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Artikel , : Was ist eigentlich Imperialismus?

Staaten und Staatenblöcke konkurrieren offen um Macht und Einfluss. Ob demokratische oder autokratische Systeme: Imperialismus lässt sich nur unter einer Prämisse abschaffen.

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Wir leben in extrem politisierten Zeiten. Die Diskussionen ändern sich schnell und sind oft hitzig. Manchmal werden absichtlich falsche Behauptungen aufgestellt, und es ist nicht immer leicht, Fake News von Fakten zu unterscheiden. In der Serie „Was ist eigentlich …?“ erklären wir wichtige Begriffe aus der politischen Diskussion und zeigen, welche Interessen und Konflikte dahinterstecken.

Als Imperialismus wird meist eine aggressive Außenpolitik von Staaten bezeichnet. Imperiale Staaten führen Kriege oder „Handelskriege“, besetzen andere Länder und sichern sich Zugänge zu Ressourcen und Märkten. Der Begriff entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die europäischen Großmächte die Kolonisierung der Welt abschlossen und ihre Rivalität zunahm. Imperialistische Konkurrenz und Militarismus gipfelten schließlich im Ersten Weltkrieg.

Imperialistische Politik erscheint oft als Vorliebe machthungriger Staatenlenker. Doch sie ist vor allem Ergebnis eines Wirtschaftssystems, das auf Profit, Wachstum und Konkurrenz beruht, aber an planetare und ökologische Grenzen stößt. Imperialistische Expansion und das Ringen der Staaten um Einfluss und Dominanz sind die logische Folge.

Deutungen des Imperialismus

In der marxistischen Linken wurde Imperialismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu einem zentralen Begriff. Rosa Luxemburg verstand ihn als notwendigen Bestandteil des Kapitalismus, der sich nichtkapitalistische Produktionsweisen einverleiben muss. Lenin sah ihn als historische Entwicklungsphase eines „faulenden“ Kapitalismus, der zu Konflikten zwischen imperialistischen Mächten führt. Karl Kautsky diskutierte dagegen die Möglichkeit eines „Ultraimperialismus“, in dem Großmächte Kolonien und abhängige Länder gemeinsam ausbeuten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden neue Erklärungsansätze. Viele Länder hatten sich vom Kolonialismus befreit, blieben aber von den kapitalistischen „Zentren“ abhängig. Debatten im Globalen Süden prägten Begriffe wie „ungleicher Tausch“, „Unterentwicklung“, „Überausbeutung“ oder „Eurozentrismus“. Mit der wachsenden Bedeutung globaler Konzerne entstanden in den späten 1980er Jahren Theorien eines neuen Imperialismus unter US-amerikanischer Führung. 

Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine und mit Donald Trumps unverhohlenen Machtansprüchen taucht der Begriff auch im politischen Mainstream wieder häufiger auf. Meist werden autoritär geführten Staaten wie Russland oder der Türkei imperiale Ambitionen nachgesagt. Kritiker*innen erinnern jedoch daran, dass auch demokratische Staaten immer wieder Kriege führen, etwa in Irak, Afghanistan oder Libyen, und dass auch die US-dominierte Weltordnung imperialistisch geprägt war.

In der multipolaren Welt, auf die wir zusteuern, droht eine auf den Regeln des Völkerrechts basierende Ordnung weiter ausgehöhlt zu werden. Staaten und Staatenblöcke konkurrieren offen um Macht und Einfluss. Mit massiver Aufrüstung versuchen sowohl die europäischen Länder als auch China oder regionale Mächte, sich in diesem Wettstreit Vorteile zu sichern.

Was ist ein zeitgemäßer Antiimperialismus?

Dieser Umbruch stellt auch Linke vor schwierige Fragen. Einige sehen in westlichen Demokratien trotz aller Kritik das kleinere Übel gegenüber autoritären Regimen und akzeptieren Aufrüstung als bedauerliche Notwendigkeit. Andere verfallen in ein Lagerdenken, in dem Gegner der USA und des „Westens“ automatisch als „antiimperialistische“ Verbündete gelten.

Ein zeitgemäßer Antiimperialismus muss beide Vereinfachungen vermeiden. Er orientiert sich nicht an geopolitischen Lagern, sondern an den Interessen der Menschen, die unter Krieg, Ausbeutung und Ungleichheit leiden. Imperialismus lässt sich nicht abschaffen, ohne die kapitalistische Wirtschaftsordnung zu überwinden. Kritik am Imperialismus muss also Kapitalismus- und Herrschaftskritik sein, die politische, soziale, ökologische und antikoloniale Perspektiven zu einem Internationalismus von unten verbindet.
 

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