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Wasserstoff spielt eine wichtige Rolle bei der Dekarbonisierung – er wird sowohl als Energiespeicher benötigt als auch dort, wo der Einsatz von Batterien nicht möglich ist, etwa im Schiffsverkehr oder bei der Stahlerzeugung. Damit er tatsächlich klimafreundlich ist, muss Wasserstoff aus Ökostrom gewonnen werden. Die Herstellung ist jedoch aufwendig und teuer und in Industrieländern wie Deutschland reichen die Flächen und der aus Erneuerbaren Energien gewonnene Strom dafür nicht aus. Deutschland plant daher – ebenso wie die EU – einen großen Teil des künftig benötigten grünen Wasserstoffs zu importieren. In vielen Ländern Afrikas, die über gute Bedingungen für Wind- und Solarkraft verfügen, werden große Anlagen für die Erzeugung von Grünem Wasserstoff aufgebaut oder sind in Planung, so etwa in Nordafrika, im Senegal, oder in Namibia. Das Problem: Den grünen Strom, der dort erzeugt wird, bräuchten die Menschen vor Ort viel dringender, denn viele der Länder, die den Export von Wasserstoff planen, haben selbst massive Probleme, ihre eigene Bevölkerung mit Strom zu versorgen, wie etwa Südafrika, das seit Jahren unter massiven Stromausfällen leidet. In vielen Fällen, etwa in Nordafrika, werden die Projekte unter autoritären Regimen umgesetzt und die lokale Bevölkerung, die davon betroffen ist, wird nicht in die Planung einbezogen. Und die Projekte finden häufig in besonders trockenen Gebieten statt, wo der hohe Wasserbedarf bei der Wasserstoff-Produktion Dürren weiter verschärft und sensible Ökosyteme gefährdet, wie in Namibia, wo das größte geplante Projekt in einem Nationalpark liegt. Anstatt auch in globalem Rahmen eine gerechte Transformation umzusetzen, setzen diese Projekte koloniale Abhängigkeit und Ausbeutung in Form eines grünen Kolonialismus fort.


