Metall Wolfsburg)

Von Nihat Öztürk

Dass es bei der Volkswagen AG einen der höchsten gewerkschaftlichen Organisationsgrade sowie eine starke Mitbestimmung gibt und die Löhne und Arbeitsbedingungen nach hohen Tarifstandards geregelt sind, ist vielen bekannt. Das war aber früher anders: Anfang der 1960er Jahre hatten die Volkswagen-Werke – ähnlich wie Ford in Köln – im Vergleich zur übrigen deutschen Automobilindustrie sehr wenige Gewerkschaftsmitglieder und es gab somit kaum nennenswerte gewerkschaftliche Aktivitäten. 

Nihat Öztürk arbeitete als Gießereiarbeiter und Elektroschweißer und studierte Soziologie und Sozialökonomie. Zuletzt war er als Gewerkschaftssekretär und Geschäftsführer in der IG Metall beschäftigt.

Das änderte sich in den Folgejahren: 1965 wurde auf dem IG-Metall-Kongress in Bremen berichtet, dass in Wolfsburg bereits mehr als die Hälfte der italienischen VW-Arbeiter als Mitglieder der IG Metall gewonnen werden konnten. Ohne Lorenzo Annese wäre dieser Erfolg kaum möglich gewesen. 1965 wurde er als erster Italiener in den VW-Betriebsrat gewählt. Vorausgegangen war ein Streik italienischer Arbeiter 1962 in Wolfsburg, der in ganz Deutschland viel Aufmerksamkeit bekam. Der Streik führte dazu, dass die italienischen Arbeiter bei VW bessere Wohnungen, bessere medizinische Betreuung und bessere Verpflegung bekamen. Von den Verbesserungen profitierte später die gesamte Belegschaft. Auch die IG Metall gewann durch den Streik: Danach begann sie, die Arbeiter bei VW besser zu organisieren und ein engmaschiges Netz von Vertrauensleuten aufzubauen. Dabei half Lorenzo Annese aus Apulien entscheidend mit und stärkte so die Gewerkschaft im VW-Konzern.

Bis zu seiner Rente setzte sich Lorenzo Annese bei VW für die Arbeiter ein – und er ist bis heute ein engagierter Gewerkschafter. In diesem Jahr (7. bis 9. Mai 2025) nahm er in Berlin an einer migrationspolitischen Betriebsräte-Tagung der IG Metall teil und motivierte dort jüngere Betriebsrät*innen zum stärkeren Einsatz für die Interessen der abhängig Beschäftigten sowie für eine solidarische und diskriminierungsfreie Gesellschaft. Jüngere IG-Metall-Aktivist*innen schätzen Lorenzo für seine klaren politischen Aussagen – und auch für seine Sportlichkeit. Bei Tagungen beendet er seine Reden oft mit 20 Liegestützen – diese machte er sogar im Schloss Bellevue, nachdem ihm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 1. Oktober 2024 auf Vorschlag der IG Metall das Bundesverdienstkreuz verliehen hatte.

Heute sorgt Volkswagen wieder für Schlagzeilen: Der Vorstand will den Konzern umbauen, viele Stellen streichen und Tarifrechte angreifen. Doch die Kampf erprobte VW-Belegschaft wehrt sich gegen diese kapitalistischen Zumutungen. Vor allem die migrantischen Arbeiter*innen, besonders mit italienischen Wurzeln, spielen dabei eine zentrale Rolle. An der Spitze der VW-Belegschaft steht Daniela Cavallo, Tochter eines italienischen VW-Arbeiters und eine der mächtigsten und erfolgreichsten Gesamt-Betriebsratsvorsitzenden in Deutschland. Sie führt den Kampf der italienischen Gewerkschaftspioniere wie Lorenzo Annese erfolgreich fort.

Kurzum: Lorenzo Annese und die anderen Gewerkschafter*innen der ersten Migrantengeneration sind gute Vorbilder und eine Quelle der Inspiration für die jungen Aktiven – und für die IG Metall sind sie zweifellos ein Glücksfall.

Mehr zum Leben und Werk von Lorenzo Annese erfährt man in seinem Buch Vita da Gastarbeiter. Von Apulien zu VW in Wolfsburg, Bonn 2022.

Wir haben jetzt schon öfter von «Migrationsgruppen» gesprochen. Wenn wir dieser Logik folgen, was würdest du sagen, sind die auffälligsten Unterschiede und Gemeinsamkeiten der verschiedenen «Gruppen», was diese «Gastarbeiterphase» angeht?

Ich finde das schwierig zu beantworten. Gleichwohl ist es interessant, dass zunächst das Gemeinsame wächst und daraus auch das Potenzial, das zu zerstören, was uns zerstören will. Wenn man von heute aus die Haltung zu den unterschiedlichen «Gruppen» betrachtet, würde man wahrscheinlich sagen, die Aufnahme der Italiener*innen war eher «unproblematisch», weil man später andere Feindbilder aufgebaut hat. Da hieß es dann: «Die passen kulturell gar nicht zu uns. Die Italiener*innen sind wenigstens katholisch.» Aber man darf sich davon nicht täuschen lassen, wenn gesagt wird: «Die stören eigentlich nicht so sehr wie die anderen, etwa die aus der Türkei und erst recht die Geflüchteten und die Italiener*innen haben ja hier eine Pizzeria aufgemacht.» Wer so redet, vergisst, wie sehr die Italiener*innen, wie alle andern migrantischen «Gruppen» auch, zu Beginn sehr stark von Rassismus betroffen waren. Ich finde es eigentlich immer unangemessen, anekdotisch aus dem eigenen Leben zu argumentieren, aber ich weiß noch, dass meine Oma die ganze Zeit «Spaghetti-Hure» genannt wurde. Und meine Mutter erzählte mir, wie sie als Kind bei Vermietern angerufen hat, um eine Wohnung für die Familie zu bekommen, in der Hoffnung, dass die Vermieter vielleicht Mitleid mit einem Kind hätten. Deshalb muss man die vermeintlich positive Einschätzung «prima, die machen Pizzerien auf» relativieren. Zum einen, weil auch das ein rassistischer Blick auf Italiener*innen ist, zum anderen haben sie Rassismus und Diskriminierung wie andere migrantische «Gruppen» erfahren, wenn auch nicht schablonenartig in genau derselben Weise, aber bezüglich von Ausschluss und mangelhaften Wohnbedingungen, von Nichtachtung und Objektifizierung. Deshalb würde ich dafür plädieren, nicht isoliert auf die Italiener*innen zu schauen.

Ansonsten finde ich es enorm interessant, wie groß das politische Potenzial war, das sie nach Deutschland mitgebracht haben, und welches politisch-kulturelle Potenzial in die politischen Kämpfe, die es in Deutschland gab, eingeflossen ist. Das kam natürlich auch von anderen «Gruppen», etwa von Kolleg*innen aus Spanien, die dort noch gegen das franquistische System gearbeitet hatten. Ich möchte damit sagen: Die Migrant*innen sind immer auch politische Leute gewesen, die ihr politisches Wissen, ihr Erfahrungswissen, ihren durch die Migration erweiterten Erkenntnisstand mit in die Kämpfe getragen haben.

Wir im Projekt fragen uns oft: Wo sind eigentlich die Italiener*innen geblieben? Ich habe das Gefühl, das ist ein spezifischer Punkt in der italienischen «Gastarbeit».

Ich habe in den letzten Jahren öfter gehört, dass die dritte, teilweise vierte Generation der ehemaligen «Gastarbeiter*innen» sprechfähiger sind als unsere Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern, dass sie jetzt deren Geschichte ebenso wie die eigene Geschichte und das Erfahrungswissen im Theater auf die Bühne bringen, in Büchern reflektieren und in die politischen Kämpfe hineintragen. Mein Eindruck, und ja auch der von euch, ist, dass die Italiener*innen dabei eher marginal, zumindest weniger präsent sind. Auch im universitären Bereich gibt es schon eher Leute mit Migrationsgeschichte aus anderen Ländern als Italien. Ich weiß, dass noch vor fünf oder zehn Jahren Kinder mit italienischer Familiengeschichte weniger oder schlechtere Bildungsabschlüsse gemacht haben im Verhältnis zu anderen «Migrationsgruppen», was sich dann natürlich in einer geringeren Sichtbarkeit niederschlägt, was Bildung, Beruf und Karriere angeht. Und auch die politische Organisierung ist oft verstreuter.

Insgesamt blickt man heute weniger argwöhnisch auf Italiener*innen als auf andere Gruppen, etwa auf türkeistämmige Personen oder auf Geflüchtete, aber man darf diese Polarisierung nicht mitmachen. Was wir stattdessen brauchen, ist immer noch das Gemeinsame für die Kämpfe.

Welche Rolle spielt die unterschiedliche Bewertung der «einzelnen Migrationsgruppen» für die Erinnerungskultur an Italiener*innen?

Ich weiß noch, 2021, anlässlich des 60. Jahrestags des türkisch-deutschen Anwerbeabkommens, war richtig viel los. Man kann sich sicherlich fragen, ob dieses offizielle Erinnern mehr als Schmuck und Feigenblatt war und irgendetwas Produktives hervorgebracht hat. Auf jeden Fall aber gab es vor vier Jahren unzählige Veranstaltungen und viele Aufträge für Institutionen, sich damit zu beschäftigen. Das kriege ich ehrlich gesagt jetzt bei dem Jubiläum des deutsch-italienischen Anwerbeabkommens überhaupt nicht mit. Es wird scheinbar nicht als wichtig genug empfunden. Es geht irgendwie unter. Es ist traurig, das zu sagen, aber in der Regel wird ein Erinnern von Initiativen politisch organisiert und langwierig gegen Formen offizieller Geschichtskultur erkämpft. Deshalb würde ich sagen, es ist vielleicht nicht ganz so schlimm, dass so wenig offizielles Gedenken stattfindet, aber es ist schon schade, wenn das Erfahrungswissen verloren geht. Denn es spielt eine Rolle im eigenen Leben, auch wenn man selbst diese Migrationserfahrung nicht hat, aber über seine Eltern und Großeltern damit verbunden bleibt.

Es trifft mich, wenn nicht gesehen wird, dass die italienische Migration so viel Potenzial hatte, gerade in Bezug auf linke Kämpfe. Natürlich haben die in Italien nochmal anders stattgefunden als in Deutschland, sowohl was die Schlagkraft von linken Parteien angeht als auch hinsichtlich der Entwicklung des Operaismus und der Betriebsinterventionen, der Betriebskämpfe. Aber dieses besondere Wissen, was durch Kolleg*innen nach Deutschland getragen wurde und sich auch in den hiesigen Kämpfen wiederfand, nicht nur in den Betriebskämpfen, sondern auch in den Häuserkämpfen etwa in Frankfurt am Main Anfang der 1970er-Jahre – es würde sich sehr lohnen, dieses Wissen zu bewahren und da weiter zu recherchieren. Besonders die 1970er-Jahre sind dafür wichtig. Bei denjenigen, die unter dem System «Gastarbeit» hierherkamen, da gibt es noch viel ungehobenes Wissen.

Und dann, denke ich, sollten wir diesen «Gastarbeit»-Rahmen aufbrechen, denn es gab immer italienische Migration nach Deutschland und gibt sie seit einigen Jahren wieder verstärkt. Zum Beispiel kommt jetzt viel medizinisch gut qualifiziertes Personal hierher, das in Italien keinen Job findet, Hebammen etwa, weil das in Italien schon ganz lange ein Studiengang war, hier aber nicht. Und es kamen in den letzten Jahren vermehrt Studierende oder Künstler*innen nach Deutschland, also Personen, die nicht über Berufsgruppen angeworben werden. Italienische Einwanderung ist also keine Geschichte von früher, die mit unserem Leben heute nichts mehr zu tun hat, sondern sie ist aktuell und überall spürbar – auch wenn weniger sichtbar als zuvor. Ich glaube, der Niedergang der italienischen Linken spielt für die Entwicklung im italienischen Vereinsleben eine Rolle und wirkt sich auch auf die Sichtbarkeit aus. Die Linke ist natürlich nicht komplett tot, aber sie hat gelitten und sich verkleinert. Und viel von der italienischen Wahrnehmbarkeit in Deutschland hing da letzten Endes doch dran, so bei den circoli, den italienischen Kulturvereinen; die waren meistens mit dem PCI assoziiert und hatten eine große Außenwirkung. Die sind im Laufe der Jahre gemeinsam mit der Linken stark eingebrochen, und mit ihnen die italienische Sichtbarkeit in Deutschland.


[1] Der Operaismus bezeichnet eine Theorie und Praxis der italienischen Arbeiter*innenbewegung jenseits der orthodoxen kommunistischen Parteikonzepte, die in den 1960er- und 1970er-Jahren sehr einflussreich waren. Die Kämpfe der Klasse waren nicht mehr nur auf die Sphäre der Produktion, sondern auf die Veränderung des «ganzen Lebens» ausgerichtet mit dem Ziel der Selbstkonstitution einer Multitude. Vertreter waren unter anderem Mario Tronti und Antonio Negri. Aus der operaistischen Tradition entwickelte sich in den 1970er-Jahren das Bewegungskonzept der Autonomia und der Autonomia femminile, für die Protagonistinnen wie Carla Lonzi oder Luisa Muraro stehen. Vgl. Wright, Steve: Den Himmel stürmen. Eine Theoriegeschichte des Operaismus, Berlin 2005.

[2] Vgl. dazu Pichler, Edith: Don Camillo und Peppone nördlich der Alpen. Italienische Institutionen und Vereine in Deutschland nach 1945, in: Scharenberg, Albert (Hrsg.): Der lange Marsch der Migration. Die Anfänge der migrantischen Selbstorganisation im Nachkriegsdeutschland, hrsg. von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Berlin 2020, S. 17–42.