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Anfang dieses Jahres profitierte die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen von einem leichten „Grönland-Aufschwung“ aufgrund der angespannten Konfrontation mit Donald Trump um Grönland. Auch wenn sie das möglicherweise dazu veranlasst hat, vorgezogene Neuwahlen anzusetzen, um ihr angeschlagenes Mandat zu retten, prägt doch die Innenpolitik den Wahlkampf und nicht das Weltgeschehen. Angesichts von mehr als einem Dutzend Parteien ist der Ausgang der Wahl alles andere als klar.
Duroyan Fertl war politischer Berater der irischen Sinn Féin und der Vereinigten Europäischen Linken/Nordischen Grünen Linken (GUE/NGL) im Europäischen Parlament. Seit 2021 koordiniert er die Arbeit des Brüsseler Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in den nordischen Ländern.
Die Ergebnisse der Parlamentswahlen am 24. März könnten auch das Ende der traditionellen Blockpolitik in Dänemark einläuten. Seit den Wahlen 2022 wird Dänemark von einer für dänische Verhältnisse ungewöhnlichen großen Koalition, die von den Sozialdemokrat*innen, der liberalen Venstre und den zentristischen Moderaten über den politischen Graben hinweg gebildet wurde, regiert. Diese Konstellation brach mit einer jahrzehntelanger politischer Tradition als sich Frederiksen dafür entschied, mit den traditionellen Rival*innen der Sozialdemokratie zu regieren, obwohl auch eine aus linken Parteien gebildete Koalition eine Mehrheit gehabt hätte. Das Ergebnis war wie zu erwarten ein brüchiges und oft unpopuläres Regierungsbündnis, die sich zwischen ideologischen Kompromissen und einer unruhigen Wählerschaft eingepfercht wiederfand.
Politische Polarisierung
Falls Frederiksens Experiment in der politischen Mitte darauf abzielte, die dänische Politik zu stabilisieren, ist die Ministerpräsidentin gescheitert, denn die Polarisierung der dänischen Politik hat sich weiter verschärft. Die Regierungskoalition hat einen deutlichen Rechtsruck in wirtschaftlichen, sozialen und migrationspolitischen Fragen vorangetrieben – dazu gehört auch die Abschaffung eines beliebten Nationalfeiertags, um Waffen für die Ukraine zu finanzieren – was politische Kosten mit sich gebracht hat. Bei den Kommunalwahlen im November 2025 mussten sowohl die Sozialdemokrat*innen als auch Venstre schwere Verluste hinnehmen, während Unterstützung für die Moderaten fast vollständig zusammenbrach.
Der Verlust des Kopenhagener Rathauses, seit über einem Jahrhundert eine wichtige Hochburg der Sozialdemokraten, verdeutlicht das Ausmaß der Katastrophe. Mit der Wahl eine fragmentierte und polarisierte politische Landschaft. Während die Regierungsparteien eine schwere Niederlage erlitten, konnten die grün-linke Sozialistische Volkspartei (SF), die rechts-liberale Liberale Allianz (LA) sowie die beiden wichtigsten Parteien der extremen Rechten, die Dänemarkdemokraten (DD) und die Dänische Volkspartei (DF), Zugewinne verzeichnen.
Anstatt diese Ergebnisse als Signal für einen klaren Schwenk nach links oder rechts zu interpretieren, scheint Frederiksen zu versuchen, beides gleichzeitig zu tun. Einerseits hat ihre Regierung die ohnehin schon strenge (und in den Augen vieler Kritiker*innen schlichtweg rassistische) Migrations- und Integrationspolitik noch verschärft, was Frederiksen international Lob von Sozialdemokrat*innen – und anderen Kräften weiter rechts – eingebracht hat, die ihren Rechtskurs in der Migrationspolitik nachahmen wollen. Andererseits hat Frederiksen in materiellen Fragen eine klare Kehrtwende nach links vollzogen und traditionell linke Wirtschaftsrhetorik und politische Versprechen in den Mittelpunkt des Wahlkampfs gestellt.
In dieser Hinsicht hat der kurze, vierwöchige Wahlkampf es der Ministerpräsidentin ermöglicht, die politische Agenda entscheidend zu prägen. Sie hat drei zentrale gesellschaftliche Themen von Anfang an in den Vordergrund gerückt, in der Hoffnung, den Abfluss der schwindenden Unterstützung für die Sozialdemokraten nach links einzudämmen, insbesondere hin zur SF, die sich erfolgreich als glaubwürdige Alternative für progressive Wähler*innen positioniert hat, die von den Sozialdemokrat*innen und deren Annäherung an die Mitte und Mitte-Rechts desillusioniert sind.
Ein Schritt nach links...
Zwei der zentralen Themen des Wahlkampfs sind den dänischen Wähler*innen bereits wohlvertraut. Das erste ist das Rentenalter, seit langem ein Quell politischer Spannungen. Aufeinanderfolgende Regierungen haben das Rentenalter schrittweise angehoben und damit Widerstand hervorgerufen, insbesondere unter Arbeiter*innen. Frederiksen hat nun vorgeschlagen, das Rentenalter auf 70 Jahre zu begrenzen, und präsentiert dies als Kompromisslösung. Die Gewerkschaften sind davon unbeeindruckt: Für Arbeitnehmer*innen in körperlich anstrengenden Berufen wird ein Rentenalter von 70 Jahren (zu Recht) als unrealistisch und ungerecht angesehen.
Der zweite wichtige Vorschlag betrifft den Bildungsbereich, wo die Regierung zugesagt hat, die Klassengröße in der Grundschule auf 14 Schüler*innen zu begrenzen. Der nationale Gemeindeverband hat jedoch darauf hingewiesen, dass – obwohl diese Maßnahme zu begrüßen wäre – den Schulen sowohl die Räumlichkeiten als auch das Lehrpersonal fehlen, um eine solche Reform umsetzbar zu machen. Ähnliche Versprechen in den Bereichen Bildung, Kinderbetreuung oder Gesundheitswesen sind in der Vergangenheit nicht eingehalten worden, was Zynismus gegenüber diesem Wahlversprechen schürt.
Der auffälligste Vorschlag im Wahlkampf ist jedoch eine moderate Vermögenssteuer, die auf die reichsten Bürger*innen Dänemarks abzielt. Die Sozialdemokrat*innen haben vorgeschlagen, eine Steuer von 0,5 % auf Vermögen von über 25 Millionen Kronen (3,3 Millionen Euro) für Einzelpersonen und 50 Millionen Kronen für Paare einzuführen. Der Vorschlag ist nicht ganz ohne Präzedenzfall: Dänemark erhob früher eine ähnliche Vermögenssteuer, senkte sie jedoch 1991, bevor sie 1997 abgeschafft wurde.
Die Reaktion der Rechten war schnell und vorhersehbar. Spitzenverdiener aus der Wirtschaft und rechte Kommentator*innen verurteilten den Vorschlag und drohten mit Kapitalflucht, Arbeitsplatzverlusten und langfristigen wirtschaftlichen Schäden. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Während das durchschnittliche Vermögen in Dänemark in den letzten drei Jahren nur moderat gewachsen ist, ist das Vermögen des obersten Prozents dramatisch gestiegen – inflationsbereinigt um bis zu 31 %. Allein die zehn reichsten Familien haben ihr Vermögen seit 2020 um über 125 Milliarden Kronen (17 Milliarden Euro) erhöht. Kurz: Sie können sich eine Vermögensteuer leisten.
In diesem Zusammenhang ist die vorgeschlagene Steuer weit weniger radikal, als ihre Kritiker*innen behaupten. Frederiksen hat sie als Maßnahme dargestellt, der Ungleichheit abzumildern und Verbesserungen im öffentlichen Dienst zu finanzieren, etwa ihre Versprechen in der Schulpolitik. Dennoch ist es ungewiss ob die Vermögenssteuer kommt Strukturelle Änderungen am Steuersystem erfordern in der Regel eine breite parlamentarische Unterstützung, und ohne parteiübergreifende Rückendeckung läuft der Vorschlag Gefahr, in Parlamentsausschüssen verwässert oder auf unbestimmte Zeit verzögert zu werden.
Die Debatte über die Vermögenssteuer hat jedoch dazu geführt, dass eine Diskussion über eine stärkere Umverteilung des Reichtums wieder in den politischen Mainstream gerückt ist –worauf die Linke in den kommenden Monaten und Jahren aufbauen kann. Befürworter*innen niedriger Steuern, Unternehmensinteressen und des „Trickle-down-Effekts“ haben den Vorschlag nicht gut aufgenommen. Die Kampagne wurde weiter polarisiert, als rechte Parteien – darunter Venstre und die konservative Volkspartei – mit entgegengesetzten Vorschlägen für hohe Steuersenkungen für Großunternehmen, darunter große Finanzinstitute wie die Danske Bank, reagiert haben.
… und zwei nach rechts
Während die wirtschaftspolitische Debatte eine vorsichtige Wende nach links genommen hat, hat sich die Migrationspolitik entschieden in die entgegengesetzte Richtung bewegt. Die Sozialdemokrat*innen verfolgen seit langem eine restriktive Linie, doch die jüngsten Vorschläge deuten auf eine weitere Verschärfung hin. Das am 10. März angekündigte neue außenpolitische Paket der Partei wurde von Frederiksen selbst als Einführung des strengsten Einwanderungsregimes in Europa bezeichnet, begleitet von gefährlicher Rhetorik über nationale Zugehörigkeit und Loyalität, während Migrant*innen bestimmter Nationalitäten offen als Träger „problematischer Werte“ identifiziert wurden.
Der reißerische Titel des Pakets – „Wir wollen niemanden, der Dänemark nicht will“ – resümiert diesen Ansatz und signalisiert Bereitschaft, diejenigen auszuschließen, die als „unzureichend integriert“ gelten. Es zielt darauf ab, vermehrte Abschiebungen zu erleichtern, indem die entsprechenden Entscheidungsbefugnisse von den Gerichten auf Verwaltungsbehörden verlagert werden, rechtsstaatliche Prinzipen untergraben würde. Kritiker*innen argumentieren, dass eine solche Rhetorik die Gefahr birgt, extremere Positionen zu legitimieren und demokratische Normen zu untergraben. Besorgniserregend ist auch, dass Sprache und der Tonfall der Sozialdemokrat*innen in Bezug auf Migration und Integration die zunehmend schrillen Töne der fremdenfeindlichen und rassistischen extremen Rechten des Landes spiegeln – und in einem offenen Überbietungswettbewerb dazu stehen.
Ein Blick auf den weiteren politische Kontext hilft, diesen Wandel zu erklären. Die Rechte und die extreme Rechte in Dänemark sind selbstbewusster und radikaler geworden. Die Dänische Volkspartei (DF) unter Morten Messerschmidt hat aggressiv für ein Programm der „Remigration“ geworben und fordert die groß angelegte Abschiebung von Einwander*innen, insbesondere von Muslim*innen – und, falls nötig, die Unterbringung von Zehntausenden in Abschiebelagern. Messerschmidt hat zudem ein Ultimatum gestellt, wonach seine Partei nur eine Regierung unterstützen werde, die sich dazu verpflichte, die Zahl der Muslim*innen in Dänemark proaktiv zu reduzieren.
Solche Positionen, die einst als am äußersten Rand beheimatet galten, sind heute Teil des politischen Mainstreams. Andere rechte Parteien – und die Sozialdemokratie – haben sich gegenseitig mit immer härteren Positionen zur Migration überboten, darunter Vorschläge, unter bestimmten Bedingungen die Staatsbürgerschaft zu entziehen oder aus internationalen Abkommen auszutreten. Da die DF in einige Umfragen Zustimmungswerte von bis zu 10 Prozent erreicht, könnte sie sich zur größten Partei der dänischen Rechten entwickeln – und zu einer rechtsextremen Kraft, die insgesamt rund 20 Prozent der landesweiten Stimmen auf sich vereinen könnte.
Während die DF eher traditionell städtische Sozialchauvinist*innen anspricht, hat die Dänemark-Demokraten (DD) – gegründet und angeführt von der in Ungnade gefallenen ehemaligen Einwanderungsministerin der Venstre-Partei, Inger Støjberg – eine stärkere Wählerbasis auf dem Land. Neben der bereits erwähnten fremdenfeindlichen Rhetorik und der Forderung nach einem Ausbau der umweltschädlichen dänischen Schweineindustrie hat die DD den Widerstand gegen die grüne Wende und Projekte für erneuerbare Energien zu einem Kernanliegen ihres Wahlkampfs gemacht – wobei ihr Zorn besonders auf das gerichtet ist, was sie „Felder aus Eisen“ nennen: Solaranlagen, die angeblich Landschaft, örtliche Natur und landwirtschaftliche Flächen zerstören.
Unruhe Mitte-Rechts
Während die extreme Rechte an Selbstbewusstsein gewinnt, gerät Mitte-Rechts ins Straucheln. Während die Konservativen, die stabil bei 7 Prozent der Wählerstimmen liegen, einen vorsichtigen Wahlkampf geführt haben – vielleicht mit Blick auf eine mögliche„große Koalition – startete Venstre-Chef Troels Lund Poulsen den Wahlkampf mit dem falschen Fuss. Er nahm sich bereits zu Beginn als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten aus dem Rennen, bevor er nach Druck aus seiner Partei in den sozialen Medien einen Rückzieher machte. Damit schloss er jedoch Venstre effektiv als Partner für eine mögliche erneute Koalition mit Sozialdemokratie und den Moderaten aus.
Der ins Stocken geratene Wahlkampf von Venstre hat auch eine Rückkehr zu den Kernanliegen der Partei mit sich gebracht: die Vertretung des einflussreichen – und stark umweltverschmutzenden – Agrarsektors Dänemarks sowie von Wirtschaftsinteressen im Allgemeinen. Doch in einem Wahlkampf, in dem soziale Gerechtigkeit, eine Vermögenssteuer, Tierschutz und die gefährlichen Mengen an landwirtschaftlichen Abwässern, die im dänischen Trinkwasser landen eine große Rolle gespielt haben, scheint Venstre an der öffentlichen Debatte vorbei zu politisieren.
Die rechtsliberale Partei Liberal Alliance (LA) hat aggressiv versucht, sowohl aus der Unzufriedenheit mit der Regierung als auch aus den Schwierigkeiten von Venstre Kapital zu schlagen. Parteichef Alex Vanopslagh präsentierte sich als jugendliche und kompromisslose Alternative für das Amt des Ministerpräsidenten, forderte die Privatisierung des dänischen öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders DR und schloss sich der eskalierenden fremdenfeindlichen Rhetorik der extremen Rechten an. Unter anderem forderte er eine strenge Überprüfung und Überwachung der „Werte“ aller neuen Staatsbürger, wobei individuelle Risikoprofile hinsichtlich ihres Potenzials, „antidemokratische“ Werte zu vertreten, erstellt werden sollten – was Kritiker*innen als „Hirnkontrolle“ von Migrant*innen und deren Nachkommen bezeichnen und als Versuch ansehen, den Erwerb der dänischen Staatsbürgerschaft noch weiter zu erschweren. Eine Zeit lang schien LA auf dem besten Weg zu sein, Venstre als größte Partei der Rechten zu überholen, doch Vanopslaghs Eingeständnis, während seiner Amtszeit Kokain konsumiert zu haben, dürfte der Partei Stimmen kosten.
Ein Comeback der Moderaten
Inmitten dieser Zersplitterung haben die Moderaten – angeführt vom ehemaligen Ministerpräsidenten Lars Løkke Rasmussen – ein unerwartetes, wenn auch bescheidenes Comeback hingelegt. Nach den Kommunalwahlen im vergangenen November waren die Moderaten landesweit auf nur noch 1,3 Prozent der Stimmen abgestürzt, hatten nur eine Handvoll Ratsmitglieder gestellt und standen kurz vor der Bedeutungslosigkeit. Seitdem hat die Partei jedoch stark von Rasmussens hochkarätiger Rolle als Außenminister und seiner führenden Rolle bei der Bewältigung des Grönland-Streits mit den Vereinigten Staaten profitiert.
Mit einem aktuellen Umfragewert von soliden 7 Prozent könnten die Moderaten – und Rasmussen – in Dänemark erneut das Zünglein an der Waage sein. Ihre Positionierung in der Mitte und die Ablehnung jeglicher Bündnisse mit „extremen“ Parteien der Rechten oder Linken machen sie zu einem potenziellen Partner für vielfältige Regierungskoalitionen und verstärken den Eindruck, dass Dänemark sich über traditionelle Blockzuordnungen hinausbewegt – wofür Rasmussen seit 2019 eintritt.
Aufstrebende Linke
Auf der linken Seite ist die Sozialistische Volkspartei, Dänemarks wichtigste grüne Partei, einer der größten Nutznießerinnen der Schwäche der Sozialdemokrat*innen: Umfragen sagen ihr eine Zustimmung von rund 13 Prozent voraus, während die Sozialdemokratie darum kämpft, über der 20-Prozent-Marke zu bleiben. Unter der Führung von Pia Olsen Dyhr hat die SF zudem eine klare Bereitschaft signalisiert, mit Sozialdemokrat*innen und Sozialliberalen sowie mit anderen Parteien der Mitte und von Mitte-Rechts in eine Regierung einzutreten.
Weiter links hat sich die radikale linke Rot-Grüne Allianz (RGA) als Garantin einer wirklich „roten“ Regierung positioniert und lehnt es ab, Koalitionen zu unterstützen, die zu weit nach rechts abdriften. Die Sorge darüber ist berechtigt. Im Gegensatz zur RGA hat die SF Bereitschaft gezeigt, mit der Regierung in Fragen wie Verteidigung sowie beim raschen Rechtsruck der Sozialdemokrat*innen in der Migrationspolitik Kompromisse einzugehen. Anstatt ein linkes Bündnis mit der RGA zu schmieden, um den Rechtsruck der Sozialdemokratie voll auszunutzen, scheint sich die SF damit zufrieden zu geben, einfach als „verantwortungsbewusste“ Stütze für die Sozialdemokratische Partei in die Regierung einzutreten.
Dennoch dürfte die RGA mit der Ausrichtung des Wahlkampfs auf soziale und wirtschaftliche Themen nicht unzufrieden sein. Kurz bevor Frederiksen die Neuwahlen ankündigte, stimmte Dänemark einer Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel zu – eine Forderung der RGA, die unter dem Slogan „Für ein Dänemark, das man sich leisten kann“ Wahlkampf betreibt. Auch die Vermögenssteuer wird von der RGA schon lange gemeinsam mit Organisationen wie Oxfam Dänemark gefordert. Die Wahlergebnisse sind jedoch eine andere Sache, und die Umfragen deuten auf ein geringes Wachstum für die RGA hin, die seit langem zwischen 6 bis 8 Prozent schwankt. Unzufriedene Anhänger*innen der Sozialdemokratie wenden sich stattdessen der gemäßigteren SF zu, die als sicherere Wahl gilt.
Aussichten für die Regierung
Angesichts eines sich im Wandel befindlichen Parteiensystems ist der Ausgang dieser Wahl außerordentlich schwer vorherzusagen. Umfragen deuten auf ein stark fragmentiertes Parlament hin, in dem keiner der traditionellen Blöcke eine klare Mehrheit auf sich vereinen kann. Mehrere Szenarien sind denkbar, wobei die Umfragewerte derzeit eine Mitte-Links-Regierung aus Sozialdemokraten, SF, Sozialliberalen und Moderaten begünstigen, unterstützt von der Rot-Grünen Allianz (und – falls sie wieder ins Parlament einziehen – der linksgrünen Partei Die Alternative).
Ein weiteres Szenario ist die Bildung noch einer schwerfällige Mitte-Koalition unter Beteiligung der Sozialdemokrat*innen und der Moderaten, diesmal jedoch ohne Venstre, die sich praktisch selbst ausgeschlossen haben, aber erweitert um die SF und möglicherweise die Konservativen und die Sozialliberalen. Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass solche Koalitionen Frederiksens bevorzugte Regierungsform geworden ist, doch ob die Zahlen – und der politische Wille – für eine solche Konstellation nach dem Wahltag vorhanden sind, bleibt abzuwarten.
Zwar bleibt eine rechtsgerichtete Regierung theoretisch möglich, doch machen interne Spaltungen und das Fehlen eine*r klaren Kandidat*in für das Amt de*r Ministerpräsident*in dieses Ergebnis zunehmend unwahrscheinlich. Schließlich könnte es im Falle langwieriger politischer Blockade zur Bildung einer viel breiteren Regierung der nationalen Einheit kommen, an der die meisten Parteien mit Ausnahme derjenigen der extremen Linken und der extremen Rechten beteiligt wären, was durch internationale Krisen wie den Krieg in der Ukraine gerechtfertigt werden könnte.
Ein Ende der Blockpolitik?
Selbst wenn diese Wahl zu einer neuen Regierung des „roten Blocks“ der Linken (zusammen mit den Moderaten) führt, scheint ein Schluss immer wahrscheinlicher: Dänemarks Ära der weitgehend stabilen „Rot-Blauen“-Blockpolitik entwickelt sich zu etwas Neuem, das sich um die Entstehung eines „lila“ Blocks mehr oder weniger zentristischer Parteien dreht, der sich nicht nur gegen die extreme Rechte, sondern auch gegen die radikale Linke richtet. Wie in anderen Ländern, in denen ähnliche politische Veränderungen stattgefunden haben, hat dieser neue Block mehr von der Weltanschauung und Politik der extremen Rechten übernommen, als deren Politiker*innen zugeben wollen. Dadurch legitimiert der lila Block solchen Extremismus weiter und trägt gleichzeitig dazu bei, die Entstehung einer schlüssigen politischen Alternative links der Mitte zu verhindern.
Für die dänischen Wähler*innen ist die Wahl am 24. März nicht einfach eine zwischen Rot, Blau und Lila. Sie ist auch eine Entscheidung zwischen konkurrierenden Visionen für Dänemarks Zukunft: einer gerechteren Gesellschaft mit stärkeren öffentlichen Dienstleistungen und Umverteilung, oder einem marktdominierten Modell mit niedrigeren Steuern und höherer Umweltverschmutzung; einem offeneren und gastfreundlicheren Land, das internationale Verträge und Menschenrechte achtet, oder einem restriktiveren, fremdenfeindlichen Land; einem weltweit führenden Land im Bereich erneuerbare Energien oder einem Land, das sein staatliches Energieunternehmen privatisiert und Solaranlagen mit Schweinezucht ersetzt. Das Ergebnis am 24. März wird diese Spannungen nicht auflösen, aber es wird die Arena neu gestalten, in der die politischen Kämpfe um diese Zerwürfnisse ausgetragen werden.

