Nachricht | Amerikas - Brasilien / Paraguay - Afrika - Sozialökologischer Umbau Kohlenstoffhandel mit Wäldern: REDD+ ist keine Lösung für die Klimakrise

Das REDD+ Programm bewirbt den Handel mit Kohlenstoffzertifikaten als Schutzmaßnahme für Wälder.

Kohlenstoffhandel mit Wäldern
Kohlenstoffhandel mit Wäldern CC BY-NC-ND 1.0, Grafik: ZOFF GbR & Riikka Laasko

Das internationale Programm REDD+ steht Reducing Emissions from Deforestation und Forest Degradation, die Senkung von Emissionen aus Abholzung und der Degradation von Wäldern. Die Idee dahinter: Weil Wälder CO2 aufnehmen, können sie Emissionen ausgleichen – und Zertifikate darüber können auf Kohlenstoffmärkten gehandelt werden. Doch das Programm ist umstritten, und Aktivist*innen und Gemeinschaften kritisieren, es sei keine Lösung für die Klimakrise, sondern eine Form des Kohlenstoffkolonialismus. Denn nicht nur lassen sich Emissionssenkungen durch Wälder kaum messen – je nach Bewirtschaftung und Zustand können Wälder auch eine Quelle von CO2 sein – und können dazu führen, dass am Ende gar keine Emissionen gesenkt werden. Auch profitieren indigene und lokale Gemeinschaften in den Wäldern keineswegs, wie versprochen, von den REDD+-Projekten. Im Gegenteil: Projekte aus der ganzen Welt zeigen, welch verheerende Wirkungen die Einbeziehungen von Wäldern in Kohlenstoffmärkte hat. In Brasilien haben REDD+-Projekte Landkonflikte verschärft, zur Privatisierung von kollektiv bewirtschaftetem Land und einem Anstieg der Gewalt gegen Gemeinschaften geführt. In Sambia haben lokale Gemeinschaften keinen Zugang mehr zu dem Wald, den sie bisher genutzt haben und können ihre bisherige Lebensweise nicht fortsetzen. Stattdessen profitieren von den Projekten vor allem Großgrundbesitzer*innen, große NGOs und Beratungsunternehmen – ebenso wie die Ländern und Unternehmen des Nordens, denen der Kohlenstoffhandel ermöglicht, ihre schädlichen Praktiken fortzusetzen statt tatsächlich Emissionen zu reduzieren. Wälder zu erhalten ist wichtig – aber sie sind keine Ware, die auf internationalen Kohlenstoffmärkten gehandelt werden darf.