Analyse | Rosalux International - Krieg / Frieden - USA / Kanada - Andenregion - Brennpunkt USA Trump in Venezuela

Der geopolitische Kontext der US-amerikanischen Lateinamerika-Politik. Von John Feffer

Information

Autor

John Feffer,

Ein Kampfflugzeug der US-Marine fliegt über das Flugdeck des Flugzeugträgers USS Gerald R. Ford, der momentan in der Karibik stationiert ist, 13.11.2025.
Ein Kampfflugzeug der US-Marine fliegt über das Flugdeck des Flugzeugträgers USS Gerald R. Ford, der momentan in der Karibik stationiert ist, 13.11.2025. Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire

Donald Trump hat zweifellos globale Ambitionen. Er nutzt Zölle, um die Weltwirtschaft neu zu ordnen. Er sorgt dafür, dass die Vereinigten Staaten sich aus möglichst vielen multilateralen Institutionen und Verträgen zurückziehen, um die liberale Weltordnung zu zerstören. Und er schwankt zwischen direkten Konfrontationen mit Widersachern (wie dem Iran) und dem Aushandeln von Waffenruhen (wie in Gaza) hin und her.

John Feffer ist Direktor von Foreign Policy in Focus beim Institute for Policy Studies.

Daneben verfolgt er aber auch Ziele in der eigenen Hemisphäre – nämlich die Konsolidierung der US-Hegemonie im «Hinterhof» der Vereinigten Staaten, sprich in Lateinamerika und der Karibik. In gewisser Weise sind diese Ziele globale Ambitionen in kleinerem Maßstab. Auch hier überzieht er Verbündete wie Widersacher gleichermaßen mit Zöllen. Er hat damit gedroht, dass sich die USA aus multilateralen Übereinkünften wie der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zurückziehen würden. Autokratisch regierenden Freunden – wie Nayib Bukele in El Salvador, Javier Milei in Argentinien oder Daniel Noboa in Ecuador – begegnet er mit offenen Armen, während er all jene zu bestrafen versucht, die sich ihm widersetzten, etwa Lula in Brasilien und Gustavo Petro in Kolumbien.

Vor diesem Hintergrund scheint Trumps Politik gegenüber Venezuela eine Abkehr von seinem bisherigen Umgang mit Widersachern der USA zu sein, wo er üblicherweise auf transaktionale Verhandlungen setzte (wie mit Nordkorea oder Belarus) oder, noch häufiger, auf Drohungen und nicht-militärische Maßnahmen (wie gegenüber China und Russland). 

Massive Mobilisierung gegen Maduro

Im Gegensatz dazu hat die Trump-Regierung in den letzten Monaten fast zwei Dutzend Boote in der Karibik und im östlichen Pazifik angegriffen und dabei mehr als 80 Menschen getötet. Anschließend versuchte sie, den Großteil der Getöteten mit Venezuela in Verbindung zu bringen. Die USA haben ein Kopfgeld von 50 Millionen US-Dollar auf den venezolanischen Präsidenten, Nicolas Maduro, ausgesetzt. Und sie haben militärische Einheiten mit beträchtlicher Feuerkraft in die Region entsandt, darunter F-35-Kampfjets, acht Kriegsschiffe, ein Schiff für Spezialoperationen, ein atombetriebenes Jagd-U-Boot und der Flugzeugträger USS Gerald R. Ford. Insgesamt sind 10.000 US-amerikanische Soldat*innen und 6.000 Matros*innen vor Ort. Und als ob das noch nicht genug wäre, hat die Regierung auch die Autorisierung von CIA-Operationen in Venezuela bestätigt.

Mit dieser Truppenstärke lässt sich ein Luftkrieg gegen Venezuela über längere Zeit aufrechterhalten. Für einen Angriff vom Meer aus oder eine regelrechte Invasion wären dem Center for Strategic and International Studies (CSIS) zufolge jedoch mindestens 50.000 Soldat*innen erforderlich, weshalb das noch nicht anzustehen scheint. Doch obgleich Trump selbst andeutete, dass ein Kriegsszenario unwahrscheinlich sei, lässt er sich selten vorab in die Karten schauen. Vorerst zielt diese Machtdemonstration wohl darauf ab, Maduro zum Rücktritt zu bewegen oder die Opposition bzw. Teile des Militärs zu ermutigen, die Macht zu ergreifen.

So wie Trump erst Bomben auf den Iran fallen ließ, nachdem Israel das Risiko eines solchen Einsatzes faktisch komplett eliminiert hatte, übt er nun Druck auf Venezuela aus, weil das Land aufgrund seiner bescheidenen Größe, seiner militärischen Schwäche und seiner unbeliebten Regierung ein einfaches Ziel abgibt.

An anderer Stelle hat die US-Regierung nicht gezögert, mit einer militärischen Intervention zu drohen (wie gegenüber Grönland) oder tatsächlich einzugreifen (wie im Iran). Die Kampagne gegen Venezuela hat jedoch ein viel größeres Ausmaß. Die Erklärung eines «Kriegs» gegen «Drogen-Terroristen» dient der Regierung praktisch als uneingeschränkte Rechtfertigung, jeden Mensch zu töten, der als Bedrohung für US-Interessen angesehen wird. Trump hatte in der Vergangenheit zwar regelmäßig frühere US-Regierungen dafür kritisiert, «endlose Kriege» zu führen – eine Botschaft, die bei vielen Wähler*innen sehr gut ankam. Dennoch hat diese neue Version eines endlosen Krieges gegen die Drogen, mit unbestimmten Zielen und ohne klaren Zeitplan, keine große Kritik von Trumps republikanischer Basis hervorgerufen. Eine Abstimmung im Senat für ein Mitspracherecht des US-Kongresses (War Powers Act) scheiterte knapp; es gab nur zwei republikanischen Ja-Stimmen

Auf den ersten Blick erscheint Trumps Fokus auf Venezuela eher von opportunistischen als von strategischen Erwägungen geleitet. Die venezolanische Regierung ist relativ schwach, wie nicht zuletzt die Präsidentschaftswahl 2024 zeigte, bei denen die weitverbreitete Unzufriedenheit mit dem Regime deutlich wurde. Die Wirtschaft Venezuelas leidet unter der weltweit höchsten Inflationsrate und einem rapide sinkenden Lebensstandard. So wie Trump erst Bomben auf den Iran fallen ließ, nachdem Israel das Risiko eines solchen Einsatzes faktisch komplett eliminiert hatte, übt er nun Druck auf Venezuela aus, weil das Land aufgrund seiner bescheidenen Größe, seiner militärischen Schwäche und seiner unbeliebten Regierung ein einfaches Ziel abgibt.

Allerdings leidet Kuba unter ähnlichen innenpolitischen Problemen, und doch ist es (bislang) nicht dem Druck einer ausgewachsenen US-Kampagne ausgesetzt. Venezuela hat Kuba während der letzten zwei Jahrzehnte mit Erdöl versorgt, wodurch es die Wirtschaft des Inselstaates vor dem Zusammenbruch bewahrte. Dieser Handel ist jedoch drastisch eingebrochen, von 56.000 Barrel pro Tag auf gerade mal 8.000 im Juni 2025. Wichtige Akteure in der Trump-Regierung, insbesondere Außenminister Marco Rubio, haben lange für einen Regimewechsel in Kuba geworben. Eine mögliche Erklärung für die Kampagne gegen Venezuela könnte daher der Wunsch sein, auf diese Weise Kuba weiter zu isolieren und dort einen möglichen Regimewechsel zu befördern, im Rahmen einer neuen Dominotheorie, die von Teilen der Administration propagiert wird.

Im Trump-Team herrscht allerdings keine völlige Einigkeit im Umgang mit Venezuela. So setzte sich ein neo-isolationistischer Flügel intern gegen Strategien ein, die zu einem Regimewechsel führen würden. Und bis vor Kurzem vertrat auch Trumps Gesandter für Venezuela, Richard Grenell, diese Linie. Maduro war tatsächlich mehr als offen für eine diplomatische Lösung. Der New York Times zufolge bot er an, «alle aktuellen und zukünftigen Erdöl- und Goldprojekte für US-amerikanische Unternehmen zu öffnen, der US-Wirtschaft Vorzugsverträge anzubieten, die aktuellen Exporte venezolanischen Erdöls nach China in die USA umzuleiten und die Energie- und Bergbauverträge des Landes mit chinesischen, iranischen und russischen Firmen aufzukündigen». Aber selbst dieses großzügige, fast schon unterwürfige Angebot vermochte es nicht, Trump zu überzeugen.

Das Ausmaß der Trumpschen Bemühungen in und um Venezuela herum lässt sich jedoch mit Opportunismus nicht vollends erklären; auch nicht ausschließlich mit der bekannten Feindseligkeit gegenüber Maduro, die auf Trumps erste Amtszeit zurückgeht. Obgleich Trumps Instinkte für gewöhnlich transaktional sind, spielt von Zeit und Zeit doch ein gewisses geopolitisches Kalkül eine Rolle. Und im Gegensatz zu Kuba kommen bei Venezuela verschiedene Obsessionen des US-Präsidenten zusammen: Migration, Drogen, fossile Brennstoffe und China.

Das Ziel: China aus der Hemisphäre drängen

China ist aktuell der bedeutendste Handelspartner Südamerikas und der zweitwichtigste für Lateinamerika insgesamt. Die Region exportiert Rohstoffe wie Sojabohnen, Kupfer und Erdöl nach China und erhält im Gegenzug verarbeitete Waren. Im Rahmen seiner Belt-and-Road-Initiative (Neue Seidenstraße) hat China erhebliche Investitionen in Bergbau-, Landwirtschafts- und Infrastrukturprojekte in ganz Lateinamerika getätigt. Beijing hat auch verschiedene Kreditlinien für Länder in der Region eröffnet. Venezuela ist mit einer Schuldenlast von 60 Milliarden US-Dollar der größte Kreditnehmer Chinas und hat damit doppelt so viele Schulden wie das nächstfolgende Schuldnerland, Brasilien.

Die Trump-Regierung ist bestrebt, die US-Wirtschaft von China zu entkoppeln. Letztendlich möchte sie die gesamte Hemisphäre von China entkoppeln, angefangen mit Nordamerika. Bei den Verhandlungen mit Kanada und Mexiko, die im Rahmen einer Neuverhandlung des United States-Mexico-Canada Agreements (USMCA) entweder bilateral oder trilateral fortgesetzt werden sollen, bestand die bisherige Strategie darin, den chinesischen Zugang zu den nordamerikanischen Märkten dadurch abzuschneiden, dass ein Import chinesischer Endprodukte über Drittstaaten blockiert wird, die Menge chinesischer Teile und Komponenten in der Lieferkette reduziert und chinesische Investitionen in Produktionsstandorte begrenzt werden, die Waren in die USA exportieren. Trump ist von der Idee besessen, dass China solche Hintertüren ausnutzen könnte, um Zugang zum nordamerikanischen Markt zu erhalten, obgleich Chinas Rückgriffe auf solche Strategien sich in einem recht überschaubaren Rahmen bewegen. Bei den Handelsgesprächen mit Mexiko und Kanada haben die US-Verhandlungsführer*innen wiederholt darauf gedrängt, dass die beiden Länder diese Zugänge zum US-Markt blockieren.

Auch andere Staats- und Regierungschef*innen in Lateinamerika werden von Trump auf ähnliche Weise unter Druck gesetzt. Zunächst drängte er Panama dazu, aus der chinesischen Belt-and-Road-Initiative auszusteigen. In letzter Zeit lag sein Augenmerk auf Argentinien, dem nach Brasilien zweitgrößten Handelspartner Chinas in der Region. China hat in zahlreiche große Infrastrukturprojekte in Argentinien investiert, darunter zwei Wasserkraftwerke, ein Weltraumteleskop und ein weiteres geplantes Atomkraftwerk. Trump wiederum schnürte jüngst für Milei ein Rettungspaket im Höhe von 20 Milliarden US-Dollar, mit dem eine drohende Wirtschaftskrise abgewendet werden sollte. Gleichzeitig machte er seinen Wunsch deutlich, Argentinien möge seine Beziehungen zu China in Zukunft schwächen.

Es wurde viel darüber gesprochen, dass Trump zu einer geopolitischen Strategie der «Einflusssphären» zurückkehrt, der zufolge China sich auf Asien konzentrieren soll, Russland auf das «Nahe Ausland» und die Vereinigten Staaten auf den amerikanischen Kontinent. Eine solche Aufteilung der Welt mag Trumps Präferenz entsprechen, Geopolitik als eine Form des Unternehmertums zu begreifen, bei dem verschiedene Weltregionen als Geschäftsbereiche betrachtet werden.

US-Unternehmen, US-Waren und US-Kapital sollen in Lateinamerika an erster Stelle stehen – nicht im Sinne einer globalisierten Produktion, sondern als Teil eines ‹Hub-and-Spoke›-Systems, bei dem alle zentralen Entscheidungen und die Produktion selbst in den USA stattfinden.

Aber Trump denkt nicht dran, dass sich die USA aus der Welt zurückziehen. Er hat dem Land Schürfrechte in der Ukraine gesichert, eine US-Beteiligung an einem Transportkorridor zwischen Armenien und Aserbaidschan ausgehandelt, und Mineralabkommen mit einem «Klub der Nationen» (Australien, Kambodscha, Japan, Malaysia, Thailand) vereinbart. Und nicht zuletzt hat seine Regierung die Bemühungen intensiviert, den chinesischen Einfluss einzudämmen – mit Hilfe von Allianzen, einer Ausweitung der Militärbasen im Pazifik und einer Steigerung des Verteidigungsetats.

Trumps Umgang mit dem amerikanischen Kontinent trifft mittlerweile aber auch auf gehörigen Widerstand. Mexiko hat seine Souveränität hinsichtlich seiner wirtschaftlichen Beziehungen zu China ebenso deutlich gemacht wie seine Ablehnung einer US-Militärintervention gegen den Drogenhandel. Die brasilianische Regierung hat, trotz des Drucks höherer US-Zölle, keinen Abstand davon genommen, den ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro strafrechtlich zu verfolgen. Und selbst Ecuador, dessen Präsident Daniel Noboa eine große ideologische Affinität zu Trump aufweist, kann es sich nicht leisten, seine Beziehung zu China aufs Spiel zu setzen, die mit einem großen Handelsvolumen, Investitionen in die Infrastruktur und Krediten in Höhe von elf Milliarden US-Dollar einhergeht.

Trumps Bemühungen, den wirtschaftlichen Einfluss Chinas in der Region zu verringern, hat weniger mit einer geopolitischen Strategie der «Einflusssphären» und mehr mit dem Wunsch des Präsidenten zu tun, die Abhängigkeit der USA – und damit auch die Abhängigkeit der gesamten Hemisphäre – von Beijing zu reduzieren. US-Unternehmen, US-Waren und US-Kapital sollen in Lateinamerika an erster Stelle stehen – nicht im Sinne einer globalisierten Produktion, sondern als Teil eines «Hub-and-Spoke»-Systems, bei dem alle zentralen Entscheidungen und die Produktion selbst in den USA stattfinden.

Weitere Motive der Venezuela-Politik

Donald Trump wurde hauptsächlich wegen seiner Ausrichtung auf innenpolitische Fragen, insbesondere auf die Themen Migration, Drogen und Energie, für eine zweite Amtszeit gewählt. Dabei bagatellisierte er internationale Fragen ganz bewusst, mit Ausnahme des Versprechens, die vielen Kriege zu beenden, die die USA nur Geld und Waffen kosteten.

Venezuela hingegen erfüllt viele Punkte auf Trumps innenpolitischer Agenda. Obgleich das Land keineswegs die Hauptquelle des Schmuggels von Kokain oder Fentanyl in die USA ist, hat Trump die kriminelle venezolanische Vereinigung Tren de Aragua und die Maduro-Regierung als Hauptverantwortliche für die Tötung von Amerikanern durch Drogen dargestellt. Tren de Aragua diente ihm zugleich als Vorwand, um Migrant*innen zu verteufeln: Er inszenierte die Deportation von Venezolaner*innen, die angeblich Mitglied der Gang waren, nach El Salvador in ein hochgefährliches Gefängnis als großes Spektakel (wobei, falls überhaupt, nur wenige von ihnen wirklich in Verbindung zu der kriminellen Vereinigung standen). In der Anordnung, mit der die Trump-Regierung etwa 300.000 in den USA lebenden Venezolaner*innen ihren temporären Schutzstatus (TPS) entzog, findet Tren de Aragua mehrere Male Erwähnung.

Venezuela hat die größten nachgewiesenen Erdölreserven der Welt – fünf Mal mehr als die USA. US-Ölkonzerne, darunter hauptsächlich Chevron, haben mit dem staatlichen Ölkonzern Venezuelas zusammengearbeitet, um Erdöl zu fördern und zu verschiffen. Trump ordnete anfänglich ein Ende dieses Arrangements an, nur um es im Juli still und leise wieder fortzusetzen. Gleichzeitig verhängte die US-Regierung zusätzliche Zölle für Länder, die venezolanisches Erdöl importieren. Dessen ungeachtet stiegen die venezolanischen Erdölexporte auf ein Fünfjahreshoch, insbesondere aufgrund der wachsenden chinesischen Nachfrage und der Beteiligung Chevrons an der Produktion.

Venezuela ist nicht der wichtigste Partner Chinas in Lateinamerika. Doch die Trump-Regierung könnte Maduro als schwächstes Glied in der Kette identifiziert haben.

Unterdessen hat Trump längst Schritte unternommen, um die Interessen der fossilen US-Energieindustrie zu wahren. So genehmigte er neue Bohrfelder, führte Steueranreize für Gas- und Ölkonzerne ein, reduzierte die Zuständigkeit der Regulierungsaufsicht und schwächte die Konkurrenzfähigkeit der erneuerbaren Energien. Eine langfristige Rückkehr zum Öl wird jedoch den Zugang zu anderen Ölquellen erfordern. Russland fällt derzeit aus der Gleichung heraus. Der Nahe Osten ist unberechenbar. Und Venezuela stellt ein Problem dar, solange die dortige Regierung Chevrons Zugang einschränken und China oder einem anderen Kunden eine Vorzugsbehandlung gewähren kann. Unabhängig davon, wie fügsam sich Maduro also heute gibt, ist der Trump-Regierung daran gelegen, den Zugang zu Venezuelas Ölvorräten auf lange Sicht zu sichern.

Die Trump-Regierung hat die Eile, mit der sie versucht, sich kritische Rohstoffe wie Lithium, seltene Erden oder Erdöl zu sichern, als Wettrennen mit China begründet. Doch China hat die Bedeutung zentraler Mineralien lange vorausgesehen und etwa die Verarbeitung seltener Erden bereits vor Jahrzehnten von den USA übernommen. Zugleich löst sich Beijing mit riesigen Schritten aus der eigenen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Die Trump-Regierung ist also nicht nur zu spät, sondern legt ihren Fokus auch auf das falsche Thema.

Zudem ist Venezuela nicht der wichtigste Partner Chinas in Lateinamerika. Doch die Trump-Regierung könnte Maduro als schwächstes Glied in der Kette identifiziert haben. Und wie ein chinesisches Sprichwort besagt: Will man die mächtigeren Affen in die Schranken weisen, muss manchmal ein Huhn dran glauben. Der erhöhte Druck auf Venezuela ist ein Warnzeichen an China und andere mächtige Akteure, ihre Investitionen in der Hemisphäre zurückzufahren. Aber er ist auch ein Warnzeichen an andere lateinamerikanische Staaten, besser den Vorgaben Trumps zu folgen – andernfalls werden schärfere Geschütze aufgefahren.

Übersetzung von Sebastian Landsberger und Claire Schmartz für Gegensatz Translation Collective.