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Analyse , : Wege zum kommunalen Sozialismus in New York City

Internationale Erfahrungen für die Stärkung der Macht der arbeitenden Klassen. Von Thabo Huntgeburth

Wichtige Fakten

Details

Auf dem Foto steht Zohran Mamdani hinter einem Rednerpult mit der Aufschrift "New York is not for sale". Sein Gesicht strahlt Zuversicht aus.
„New York is Not for Sale“ war einer der Wahlkampfslogans, mit denen Zohran Mamdani im Wahlkampf seinen Anspruch auf einen sozialistischen Stadtumbau deutlich machte. (Forest Hills Stadium, NY, 26.10.2025) Foto: IMAGO / Newscom / AdMedia

Zohran Mamdani ist ein politisches Ausnahmetalent. Denn indem er affordability (Bezahlbarkeit) zum entscheidenden Thema machte und damit die Bürgermeisterwahl gewann, krempelte er Politik in den USA um. Um „Bezahlbarkeit“ geht es seitdem scheinbar allen, von Kamala Harris bis Donald Trump. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Werden materielle Grundfragen als alleinstehendes Thema behandelt und dekontextualisiert, stehen die wirtschaftlichen Machtverhältnisse und der arbeiternehmerfeindliche Status quo nicht mehr in Frage. In diesem Fall wären sozialistische Mehrheiten in New York City lediglich von kurzer Dauer. 

Thabo Huntgeburth promoviert in Entwicklungsökonomie an der SOAS University of London.

Mamdanis erfolgreicher Wahlkampf bewies jedoch, dass sozialistische Politik für ein breites gesellschaftliches Bündnis sorgen kann, das von Kleinbetrieben über Selbstständige bis zu Lohnabhängigen reicht. Es handelt sich um Menschen, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, für sich selbst oder für andere zu arbeiten – sie fahren, kochen, putzen, bauen, bedienen – und damit dem existenziellen ökonomischen Druck und der Unfreiheit kapitalistischer Märkte unmittelbar ausgesetzt sind. Demgegenüber stehen jene, die wirtschaftliche Macht ausüben und ihr Geld damit verdienen, dass sie andere herumkommandieren oder Kapital besitzen.

In der sozialistischen Kommunalpolitik in Europa gibt es Beispiele dafür, wie die Mamdani-Stadtregierung lokale Wirtschaftsmaßnahmen mit sozialistischer Politik und Organisationen der Arbeiterklasse verknüpfen könnte.

Gegen diese dominierende ökonomische Macht hat Mamdani die arbeitenden Klassen zusammengebracht. Da dieses breite Bündnis auf einer sozialistischen Grundlage entstand, bietet sich die einmalige Gelegenheit, das Kräfteverhältnis in New York City langfristig zugunsten der Arbeiternehmer*innen zu verschieben. 

Allerdings greifen Mamdanis wirtschaftspolitische Vorschläge bislang zu kurz. Denn nachhaltiger wirtschaftlicher Wandel setzt mehr voraus als Steuerpolitik und bezahlbaren Wohnraum. Er muss an die Wurzel des Problems gehen: die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse. In der sozialistischen Kommunalpolitik in Europa gibt es Beispiele dafür, wie die Mamdani-Stadtregierung lokale Wirtschaftsmaßnahmen mit sozialistischer Politik und Organisationen der Arbeiterklasse verknüpfen könnte – Organisationen, die Sozialist*innen demokratische Mehrheiten verschafft haben. 

Von Barcelona bis Preston zeigt sich, dass Gewerkschaften die Ausweitung öffentlicher Vermögensbestände und die Förderung von Wohnungs-, Erzeuger- und Arbeitergenossenschaften Eigentumsverhältnisse infrage stellen und strukturell verändern können. Diese Organisationsformen übertragen den arbeitenden Klassen die direkte Kontrolle und demokratisieren die Wirtschaft. Eine erweiterte Wirtschaftsdemokratie könnte dafür sorgen, dass Mamdanis Programm jene Organisationen fördert, die seinem breiten Bündnis die institutionelle Verankerung verschaffen und New York zu einem Ort machen, an dem sozialistische Werte wie Solidarität, Kooperation und kollektive Entscheidungsfindung gelebte Realität werden. Wirtschaftsdemokratie wäre somit nicht nur ein sozialistisches Wunschziel, sondern auch ein Mittel zur Verankerung einer sozialistischen Mehrheit.

Die Grenzen von Mamdanis wirtschaftspolitischer Plattform

Ironischerweise fördern Mamdanis bekannteste politische Vorstöße den Zusammenhalt seines Bündnisses bislang recht wenig. Denn sowohl seine Steuer- als auch seine Wohnungspolitik halten die bestehenden Eigentumsverhältnisse aufrecht.

Eine Reichensteuer ist sicherlich kein Fehler. Denn Millionär*innen werden wohl kaum massenhaft New York City den Rücken kehren, nur weil der zusätzliche Steuersatz zwei Prozent beträgt. Anders verhält es sich jedoch bei der geplanten Unternehmensbesteuerung. Denn Unternehmen können ihre Gewinne relativ leicht mit Eingriffen in ihre Bilanzstruktur aus New York in eine der auch in den USA zahlreich vorhandenen Steueroasen verlagern, beispielsweise in den Bundesstaat Delaware. Auf diese Weise können Konzerne ihre Steuerlast gegen null drücken.

Etliche geplante Initiativen, von denen Mamdanis Wähler*innen profitieren sollen, binden diese  nicht aktiv ein. Sie reduzieren die Betroffenen auf die Rolle von Empfänger*innen kommunaler Dienstleistungen und wirken deshalb eher entpolitisierend.

Darüber hinaus sind Mamdanis Pläne zur Wohnflächenerweiterung stark auf private Unternehmen angewiesen, auch wenn sie mit Auflagen verknüpft sind. Das liegt daran, dass weniger als ein Prozent der Fläche New Yorks ungenutzt und zugleich im Besitz der Stadt ist. Ohne ein robustes öffentliches Bauprogramm bleibt die Bevölkerung deshalb abhängig von Vermieter*innen, die Profite auf Kosten der Mieter*innen erzielen.

Gleichzeitig binden etliche geplante Initiativen, von denen Mamdanis Wähler*innen profitieren sollen, letztere nicht aktiv ein. Natürlich schaden Maßnahmen wie Toiletten, Rechtsberatung und Wetterschutz für Lieferant*innen („Deliveristas“), mehr Unterstützung für Kleinunternehmen und kostenlose Busse nicht. Aber sie reduzieren die Betroffenen auf die Rolle von Empfänger*innen kommunaler Dienstleistungen, die deshalb eher entpolitisierend wirken, anstatt die arbeitenden Klassen aktiv zu organisieren. 

Ohne entsprechende Organisationen lassen sich die inneren Widersprüche von Mamdanis Programm nicht überwinden. Zum einen stellen Mindestlohnerhöhungen und Steuern (sofern sie nicht progressiv gestaltet sind) eine Belastung für Kleinbetriebe dar. Außerdem zeigt das Wahlkampfversprechen eines Bürokratieabbaus der Mittelschicht kaum sozialistische Perspektiven auf. Diese Politik verstetigt die Zersplitterung der arbeitenden Klassen, statt sie gegen die Großkonzerne auf dem kapitalistischen Markt zu einen. 

Paradebeispiele für kommunalen Sozialismus

Dass Kapitalinteressen die Wirtschaft dominieren, ist kein Naturgesetz. Rückblickend gibt es weltweit zahlreiche Beispiele für kommunale Regierungen mit ambitionierten sozialistischen Maßnahmenkatalogen. Der gemeinsame Nenner, von dem sich sozialistische und kommunistische Parteien politisch leiten lassen, besteht in der engen Verknüpfung von lokaler Regierungsführung – und dabei ganz besonders einer politischen Partei – mit der Zivilgesellschaft. Mamdanis Programm könnte sich davon inspirieren lassen und einige dieser Initiativen übernehmen, damit sozialistische Mehrheiten in New York City auf Dauer tiefe Wurzeln schlagen.

Barcelona

Zehn Jahre lang wurde die Stadt von der basisdemokratischen Partei Barcelona en Comú regiert, die sich als Alternative zum politischen Establishment verstand. Ihre Macht baute sie über Nachbarschaftsräte und öffentliche Versammlungen auf den Plätzen der Stadt auf. So entstanden stabile partizipative Strukturen, die Menschen über die Partei klassenübergreifend einbanden und direkt in politische Entscheidungsprozesse integrierten. Dies wiederum veranlasste die Stadtverwaltung dazu, die Überführung wichtiger Wirtschaftssektoren in Gemeineigentum einzuleiten und demokratische Basisorganisationen in der Wirtschaft zu fördern.

Die Partei war im Kontext der weltweiten Finanzkrise 2008 entstanden. Die Zentralregierung hatte eine Sparpolitik mit desaströsen Folgen verhängt: Unternehmensschließungen, Arbeitslosigkeit und Zwangsräumungen. Als Reaktion besetzten Aktivist*innen öffentliche Plätze – ein Prozess, aus dem Barcelona en Comú als politische Bewegung wie auch als Partei hervorging. Die Aktivist*innen politisierten und organisierten ganze Stadtteile. Sie beriefen Nachbarschaftsversammlungen ein, um ein politisches Programm zu erstellen, und bildeten Nachbarschaftsausschüsse, die wiederum die gewählten Politiker*innen berieten. Nach ihrem Wahlsieg 2015 ging Barcelona en Comú gegen monopolartige Unternehmen vor, die die Preise in die Höhe getrieben hatten, etwa durch die Gründung eines öffentlichen Energieversorgers und die Rekommunalisierung der Wasserversorgung. Außerdem regulierte die Stadtverwaltung digitale Plattformen, indem neue touristische Unterkünfte dauerhaft verboten und säumige Immobilieneigentümer konsequent verfolgt wurden – was schätzungsweise fast 10.000 Wohnungen für Mieter*innen sicherte. Zudem sorgte die Stadt für die Demokratisierung der Wirtschaft durch die Vergabe öffentlicher Flächen an Basis- und Nachbarschaftsprojekte und die gezielte Erteilung öffentlicher Aufträge an lokale Genossenschaften. 

Preston (Großbritannien)

Bis heute prägt der linke Flügel der Labourpartei den kommunalen Wirtschaftsplan von Preston und sichert dort stabile Mehrheiten. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Einbindung der Arbeiterklasse durch Genossenschaften – als gelebte wirtschaftliche Demokratie. Gleichzeitig fördert die Stadt durch gezielte öffentliche Investitionen und Kreditvergaben lokale Unternehmen.

Preston startete dieses Programm unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen. Die neoliberale Politik Margaret Thatchers hatte Nordengland deindustrialisiert und seine wirtschaftliche Basis zerstört. Als Antwort begann die Stadt 2011 mit einem Programm zur Förderung des Gemeinwohls, das die örtliche Labour-Linke zu einem Projekt des kommunalen Sozialismus weiterentwickelte. 

Damit sorgte der Stadtrat für wirtschaftliche Demokratie. Er gründete eine öffentliche Einrichtung, über die er Arbeitergenossenschaften finanziert, berät und miteinander vernetzt. Genossenschaften werden systematisch in bestehende Lieferketten integriert und dort, wo es an entsprechenden Strukturen mangelt, sogar ins Leben gerufen. Auch kommunales Eigentum wurde demokratisiert: durch die Verwandlung von sozialem Wohnungsbau und Sozialwohnungen in eine Wohnungsgenossenschaft, in der Mieter*innen ihre Gebäude selbst verwalten. In Abstimmung mit der Stadt kauft die Genossenschaft leerstehende Immobilien auf, saniert sie und wandelt sie in sozialen und gemeinnützigen Wohnraum um. Zur Finanzierung nutzt die Stadt gezielt lokale Ressourcen – etwa durch Investitionen des Pensionsfonds in örtliche Unternehmen und durch die Kooperation mit einer regionalen Kreditgenossenschaft zur Finanzierung lokaler Betriebe und Kooperativen.

Das rote Wien

Seit mehr als 100 Jahren wird Wien von der Sozialdemokratischen Partei regiert (mit der Ausnahme einer gewalttätigen Unterbrechung während der faschistischen Herrschaft). Und bis heute ist die Stadt Wien der größte Immobilieneigentümer in Europa, der etwa der Hälfte seiner Bevölkerung das Wohnen in sogenannten Gemeindebauten oder Häusern gemeinnütziger Bauvereinigungen ermöglicht. Der wesentliche politische Grund für den Fortbestand dieses ungewöhnlichen Versorgungsmodells ist, dass vom kommunalen und gemeinnützigen Wohnungsbau nicht nur besonders bedürftige Bevölkerungsgruppen profitieren, sondern alle Einwohner*innen Wiens. Auf diese Weise haben Angehörige verschiedener Klassen – und dementsprechend Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichem politischem Einfluss – ein Interesse an hochwertigem Wohnraum in öffentlicher Hand und dessen vernünftiger Verwaltung. Zugleich wirkt sich der schiere Umfang des kommunalen und gemeinwohlorientierten Wohnungssektors positiv auf den gesamten Wohnungsmarkt aus, weil damit die Mieten vergleichsweise niedrig gehalten werden können.

Die Dominanz der Sozialdemokratie und ihr Eintreten für öffentliches Eigentum haben tiefe historische Wurzeln. Am Ende des Ersten Weltkriegs stand die sozialdemokratische Partei an der Spitze der damaligen Protest-, Streik- und Rätebewegungen und ging daraufhin als Sieger aus den Kommunalwahlen hervor. Um die anspruchsvollen öffentlichen Vorhaben zu finanzieren, führte die Partei die sogenannten Breitner-Steuern ein: eine Reihe von Luxussteuern auf Konsumgüter der Reichen, ergänzt durch eine Anti-Spekulations-Steuer und eine progressive Bau-Steuer, wobei letztere dafür sorgte, dass der Bau teurer Villen den sozialen Wohnungsbau mitfinanzierte. Die lokale Regierung verfolgte ihre Wohnungspläne mit einer beeindruckenden Entschlossenheit: Die Maßnahmen reichten von der Enteignung leerstehender Gebäude bis hin zur Errichtung großer Wohnblocks und -siedlungen, in denen die Kommune den Bewohner*innen verschiedene soziale und andere Dienste anbot wie Kinderbetreuung, Schulen, medizinische Dienste, Gas-, Wasser- und Stromversorgung sowie Verbrauchergenossenschaften. Da man sich vom Profitdenken verabschiedet hatte, lag der Mietanteil am Einkommen in den Gemeindewohnungen Wiens in den 1930er Jahren nicht über vier Prozent des Durchschnittslohns einer Arbeiterfamilie!

Das beeindruckendste Projekt war der Karl-Marx-Hof, ein gewaltiger modernistischer Wohnblock mit eigenen Sportanlagen, Hörsälen und einer öffentlichen Bibliothek. Für die Austromarxist*innen, die für eine Revolutionierung der Kultur eintraten, waren Sportvereine, Bildungseinrichtungen und Kunstprojekte entscheidend für die Emanzipation der Arbeiterklasse. Sie und andere Teile der Bevölkerung sollten unter dem Banner des Sozialismus in der sozialdemokratischen Partei zusammenkommen. Mit dem kommunalen sozialen Wohnungsbau richtete man sich also nicht (nur) an die ärmsten Haushalte – vielmehr war dieser für Hausangestellte und Künstler*innen gleichermaßen gedacht.

Emilia-Romagna

Die Region Emilia-Romagna gilt als die Hochburg der italienischen Sozialdemokratie sowie des italienischen Sozialismus und Kommunismus. Mehr als ein Jahrhundert lang stellten die entsprechenden linken Parteien hier die Regierungen auf regionaler und kommunaler Ebene (auch hier nur unterbrochen durch die Phase des Faschismus). Der Hauptgrund für die politische Hegemonie der Sozialist*innen in dieser Region war ihre starke Verbundenheit und Vernetzung mit verschiedenen Arbeitnehmerorganisationen: von Gewerkschaften und Genossenschaften bis hin zu Kulturzentren. Im Zentrum des Wirtschaftsprogramms dieser linken Parteien stand die Förderung von Erzeuger- und Arbeitergenossenschaften, wovon Lohnabhängige wie Kleinbetriebe profitierten.

Es war die Kommunistische Partei Italiens (PCI), die dieses Modell in ihrer fast 50-jährigen Regierungszeit in der Region (sie gewann alle Wahlen) verfeinerte und besonders verfolgte. Die große Popularität der PCI wurzelte im erfolgreichen antifaschistischen Partisanenkampf, der die Region vom Faschismus befreit hatte. Die Partei nutzte die Glaubwürdigkeit, die sie in den arbeitenden Klassen besaß, und schickte ihre Kader gezielt in deren Organisationen, um dort für ihre Wirtschaftspolitik zu werben. Die lokalen kommunistischen Regierungen förderten aktiv den Genossenschaftssektor: Baugenossenschaften errichteten kostengünstige soziale Wohnungen auf städtischem Grund, Verbrauchergenossenschaften stellten Arbeitnehmerhaushalten eine große Vielfalt an Produkten zur Verfügung, und Produktionsgenossenschaften ermöglichten es kleinen Unternehmen, erfolgreich mit monopolartigen Konzernen aus Norditalien zu konkurrieren.

Um den Lebensstandard der Arbeiternehmer*innen zu heben, bedurfte es neben niedrigen Preisen und Mieten sowie hoher Produktivität aber auch deutlicher Lohnerhöhungen. Daher koordinierte sich die PCI mit den Gewerkschaften, um die Fabriken der Großkonzerne ins Visier zu nehmen. Das Kapital sollte nicht länger zum Zweck der Gewinnmaximierung in den Norden fließen, sondern für Lohnerhöhungen genutzt werden. Höhere Haushaltseinkommen wirkten sich positiv auf die lokale Wirtschaft aus. Die PCI fungierte als Nervensystem dieser regionalen Wirtschaftsplanung. Sowohl im Dachverband der Genossenschaften als auch in den wichtigsten Gewerkschaften waren die Kommunist*innen präsent. Sie sorgten zum einen dafür, dass die Anliegen und Forderungen der Bevölkerung in der Partei ankamen, und zum anderen erleichterten sie die Umsetzung des übergeordneten regionalen Wirtschaftsplans. Es handelte sich hier um Massenorganisationen der Mittelschicht und der Arbeiterschaft – und zugleich um lebendige Strukturen kommunistischer Kultur, die antifaschistische Proteste anführten, Menschen zu Festen und kommunistischen Feiertagen einluden und die Wirtschaft demokratisierten.

Wie Mamdani die Macht der arbeitenden Klassen stärken könnte

Mit den versprochenen Wirtschaftsmaßnahmen zielt Mamdanis Programm bereits auf die entscheidenden Teile einer breiten Wählerkoalition ab. Die Geschichte zeigt jedoch, dass ein weiterer Schritt nötig ist, nämlich die aktive Schaffung und Integration von Organisationen, die sozialistische Werte vermitteln, die Wirtschaft demokratisieren und dadurch an Einfluss gewinnen, indem sie immer mehr Menschen einbeziehen und vertreten.

Die treibende Kraft dahinter könnten die Gewerkschaften sein. Mamdanis Politik zur Stärkung der Arbeiternehmer*innen bietet die Chance, sie strukturell in konkrete Initiativen einzubinden. Dies könnte perspektivisch sowohl die Gewerkschaften stärken als auch dauerhafte Verbindungen herstellen zwischen seiner sozialistischen Vision und der lohnabhängigen Bevölkerung New Yorks. Sein Plan, eine städtische Rechtsberatung für die Deliveristas und andere anzubieten, könnte ein erster Schritt in diese Richtung sein. Würde die Stadt zusammen mit Gewerkschaftsanwält*innen öffentliche Beratungsstellen einrichten, könnte dies nicht nur die Gewerkschaften entlasten, sondern auch Kontaktpunkte schaffen für (noch) nicht gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte. Dies ließe sich auch mit der für die Deliveristas geplanten Infrastruktur verbinden, wie beispielsweise Räume, die ihnen bei Unwetter Schutz bieten. Würden solche Strukturen und Räume von den Gewerkschaften betrieben, bestünde die Chance (anders als bei städtischen Beamt*innen), dort ganz praktisch die Bedeutung von Arbeiternehmersolidarität zu vermitteln und aufzuzeigen.

Sozialistische Wirtschaftspolitik bedeutet, die kapitalistischen Eigentumsstrukturen in der Stadt anzugreifen, um das ökonomische System zu demokratisieren. Dafür verfügen wir über starke Instrumente.

Zweifelsohne ist es viel schwieriger, Selbstständigen und Kleinunternehmer*innen solche sozialistischen Werte nahezubringen. Anstatt mehr öffentliche Gelder für Einzelberatung auszugeben, könnte Mamdani Unternehmenszusammenschlüsse und besonders die Gründung von Genossenschaften fördern – etwa Erzeugergenossenschaften für kleine Lebensmittelgeschäfte (Bodegas). Diese würden den bürokratischen Aufwand für alle Beteiligten reduzieren und die demokratische Mitbestimmung der Eigentümer*innen stärken. Solche Erzeugergenossenschaften könnten zudem der Stadtverwaltung als Anlaufstelle dienen, um faire Lebensmittelpreise für die arbeitende Bevölkerung zu gewährleisten. Dies ließe sich mit der Förderung von Verbrauchergenossenschaften verbinden. Beispielsweise wären Gegenden, in denen es keine Erzeugergenossenschaften gibt, ideal für die Gründung von Verbrauchergenossenschaften – so blieben die Verbraucherpreise niedrig, und schädlicher Wettbewerb würde vermieden.

Außerdem sollte die Stadtverwaltung für echten Wettbewerb auf dem Wohnungsmarkt sorgen. Bei dem Vorhaben, mehr bezahlbarem Wohnraum zu schaffen, kann man sich nicht auf private Unternehmen verlassen. Dies würde ein politisches und wirtschaftliches Risiko darstellen, weil Wohnungskonzerne die größten Nutznießer einer antisozialistischen Politik sind. Wohnungsgenossenschaften hingegen teilen nicht nur das grundlegende Interesse an niedrigen Mieten, sondern können auch ein Instrument für die Organisierung und Politisierung der Bewohner*innen sein – und das über alle Gesellschaftsschichten hinweg. Weil öffentliche Institutionen dem Neutralitätsprinzip unterworfen sind, eignen Wohnungsgenossenschaften sich viel besser dazu, sozialistische Ideen und Werte zu vertreten und zu verbreiten.

Selbstverständlich ändert allein eine andere politische Kultur nichts an der immensen Finanzialisierung des New Yorker Wohnungsmarkts und den Kosten, die damit auf Wohnungsgenossenschaften zukommen. Es gibt für die Stadtverwaltung zwei – möglicherweise sich ergänzende – Strategien, damit umzugehen. Erstens könnte sie strengere Regulierungen einführen und damit Bodenspekulationen und Großgrundbesitz weniger attraktiv machen. Sie könnte den aktuellen Mietpreisdeckel mit hohen Steuern für Grundstückseigentümer*innen und Wohnungsvermieter*innen kombinieren. Denn es braucht gezielten Druck auf die Immobilienpreise in New York, um einen Aufkauf von Grundstücken und Immobilien durch die Stadtverwaltung zu ermöglichen – und so die Voraussetzungen für bezahlbaren Wohnraum für alle zu schaffen.

Zweitens könnte die Stadtverwaltung mit Kreditgenossenschaften kooperieren, die durch Kommunalanleihen abgesichert wären und sich Geld auf den Finanzmärkten beschaffen könnten, um ihre Immobilienportfolios zu erweitern. Da deren öffentlich garantierte Anleihen sichere Vermögenswerte für Finanzakteure darstellen würden, ist es denkbar, dass Teile des New Yorker Finanzsektors für die sozialistische Wohnungsbauoffensive zu gewinnen sein könnten. Auf diese Weise würden Kreditgenossenschaften Grundstücke in New York schrittweise wieder unter demokratische Kontrolle bringen. Am effektivsten wäre vermutlich eine Strategie, die offensive und inkrementelle Maßnahmen kombiniert. Aufgrund der zu erwartenden sinkenden Immobilienpreise würden Finanzinstitute nicht in eine existenzielle Krise gestürzt, da sie ihre Vermögenswerte gegen sichere Anleihen von Kreditgenossenschaften eintauschen könnten. Mit einem solch differenzierten politischen Ansatz könnte der Aufbau einer sozialistischen Wirtschaft in New York gelingen, ohne damit zu große politische Turbulenzen im Finanzsektor der Stadt auszulösen.

Bislang verspricht Mamdanis Wirtschaftsprogramm lediglich eine gewisse Umverteilung der enormen Profite der Großkonzerne und der Reichen nach unten an die arbeitenden Klassen. Historische und aktuelle Beispiele sozialistisch regierter Kommunen zeigen jedoch, dass wir durchaus kühner vorgehen können. Sozialistische Wirtschaftspolitik bedeutet, die kapitalistischen Eigentumsstrukturen in der Stadt anzugreifen, um das ökonomische System zu demokratisieren. Dafür verfügen wir über starke Instrumente: öffentliches Eigentum, Gewerkschaften und verschiedene Formen der Genossenschaften. Es bedarf strategischen Geschicks und einer klaren Vision, um herauszufinden, mit welcher Kombination eine nachhaltige Wirtschaftsdemokratie am besten herbeizuführen ist.

Dies ist kein Luftschloss, kein „Wir wollen alles oder nichts“, sondern Voraussetzung für das politische Überleben. Ein breites und attraktives Bündnis aus verschiedenen Teilen der arbeitenden Klassen ist für Sozialist*innen die unerlässliche Grundlage, um demokratische Mehrheiten zu erringen. Klar ist, dass nicht alle, die Mamdani gewählt haben, überzeugte Sozialist*innen sind. Wirtschaftsdemokratische Reformen ermöglichen jedoch, die Vorteile des Sozialismus für die arbeitenden Klassen konkret erfahrbar zu machen: Solidarität, gegenseitige Hilfe und demokratischer Umgang in der Wirtschaft. Außerdem ermöglichen sie den Aufbau nachhaltiger Organisationen, die wir brauchen werden für zukünftige Kämpfe, Mobilisierungen und breite Bündnisse. Umverteilung allein reicht dafür nicht aus. Ohne die Infragestellung der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse und die Demokratisierung der Wirtschaft werden wir dem Ziel eines sozialistisches New Yorks nicht näherkommen. 

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