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Nachricht , : Gegen Auslese und Spardiktat

Rückblick auf den Bildungsratschlag der RLS Ba-Wü in Stuttgart am 8.11.25.

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Über 60 Teilnehmende kamen am 8. November 2025 zum Bildungsratschlag „Gute Bildung – aber bitte sozial!“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) Baden-Württemberg ins Gewerkschaftshaus in Stuttgart, um alternative Bildungspolitik angesichts zunehmender Bildungsungerechtigkeit, Austerität und Militarisierung zu diskutieren. In seiner Begrüßung fasste Erhard Korn, Vorstand der RLS Baden-Württemberg, die Bildungsmisere Baden-Württembergs zusammen: Fast flächendeckend werden im Land die Gebühren für den Besuch von Kindertagesstätten erhöht – dies führt dazu, dass vor allem arme Familien sich den Kitabesuch nicht mehr leisten können. Auch das Schulwesen sortiert mit der Einführung von Tests und Aufnahmeprüfungen in der vierten Klasse wieder stärker nach sozialer Herkunft.

Prof. Kai Maaz vom DIPF – Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation aus Frankfurt berichtete in seiner Keynote über Herausforderungen im Bildungssystem für Praxis, Politik und Wissenschaft. Er beklagte eine ungenügende Steuerung der Bildungsreformen durch fragmentierte Zuständigkeiten und eine fehlende Kontinuität gut gemeinter, aber nicht kohärenter Projekte. Den Kommunen sprach er eine Schlüsselrolle bei der Verbindung von Reformansätzen etwa zwischen Kitas und Schulen zu.

In den anschließenden Workshops ging es um die Bildungsmisere in Kitas und Schulen in Baden-Württemberg und Ansatzpunkte für Veränderung. Um schlechte Betreuungsqualität und hohe Gebühren drehte sich Workshop 1: „Vom Rechtsanspruch zur Notbetreuung? Aktuelle Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung in Baden-Württemberg“ mit Anna Radermacher, Landeselternbeirätin Kindertagesbetreuung Baden-Württemberg, Petra Kilian, Kitaleitung und Vertreterin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), und Kitaleiterin Anna-Lena Johnsen vom Verband Kitafachkräfte Baden-Württemberg. Die Referent*innen sprachen sich für Gebührenfreiheit aus, die jedoch nicht auf Kosten der Qualität durch das Absenken von Standards gehen dürfe. Statt eines längst in vielen Kommunen üblichen Krisenmanagements brauche man eine langfristige Fachkräftestrategie. Ein Sozialindex für Bildungsgerechtigkeit müsse sicherstellen, dass Kitas in Vierteln mit vielen sozialen Problemlagen mehr Personal bekommen. Um die frühkindliche Bildung zu finanzieren, soll das Land stärker in die Pflicht genommen werden. Dazu hat der Landeselternbeirat Kindertagesbetreuung eine Petition gestartet.

Ein zweiter Workshop mit Landeselternbeirätin Manja Reinhold und den Gewerkschafterinnen Corinna Blume von der Fachgruppe Grundschule der GEW sowie Susanne Posselt vom Vorstandsbereich Allgemeinbildende Schulen der GEW beleuchtete unter dem Titel „Spardiktat und Auslese“ Missstände im aktuellen Schulsystem. Dabei wurde insbesondere eine umfassendere pädagogische Qualifizierung aller schulischen Akteurinnen und eine flächendeckend bessere Versorgung mit Schulsozialarbeiterinnen und Psycholog*innen für notwendig befunden. Die Forderung nach „eine[r] Schule für alle“ bildete dabei wiederholt den konzeptionellen Rahmen für eine auf Gerechtigkeit und Inklusivität orientierte Reform des Schulwesens.