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Wir leben in extrem politisierten Zeiten. Die Diskussionen ändern sich schnell und sind oft hitzig. Manchmal werden absichtlich falsche Behauptungen aufgestellt, und es ist nicht immer leicht, Fake News von Fakten zu unterscheiden. In der Serie „Was ist eigentlich …?“ erklären wir wichtige Begriffe aus der politischen Diskussion und zeigen, welche Interessen und Konflikte dahinterstecken.
Antifa ist die Kurzform für Antifaschismus und bezeichnet die politische Haltung, sich Faschismus entgegenzustellen. Heute meint „die Antifa“ meist ein Netzwerk von Initiativen, die sich gegen Faschismus, Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und autoritäre Ideologien engagieren. Sie organisieren Demonstrationen, blockieren rechte Aufmärsche und recherchieren Aktivitäten der extremen Rechten. Wegen ihrer kompromisslosen Haltung werden Antifa-Gruppen häufig kriminalisiert oder dämonisiert – in den USA erklärte die Trump-Regierung „die Antifa“ sogar zur terroristischen Vereinigung.
Die Entstehung der Antifa
Antifaschistische Organisationen entstanden mit dem Aufstieg des Faschismus nach dem Ersten Weltkrieg. In Italien gründeten links eingestellte Soldaten 1921 die „Arditi del Popolo“ gegen gewalttätige Übergriffe von Mussolini-Anhängern – die erste „Antifa-Gruppe“ der Geschichte. In der Weimarer Republik bauten die SPD und die KPD antifaschistische Verbände auf. Die „Antifaschistische Aktion“ der KPD stellte sich den Nazis auch auf der Straße entgegen. Ihr Logo mit zwei roten Fahnen ist in abgewandelter Form bis heute das Symbol der Bewegung.
Im Nationalsozialismus war Antifaschismus lebensgefährlich, existierte aber in Arbeiter*innenzirkeln, Untergrundgruppen wie der „Weißen Rose“, im jüdischen Widerstand und in bei Partisan*innen weiter. Nach 1945 verstand sich die DDR als antifaschistischer Staat, während die Entnazifizierung in Westdeutschland nur halbherzig verlief. Eine breite antifaschistische Bewegung entstand ab Ende der 1980er als Reaktion auf wachsende Neonazi-Aktivitäten und rassistische Gewalt. Viele Gruppen kamen aus der autonomen Linken und verbanden Antifaschismus mit Kapitalismuskritik, Recherche- und Erinnerungsarbeit sowie dem Schutz vor rechten Angriffen.
Extremismus von links und rechts?
Viele Parteien und Institutionen betrachten die linke Antifa-Bewegung als „extremistisch“. Gegen die Bedrohung der Demokratie von links wie rechts müsse die „politische Mitte“ zusammenstehen. Doch die Theorie des Extremismus verwischt grundlegende Unterschiede: Die extreme Rechte bekämpft Demokratie und bedroht Menschen aus rassistischen oder antisemitischen Motiven. Linke Bewegungen setzen sich für gleiche Rechte ein und stellen sich autoritären, menschenfeindlichen Ideologien entgegen.
Die Gleichsetzung als „extremistisch“ dient oft als Grundlage für staatliche Kriminalisierung. Aufwendige Ermittlungsverfahren gegen Antifaschist*innen etwa in Sachsen oder im „Budapest-Komplex“ stehen dabei oft im Missverhältnis zur Verfolgung rechter Gewalt.
Ist Antifaschismus noch aktuell?
Antifaschistische Gruppen sind heute weniger sichtbar, viele Netzwerke haben sich in zivilgesellschaftliche Initiativen für Bildungs- und Aufklärungsarbeit überführt – oft bedroht durch finanzielle Kürzungen. Gleichzeitig gewinnt die extreme Rechte an Einfluss: Während die AfD in Deutschland an Stärke zulegt, sind rechte Parteien in mehreren Ländern bereits Teil der Regierungen. Mit dem Bröckeln der „Brandmauer“ und der Übernahme von AfD-Positionen durch etablierte Parteien wird der gesellschaftliche Grundkonsens gegen Faschismus geschwächt. Die Strategie der Ausgrenzung rechter Akteure aus den 1990er Jahren hat heute einen schweren Stand.
Gerade deshalb ist Antifaschismus aktueller denn je: Angesichts rechter Radikalisierung, von Angriffen auf migrantische Communities, antisemitischer Gewalt und autoritärer Tendenzen bleibt ein breiter antifaschistischer Konsens unverzichtbar.





