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Am 28. Februar 2026 griffen Israel und die USA gemeinsam den Iran an. Was zunächst als begrenzte militärische Operation angekündigt wurde, entwickelte sich innerhalb weniger Tage zu einem regionalen Krieg mit erheblichen globalen Folgen. Die Angriffe treffen militärische Einrichtungen, Infrastruktur und wirtschaftliche Knotenpunkte. Gleichzeitig reagiert der Iran mit Raketenangriffen auf Israel sowie mit Attacken auf US-Militärbasen und wirtschaftliche Ziele in der gesamten Golfregion.
Hamid Mohseni ist im Iran geboren und in Deutschland aufgewachsen. Er verfolgt die Entwicklungen im Iran und beteiligt sich an linken Solidaritätsinitiativen.
Die militärische Eskalation steht nicht isoliert. Sie ist Teil einer längeren Entwicklung, die spätestens seit dem 7. Oktober 2023 die geopolitische Ordnung in Westasien verändert hat. Um einordnen zu können, warum dieser Krieg nun stattfindet, müssen sowohl die unmittelbaren Ereignisse der letzten Tage als auch der Kontext der vergangenen Jahre betrachtet werden.
Die Ereignisse seit dem 28. Februar
Um 9:30 Uhr Ortszeit begannen Israel und die USA mit massiven Luftangriffen im Iran. Diese zielten auf Einrichtungen des Militärs und der Regierung, wichtige iranische Amtsträger und Militärkommandeure. Israel begründete den Angriff mit präventiver Selbstverteidigung. Die Regierung erklärte, der Iran plane gemeinsam mit regionalen Verbündeten Angriffe auf Israel. Zudem wurde das iranische Raketenarsenal als unmittelbare Bedrohung dargestellt.
Die humanitären Folgen sind bereits gravierend. Nach Angaben des iranischen UN-Botschafters wurden mehr als 1.330 Zivilisten getötet und mehrere Tausend verletzt. Besonders schockierend war ein Angriff auf eine Mädchenschule in Minab am ersten Kriegstag, bei dem vermutlich mehr als hundert Kinder ums Leben kamen. Augenzeugenberichte und Recherchen der New York Times legen nahe, dass die Schule durch eine US-Rakete getroffen wurde. Trump weist jede Verantwortung zurück, zwei US-Beamte bestätigten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass Ermittlungen zu diesem Vorfall laufen.
US-Präsident Donald Trump erklärte gleichzeitig, dass rund dreißig Schiffe der iranischen Marine zerstört wurden und etwa fünfzig Führungskräfte der Islamischen Republik getötet worden seien. Der prominenteste unter ihnen war der oberste religiöse Führer Ali Khamenei, der nach US-Angaben bereits am ersten Kriegstag ums Leben gekommen sei. Der Nachfolger – sein Sohn Mojtaba Khamenei – wurde acht Tage später vom zuständigen Expertenrat der Islamischen Republik bestimmt.
Im Kongress wurde Präsident Trump bereits dafür kritisiert, ohne klaren Plan in den Krieg gezogen zu sein. Dabei zeichnete sich die Eskalation schon lange ab. Kurz vor Kriegsbeginn erreichte die militärische Präsenz der USA ein Niveau, das mit dem Aufmarsch vor dem Irakkrieg 2003 vergleichbar war.
Das Ausmaß der Angriffe ist enorm. Mittlerweile haben die USA mehr als 3.000 Ziele attackiert. Israel sprach am sechsten Kriegstag von fünfzehn Angriffswellen mit weit über tausend Zielpunkten. Beide Staaten betonen, dass sich die Angriffe auf militärische und staatliche Infrastruktur konzentrieren. In der Praxis gehören jedoch auch zivile Einrichtungen zu den Zielen, etwa das Azadi-Stadion oder der internationale Flughafen Mehrabad in Teheran. Der iranische Rote Halbmond berichtet bereits von fast 7.000 betroffenen zivilen Einrichtungen. Darunter befinden sich mindestens 13 Einrichtungen der Gesundheitsversorgung, was die Weltgesundheitsorganisation bestätigte.
In der zweiten Kriegswoche wurden zudem iranische Ölfelder bombardiert, was zu dramatischen Umweltschäden führte. Beobachter berichteten von „schwarzem Regen“, nachdem große Mengen Öl in Brand geraten waren. Darüber hinaus sollen laut US-Vertretern Entsalzungsanlagen und Klärwerke angegriffen werden. Dies deutet darauf hin, dass sich die Strategie Israels und der USA nun auf die Zermürbung des gesamten Landes konzentriert.
Parallel dazu griff der Iran Ziele in den Golfstaaten an. Die Straße von Hormus wurde blockiert, und es kam zu Attacken auf Militärbasen sowie auf wirtschaftliche Infrastruktur wie Häfen, Raffinerien und Flughäfen. Israel selbst wurde ebenfalls getroffen. Bislang wurden dort elf Menschen durch iranische Raketenangriffe getötet. Einschläge wurden wiederholt in Tel Aviv, Haifa, Jerusalem und weiteren Städten gemeldet. Ein großer Teil der Raketen (die nicht nur aus dem Iran, sondern auch von der Hisbollah im Libanon abgefeuert werden) konnte jedoch durch mehrschichtige Abwehrsysteme abgefangen werden, die über dem Irak, Jordanien und vor allem über Israel selbst aktiv sind.
Auch US-Streitkräfte wurden attackiert. Sieben US-Soldaten kamen bei Angriffen auf Militärbasen in der Golfregion ums Leben. Betroffen sind Standorte in Saudi-Arabien, Kuwait und Irak, besonders aber in Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und Irak. Der Irak ist dabei zu einem besonderen Schauplatz geworden, da sowohl iranische als auch US-amerikanische Angriffe auf seinem Territorium stattfinden.
Die US-Regierung erklärt dennoch, der Krieg verlaufe nach Plan. Präsident Trump betont regelmäßig, dass ein Kriegsende nur bei einer bedingungslosen Kapitulation des Iran möglich sei. Zudem beansprucht er ein Mitspracherecht bei der Auswahl einer zukünftigen politischen Führung im Land. Die US-Regierung und auch Israel gehen derzeit davon aus, ihre Kriegsziele innerhalb von vier bis sechs Wochen erreichen zu können – ursprünglich war von wenigen Tagen die Rede gewesen.
Parallel zur Eskalation mit dem Iran hat sich auch die Lage im Libanon zugespitzt. Nach Raketenangriffen der Hisbollah kam es zu intensiven Kämpfen im Süden Beiruts. Israelische Truppen liefern sich schwere Gefechte mit der Miliz. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden mehr als 130 Menschen getötet und über 1.000 verletzt. Der Norwegische Flüchtlingsrat berichtet, dass bisher rund 300.000 Menschen im Libanon vertrieben wurden. Damit ist der Krieg endgültig zu einem regionalen Flächenbrand geworden.
Globale wirtschaftliche Folgen und die Rolle Chinas
Die militärische Eskalation hatte sofort globale wirtschaftliche Auswirkungen. Der Preis für Brent-Öl ist innerhalb weniger Tage um rund 50 Prozent gestiegen. Besonders gravierend ist die Blockade der Straße von Hormus. Durch diese Meerenge werden täglich etwa 20 Prozent des globalen Bedarfs an Öl und Flüssigerdgas transportiert. Der Schiffsverkehr ist dort inzwischen fast vollständig zum Erliegen gekommen. Auch die Finanzmärkte reagieren nervös. In den USA und Europa brachen die Aktienkurse ein, nachdem die US-Regierung ankündigte, der Krieg könne mehrere Wochen dauern.
Auch andere Großmächte spielen in diesem Konflikt eine Rolle, wenn auch nicht eine vordergründig sichtbare. Berichten zufolge unterstützen Russland und China den Iran mit Aufklärungsdaten. Beide Staaten sollen Satellitenbilder zur Verfügung stellen, die Informationen über US-Schiffe und militärische Einheiten liefern. Die eigenen iranischen Aufklärungskapazitäten sind nach den Angriffen offenbar stark eingeschränkt.
China soll zudem Komponenten für Drohnen liefern. Gleichzeitig versucht Peking jedoch, eine weitere Eskalation zu verhindern. Berichten zufolge drängt China den Iran dazu, die Straße von Hormus wieder zu öffnen und Angriffe auf arabische Staaten einzustellen. Schließlich kauft China rund 80 Prozent des im Iran produzierten Öls und braucht dafür eine stabilisierte Region. Der iranische Präsident Massud Peseschkian kündigte am siebten Kriegstag tatsächlich an, solche Angriffe einzustellen. Andere führende Vertreter der iranischen Führung widersprachen jedoch kurz darauf. Die Angriffe gehen also weiter.
Der Kontext: Der Zwölf-Tage-Krieg von 2025
Der aktuelle Krieg ist nicht aus dem Nichts entstanden. Bereits im Juni 2025 kam es zu einer direkten militärischen Konfrontation zwischen Israel und dem Iran, die als „Zwölf-Tage-Krieg“ bekannt wurde. Damals griff Israel ebenfalls iranische Ziele an und begründete dies mit der angeblich kurz bevorstehenden Entwicklung einer iranischen Atombombe. Beide Angriffe wurden und werden von vielen Völkerrechtlern als rechtswidrig bewertet.
Der Konflikt konnte nur durch massiven diplomatischen Druck der USA und arabischer Staaten beendet werden. Dennoch markierte er einen historischen Tabubruch. Jahrzehntelang hatten alle Seiten eine direkte militärische Konfrontation zwischen Israel und Iran vermieden, weil sie eine regionale Eskalation oder sogar einen globalen Krieg befürchteten. Der Krieg von 2025 war daher auch eine Art militärisches Experiment. Beide Seiten konnten testen, wie groß die Schlagkraft des Gegners ist und wie lange ein solcher Konflikt durchgehalten werden kann.
Für Israel war dieser Krieg auch deshalb bedeutsam, weil dabei bereits große Teile der iranischen Luftabwehr zerstört wurden. Zudem setzte Israel damals erstmals systematisch auf die Strategie, die Führungsspitze des iranischen Systems gezielt auszuschalten. Obwohl diese Angriffe empfindliche Verluste verursachten, blieb das Regime damals stabil.
Die Zäsur vom 7. Oktober 2023
Der größere Hintergrund dieser Entwicklung liegt jedoch noch weiter zurück. Der 7. Oktober 2023 markiert eine tiefgreifende Zäsur in der israelischen und US-amerikanischen Politik in Westasien. Seitdem verfolgt Israel eine deutlich offensivere militärische und expansionistische Strategie. Ziel ist es, den eigenen Einfluss in der Region auszuweiten und potenzielle Gegner zu schwächen. Die israelische Regierung begründet dieses Vorgehen mit Selbstverteidigung und der Sicherung nationaler Interessen. Ideologisch wird diese Politik zunehmend von ultrareligiösen und rechtsradikalen Vorstellungen getragen, die ein „Groß-Israel“ propagieren. Diese Ideen sind inzwischen auch in Teilen der israelischen Gesellschaft mehrheitsfähig geworden.
Für den aktuellen Krieg mit dem Iran ist besonders wichtig, dass Israel in den vergangenen Jahren viele Verbündete Teherans geschwächt hat. Während des Krieges in Gaza wurde die sogenannte „Achse des Widerstands“ erheblich geschwächt. Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte bereits 2024, dass mit der Tötung des Hisbollah-Führers Hassan Nasrallah nicht nur „irgendein Terrorist“, sondern der zentrale Motor dieser Allianz ausgeschaltet worden sei. Auch andere Verbündete des Iran wurden stark geschwächt. Die Hamas erlitt massive Verluste, und das Assad-System in Syrien gehört der Vergangenheit an. Von den wichtigsten regionalen Verbündeten des Iran sind heute vor allem noch die Volksmobilisierungskräfte im Irak sowie die Huthi-Bewegung im Jemen aktiv, deren militärische Fähigkeiten jedoch begrenzt sind.
Vor diesem Hintergrund erscheint es fast folgerichtig, dass Israel nun den Iran selbst, die „Spinne im Netz“, angreift. Für Netanjahu ist ein solcher Krieg seit Jahren ein politisches Ziel. Mit Donald Trump hat er nun einen US-Präsidenten an seiner Seite, der bereit ist, diesen Schritt mitzugehen.
Die völkerrechtliche Bewertung
Der Angriff wirft grundlegende völkerrechtliche Fragen auf. Das internationale Recht – insbesondere die UN-Charta – verbietet grundsätzlich den Einsatz militärischer Gewalt gegen andere Staaten. Ausnahmen sind nur möglich, wenn ein Mandat des UN-Sicherheitsrats vorliegt oder wenn ein Staat sich gegen einen bewaffneten Angriff verteidigen muss.
Ein Mandat des Sicherheitsrats gibt es in diesem Fall nicht. Israel und die USA berufen sich daher auf Selbstverteidigung. Sie argumentieren, der Iran stehe kurz vor dem Besitz einer Atombombe und plane Angriffe auf Israel. Diese Behauptung ist jedoch umstritten. Die Internationale Atomenergiebehörde erklärte zuletzt, es gebe keine konkreten Hinweise auf ein iranisches Atomwaffenprogramm. Vor diesem Hintergrund sehen viele Juristen den Angriff als völkerrechtswidrig an.
Das bedeutet jedoch nicht, dass die iranische Regierung selbst als legitimer Akteur betrachtet werden kann. Berichten zufolge, die noch aufgearbeitet werden müssen, hat die Islamische Republik als Reaktion auf den vierten revolutionären Aufstand in nur acht Jahren ein Massaker verrichtet: bis zu 30.000 Menschen der eigenen Bevölkerung sollen mit Kriegswaffen in zwei bis drei Tagen getötet worden sein. Das ist ein schweres Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Geschichte der Islamischen Republik ist zudem von zahlreichen schweren Menschenrechtsverletzungen geprägt – etwa die Massenhinrichtungen vieler Tausend politischer Gefangener, darunter zahlreiche Kommunisten, in den 1980er Jahren.
Israels Kriegsziele
Die israelische Strategie erscheint vergleichsweise klar. Seit dem 7. Oktober 2023 verfolgt Israel eine Politik der regionalen Destabilisierung. Gegnerische Staaten und Bewegungen werden militärisch unter Druck gesetzt, während Israel seine militärische Überlegenheit – insbesondere in Zusammenarbeit mit den USA – ausspielt.
Ziel ist es, feindliche Regime zu schwächen oder zu stürzen und gleichzeitig die eigene territoriale Kontrolle auszuweiten. Beispiele dafür sind die militärische Kontrolle über den Gazastreifen, die Ausweitung der Kontrolle in Grenzgebieten zu Syrien sowie eine mögliche Besetzung von Teilen des Südlibanon.
Ein weiteres Element dieser Strategie besteht darin, separatistische Bewegungen in gegnerischen Staaten zu unterstützen. Auch im Iran werden ethnische Spannungen politisch genutzt, etwa durch Kontakte zu kurdischen oder aserbaidschanischen Gruppen.
Die USA: Ein Krieg ohne klare Strategie?
Deutlich weniger klar erscheint die Strategie der USA. Regierungsvertreter haben inzwischen eine breite Auswahl an Motiven kommuniziert:
- ein möglicher Regimewechsel im Iran,
- die Verhinderung einer iranischen Atombombe,
- die Zerstörung des iranischen Raketenprogramms,
- die Ausschaltung der iranischen Marine,
- die Schwächung iranischer Verbündeter in der Region.
Diese Vielzahl an Zielen deutet darauf hin, dass es innerhalb der US-Regierung keine einheitliche Strategie gibt. Im Kongress wurde Präsident Trump bereits dafür kritisiert, ohne klaren Plan in den Krieg gezogen zu sein. Dabei zeichnete sich die Eskalation schon lange ab. Seit der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten im Iran Anfang 2026 hatten die USA ihre militärische Präsenz in der Region massiv ausgebaut. Kurz vor Kriegsbeginn erreichte sie ein Niveau, das mit dem Aufmarsch vor dem Irakkrieg 2003 vergleichbar war.
Auch innerhalb der US-Administration gab es Zweifel an der Strategie. Führende Militärs wie General Dan Caine sowie ranghohe Politiker wie Vizepräsident JD Vance warnten davor, dass ein Regimewechsel im Iran militärisch aktuell kaum zu erreichen sei. John Bolton, Sicherheitsberater in Trumps erster Amtszeit und Befürworter sämtlicher Interventionen in der Region, kritisierte die mangelhafte Vorbereitung und fehlende Strategie.
Hinzu kommt ein bemerkenswerter diplomatischer Kontext. Kurz vor Kriegsbeginn befanden sich die USA und der Iran erneut in Verhandlungen über ein mögliches Abkommen. Vermittelt wurde dieses unter anderem durch Oman. Der omanische Außenminister erklärte sogar noch einen Tag vor Kriegsbeginn im US-Fernsehen, dass der Iran bereit sei, nahezu allen amerikanischen Forderungen zuzustimmen. Aus iranischen Regierungskreisen wurde öffentlich erklärt, man wolle keine Atombombe entwickeln und sei sogar bereit, den USA privilegierten Zugang zu iranischen Rohstoffen zu gewähren. Viele Beobachter gingen davon aus, dass Washington eher an einer wirtschaftlichen Öffnung des Iran interessiert sei als an einer militärischen Eskalation und diesen Deal auf den Weg bringe.
Dass dennoch ein Angriff erfolgte, wirft Fragen auf. Eine mögliche Erklärung ist, dass sich innerhalb der US-Regierung der interventionistische Flügel durchgesetzt hat. Politiker wie Außenminister Marco Rubio oder Senator Lindsey Graham vertreten seit Jahren eine aggressive Linie gegenüber dem Iran, aber auch anderen Ländern wie Venezuela und Kuba. Trotz seines Wahlversprechens, keine neuen „forever wars“ zu beginnen, scheint Präsident Trump nun zunehmend diese Position zu übernehmen. In jüngsten Äußerungen erklärte er, dass es keine politische Lösung mit der aktuellen iranischen Führung geben könne.
Der Iran: Krieg als Überlebensstrategie
Für die Islamische Republik Iran ist der Krieg eine existenzielle Bedrohung. Das Regime steht innenpolitisch und außenpolitisch mit dem Rücken zur Wand. Erst wenige Wochen vor Kriegsbeginn hatte die Führung einen landesweiten Aufstand brutal niedergeschlagen. Die Regierung rechtfertigte dieses Vorgehen mit der Behauptung, die Proteste seien von ausländischen Geheimdiensten organisiert worden – insbesondere von Mossad und CIA. Schon damals wurde argumentiert, es handle sich um eine Fortsetzung des 12-Tage-Krieges mit Israel.
Der Iran befand sich also bereits vor dem aktuellen Krieg in einem Zustand permanenter Krise. Wirtschaftliche Probleme, Inflation und Korruption prägen das Land seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten. Gleichzeitig ist das regionale Bündnissystem Teherans stark geschwächt. Vor diesem Hintergrund verfolgt der Iran eine Kriegsstrategie, die auf Zeit spielt. Militärisch kann das Land weder Israel noch die USA direkt besiegen. Stattdessen versucht Teheran, den Konflikt zu regionalisieren und möglichst teuer zu machen.
Mit der Kontrolle über die Straße von Hormus kann Teheran den globalen Energiehandel erheblich beeinflussen – und damit wirtschaftlichen Druck auf westliche Staaten ausüben.
Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie sind Drohnenangriffe. Die eigenen Shahed-Drohnen, die auch von Russland gegen die Ukraine eingesetzt werden, kosten in der Produktion nur etwa 50.000 Dollar. Die Raketen zur Abwehr solcher Drohnen sind dagegen zehn bis hundert Mal so teuer. Diese Form des Abnutzungskrieges soll die Gegner finanziell unter Druck setzen.
Gleichzeitig greift der Iran gezielt US-Militärbasen in Nachbarländern an. Fast alle US-Stützpunkte in der Region wurden bereits beschädigt. Darüber hinaus werden wirtschaftliche Ziele wie Häfen, Raffinerien und Flughäfen attackiert. Besonders verwundbar sind dabei Städte wie Dubai, Doha oder Abu Dhabi, deren wirtschaftliches Modell stark vom internationalen Flugverkehr und globalen Handelsströmen abhängt. Das Narrativ ist vielsagend: der Iran bedaure diesen Einsatz, da man eigentlich gerne mit den Nachbarn in Frieden leben wolle, aber man müsse sich verteidigen und die Komplizenschaft der Golf-Länder trage nun einmal Konsequenzen.
Schließlich nutzt der Iran seine geografische Lage. Mit der Kontrolle über die Straße von Hormus kann Teheran den globalen Energiehandel erheblich beeinflussen – und damit wirtschaftlichen Druck auf westliche Staaten ausüben.
Wie könnte der Krieg enden?
Die entscheidende Frage ist nun, wie lange dieser Krieg dauern wird. Beide Seiten scheinen zunächst auf Durchhaltefähigkeit zu setzen. Selbst wenn die Luftangriffe die militärische Infrastruktur des Iran weitgehend zerstören, bedeutet das nicht automatisch den Sturz des Regimes. Die Revolutionsgarden sind dezentral organisiert und können auch ohne zentrale Führung weiter operieren.
US-Präsident Trump interpretiert die zunehmende Eigenständigkeit einzelner iranischer Einheiten bereits als Zeichen des Zusammenbruchs der Kommandostrukturen. Man kann es jedoch auch anders lesen: als Hinweis darauf, dass das System trotz massiver Verluste der oberen Kommandoebenen weiterhin funktioniert.
Wenn die USA das Regime tatsächlich stürzen wollen, wären Bodentruppen wahrscheinlich unvermeidlich. Politisch ist das in den USA jedoch schwer zu vermitteln. Deshalb wird bereits über andere Optionen diskutiert – etwa über die Unterstützung regionaler Verbündeter wie kurdischer Milizen im Irak oder über begrenzte Einsätze von US-Spezialkräften.
Die Zukunft sitzt im Land selbst
Noch größer sind die Fragen nach einer möglichen politischen Zukunft des Iran. Anders als in manchen früheren Interventionen gibt es derzeit keine klare politische Kraft im Exil, die von außen eingesetzt werden könnte. Auch die USA und Israel betonen offiziell, eine zukünftige politische Lösung müsse aus dem Iran selbst kommen. Es ist jedoch möglich, dass bereits informelle Kontakte zu Teilen der iranischen Elite bestehen, die bereit wären, eine neue politische Orientierung einzuschlagen.
Gleichzeitig sollte die ideologische Mobilisierung des iranischen Systems nicht unterschätzt werden. Die Islamische Republik versteht sich als religiös-ideologisches Projekt. Ein Angriff von außen kann daher auch den gegenteiligen Effekt haben und Loyalität innerhalb der staatlichen Strukturen stärken.
Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, wer die wichtigsten Akteure für eine demokratische Zukunft des Iran sind. Sie sitzen bereits im Land – in Gefängnissen.
Letztlich wird die Zukunft des Iran jedoch vor allem von der eigenen Gesellschaft bestimmt werden. Die iranische Bevölkerung ist derzeit die größte Leidtragende dieses Konflikts. Innerhalb weniger Wochen wurde sie sowohl Opfer eines brutalen Massakers durch die eigene Regierung als auch Ziel massiver Bombardierungen von außen. Letztere werden und wurden aber aus der Verzweiflung über die gescheiterten Aufstände innerhalb des Landes teilweise begrüßt – die Frage ist, wie lange. Unklar ist auch, ob Szenarien einer territorialen Fragmentierung des Iran, die in Teilen der internationalen Debatte und unter einigen Exiloppositionellen diskutiert werden, innerhalb der iranischen Gesellschaft tatsächlich Unterstützung finden würden.
Viele Menschen warten möglicherweise auf einen Moment, in dem sie erneut auf die Straße gehen können. Im Moment ist das jedoch kaum möglich. Krieg erzeugt fast immer auch patriotische Mobilisierung – selbst unter Menschen, die das eigene Regime ablehnen. Für Israel und die USA bedeutet das: Zeit ist ein entscheidender Faktor. Je länger der Krieg dauert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich auch systemkritische Teile der iranischen Bevölkerung gegen die ausländische Intervention stellen.
Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, wer die wichtigsten Akteure für eine demokratische Zukunft des Iran sind. Sie sitzen bereits im Land – in Gefängnissen. Zehntausende politische Gefangene befinden sich derzeit in iranischen Haftanstalten. Viele von ihnen wurden zuletzt an unbekannte Orte verlegt. Sie gehören zu den in der gegenwärtigen Kriegssituation am stärksten bedrohten Gruppen. Und nur sie sind es, die das Land nachhaltig auf eine demokratische Weise führen können und sollten.

