
«Arbeiter sind Arbeiter, es macht für uns keinen Unterschied, wo sie herkommen» - sagt Goran Lukić von der «Beratungsstelle für Arbeiter*innen» in Ljubljana, der hübschen slowenischen Hauptstadt. Denn ausgebeutet und um ihre Rechte gebracht werden in dieser sonst eher beschaulichen ehemaligen Teilrepublik des längst vergangenen sozialistischen Jugoslawien sowohl die einheimischen als auch internationalen Proletarier und Proletarierinnen.
Das kleine Büro der Beratungsstelle ist tagtäglich rappelvoll. Die drei im wahrsten Sinne des Wortes unermüdlichen Protagonist*innen Laura, Goran & Goran sind eine wichtige Anlaufstelle für all jene, die von ihren ArbeitgeberInnen ausgebeutet und entrechtlicht werden. Laura, die vor Jahren als Studentin ein Praktikum in der Beratungsstelle absolvieren wollte, blieb dort hängen. Der Job mache ihr Spaß, auch wenn sie es lieber hätte, dass es diese Probleme gar nicht erst gäbe. Ihr zur Seite steht Goran, ehemaliger Elektriker aus Bosnien-Herzegowina, der die Fallstricke des slowenischen Systems selbst erlebt hat und sich nun leidenschaftlich und mit einer gehörigen Portion bosnischen Humors für die Belange dieser in ihrer Existenz bedrohten Menschen einsetzt.
Und da ist noch Goran Lukić, erfahrener Gewerkschaftsaktivist und Initiator der Beratungsstelle, dessen Einsatz sich nicht nur auf die notwendige rechtliche Beratung beschränkt, sondern vor allem auch der politischen Aktion gewidmet ist. Dies wird insbesondere im Fall der Leiharbeiter*innen im Hafen von Koper deutlich. Dieser Staatsbetrieb hat über zwei Jahrzehnte lang Arbeiter*innen über eine Leihfirma beschäftigt, ohne sie in den Betrieb zu übernehmen – erst der slowenische Oberste Gerichtshof setzte im Dezember 2022 diesem Treiben nach jahrelanger Prozessführung ein Ende. Den Betroffenen, die ihr ganzes Arbeitsleben ausgebeutet, unterbezahlt und um ihre elementaren Arbeitsrechte betrogen wurden, winkt nun zwar eine finanzielle Entschädigung. Doch die harte Lebensrealität hat ihre Spuren hinterlassen. «Ich habe alles versucht, und es tut mir leid, dass ich es in meinem Leben nicht geschafft habe», sagt einer der Betroffenen auf der im Anschluss an die Urteilsverkündung abgehaltenen Pressekonferenz.
Dem Regisseur Srđan Kovačević gelingt ein emphatischer und sich im Rythmus seiner Protagonist*innen bewegender Dokumentarfilm über die Lage der arbeitenden Klasse an der europäischen Peripherie. Kovačević war selbst jahrelang Gewerkschaftsaktivist in Kroatien, er kennt die sozialen und ökonomischen Abstgiegsängste der heutigen Werktätigen nur allzugut. Einen Namen als talentierter Dokumentarist hat er sich zudem schon mit seinem Erstling «Factory to the Workers» gemacht, dem Versuch eines Arbeitskollektivs in Nordkroatien, ihre Fabrik, die unzählige gescheiterte Privatisierungen durchlaufen hat, selbst verwaltet fortzuführen.
«The Thing to Be Done» hat am 28. Oktober auf dem 68. DOK Leipzig seine Weltpremiere gefeiert und wurde mit dem Preis der interreligiösen Jury ausgezeichnet. Die Rosa-Luxemburg-Stiftung gratuliert allen Beteiligten herzlich zu diesem Erfolg.


