Nachricht | F. Walter: "Republik, das ist nicht viel"; Bielefeld 2011

Matthias Busch, Arbeitsbereich Didaktik Sozialwissenschaften, Universität Hamburg rezensiert für die Historische Bildungsforschung Online bei H-Soz-u-Kult


Walter, Franz: "Republik, das ist nicht viel". Partei und Jugend in der Krise des Weimarer Sozialismus (= Studien des Göttinger Instituts für Demokratieforschung zur Geschichte politischer und gesellschaftlicher
Kontroversen 2). Bielefeld: Transcript - Verlag für Kommunikation, Kultur und soziale Praxis 2011. ISBN 978-3-8376-1832-7; 454 S.; EUR 29,80.

Busch schreibt: "Der Göttinger Politikwissenschaftler Franz Walter geht mit seiner Studie "'Republik, das ist nicht viel' - Partei und Jugend in der Krise des Weimarer Sozialismus" thematisch zurück an seine eigenen forschungsbiographischen Wurzeln. Bereits in seiner Dissertation am
Seminar für Politikwissenschaft der Georg-August-Universität Göttingen
bei Peter Lösche hatte sich der Autor den sozialistischen Jugendorganisationen der Weimarer Republik gewidmet.[1] Sich nun erneut
mit den "vergilbten Kopien", "schwer noch zu entziffernden Abschriften"
und bisher unveröffentlichten Funden der eigenen Promotionszeit
auseinanderzusetzen, habe auf ihn "verstörend" (S. 10) gewirkt. Dem
Leser verspricht Walters Konfrontation mit dem eigenen Frühwerk indes
neben neuen Erkenntnissen über den Weimarer Jungsozialismus
aufschlussreiche Einblicke in ein Forscherleben.

Der Autor zeichnet in der Publikation die theoretischen Diskussionen und
Auseinandersetzungen unterschiedlicher jungsozialistischer Strömungen
nach. Er blickt dabei allerdings beständig auch auf das
"geistig-kulturelle Klima", die Lebensweisen, Kontexterfahrungen und
"Zeitgeistprägungen", in denen sich die Deutungsmuster der Parteijugend
entwickelten. Kriegs- und Nachkriegserfahrungen bildeten den
Ausgangspunkt für eine drastische Sinnkrise der jungen Generation."

Abschließend urteilt er: "Der Text selbst ist jedoch - auch wenn das die durchgängig geänderten Kapiteltitel und Umstellungen nicht erwarten lassen - bis hin zum Fazit zu einem Großteil identisch mit der Dissertation von 1986. Neben einzelnen stilistischen Eingriffen und Kürzungen ergänzt Walter seine
Promotion um Ausführungen zur Sozialistischen Arbeiterjugend und anderen
Parteiorganisationen, wie er sie weitgehend textgleich bereits in früheren Arbeiten veröffentlicht hat, ohne die Entlehnungen hier allerdings transparent zu machen.[3]
Auch wenn sich neue Perspektiven und veränderte Bewertungen kaum finden lassen, ist das Verdienst des Autors darin zu sehen, mit der Publikation eine zusammenfassende, überarbeitete Neuauflage seiner älteren Studien zu bieten und sie damit erneut einer breiteren Leserschaft zugänglich zu machen."

Anmerkungen:
[1] Franz Walter, Nationale Romantik und revolutionärer Mythos. Politik
und Lebensweisen im frühen Weimarer Jungsozialismus, Berlin 1986
(Dissertation).
[3] Vgl. zum Kapitel VII: Franz Walter, Jugend in der sozialdemokratischen Solidargemeinschaft. Eine organisationssoziologische Studie über die Sozialistische Arbeiterjugend Deutschlands (SAJ), in: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung (IWK) 23 (1987), 3, S. 311-376.