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Kommentar , : Vorwärts in den Fleischwolf

Sollten die USA eine Bodenoffensive gegen den Iran starten, werden sich amerikanischen Truppen in einer weiteren unpopulären und letztlich vergeblichen Besatzung verrennen

Wichtige Fakten

Autorin
Annelle Sheline,

Details

Fallschirmjäger der US-Armee steigen aus einem C-17 Globemaster-Flugzeug der Luftwaffe aus.
Ein Bodeneinsatz im Iran könnte zu einem weiteren Fiasko führen, ähnlich wie der chaotische Abzug der US-Truppen aus Afghanistan im Jahr 2021 – wie beispielsweise die hier abgebildete 82. Luftlandedivision, die als letzte das Land verließ. Foto IMAGO / ZUMA Press Wire

Bis Ende März 2026 haben die Vereinigten Staaten Tausende zusätzlicher Soldat*innen in den Nahen Osten verlegt, was Spekulationen verstärkt, Trump sei im Begriff, den Krieg von einer Luftkampagne zu einer möglichen Bodeninvasion des Iran zu eskalieren. Derzeit haben die USA etwa 2.500 bis 5.000 zusätzliche Marinesoldat*innen mobilisiert, wodurch sich die Gesamtzahl der US-Truppen in der Region auf über 50.000 erhöht. Das US-Militär hat Teile der 82. Luftlandedivision aufgeboten, einer Fallschirmjägerdivison der US-Armee, die auf „Joint forcible entry operations“ (JFED) spezialisiert ist.

Ein mögliches Ziel ist die Insel Kharg, wo der Iran 90 Prozent seiner Ölexporte abwickelt. Bereits 1988 sagte Trump in einem Interview, er könne auf der Insel Kharg „einiges anstellen“; offensichtlich beschäftigt ihn die Idee einer Invasion des Iran schon seit Jahrzehnten. Die Insel Kharg ist winzig, nur etwa ein Drittel so groß wie Manhattan. Die Insel liegt fast 500 km von der Straße von Hormus entfernt und befindet sich damit tief im Persischen Golf. Militärexpert*innen warnen, dass der Iran die dort stationierten US-Truppen leicht massakrieren oder gefangen nehmen könnte, sollte Trump die Eroberung der Insel befehlen. Darüber hinaus würde die Zerstörung der Ölinfrastruktur auf Kharg die weltweiten Ölpreise noch mehr in die Höhe treiben, aber den Iran nicht dazu bringen, die Straße von Hormus zu öffnen.

Die Mobilisierung für eine mögliche Bodenoffensive bedeutet, dass Trump eine wichtige rote Linie überschritten hat, da seine Popularität zum Teil auf seiner angeblichen Ablehnung „dummer“ Kriege und insbesondere von US-Besatzungen beruhte.

Alternativ könnte Trump US-Truppen befehlen, die iranische Seite der Meerenge zu besetzen und so versuchen, die Bedrohung der  Schifffahrt durch den Iran zu beschneiden. Die Meerenge ist jedoch nicht der einzige Ort, von dem aus iranische Drohnen und Raketen gestartet werden, was bedeutet, dass die USA bald versuchen müssten, weiteres iranisches Territorium zu erobern. Das würde einen enormen Einsatz an Truppen und Ressourcen erfordern. 

Unbeliebt im eigenen Land

Die Mobilisierung für eine mögliche Bodeninvasion bedeutet, dass Trump eine wichtige rote Linie überschritten hat. Seine Popularität beruht auch auf der Behauptung, er lehne „dumme Kriege“ und insbesondere US-Besatzungen ab.

Trumps Bereitschaft, den Irakkrieg im Präsidentschaftswahlkampf 2016 zu kritisieren, hob ihn von anderen republikanischen Kandidat*innen ab und verhalf ihm dazu, die Nominierung zu gewinnen und schließlich ins Weiße Haus einzuziehen. Seine „Keine neuen Kriege“-Kampagne fand großen Anklang bei den Amerikaner*innen, die von den Kosten und der Sinnlosigkeit der zehnjährigen Besatzung des Irak und der Besatzung Afghanistans, deren Ende damals nicht absehbar war, frustriert waren. In seiner ersten Amtszeit handelte Trump ein Abkommen zum Abzug aus Afghanistan aus, das Biden 2021 umsetzte. Dass die Amerikaner*innen ihre afghanischen Partner*innen im Stich ließen, während die Taliban rasch die Kontrolle zurückeroberten, war ein mit dem chaotischen Abzug aus Vietnam vergleichbares Fiasko – ein Debakel, von dem sich Bidens Popularitätswerte nie erholten und das unter Amerikaner*innen die Sicht auf militärische Besatzungen als sinnlose Abenteuer stärkte.

2024 betonte Trump während seines Wahlkampfs  wieder, dass er unnötige Kriege vermeiden werde. Das fand bei vielen Amerikaner*innen Anklang, die „America First“ sehen wollen oder zumindest innenpolitischen Prioritäten – darunter die Eindämmung von Migration – Vorrang vor der Verschwendung von Milliarden für militärische Besatzungen im Ausland einräumen wollten.

Luftangriffe statt Bodentruppen

Wenn Trump doch einmal militärische Gewalt einsetzte, schien er entschlossen, das Engagement der USA gering zu halten – eine Strategie, die sich in der Ermordung des Kommandanten der iranischen Quds-Einheit, General Qassem Soleimani, im Januar 2020 zeigte. Obwohl der Angriff wahrscheinlich gegen das Völkerrecht verstieß, begrüßten Anhänger*innen von „America First“– und viele Veteran*innen des Irakkriegs – die Ermordung des Generals, der den irakischen Widerstand unterstützt hatte, bei dem Tausende US-Soldat*innen getötet oder schwer verletzt worden waren. Trump schien durchaus bereit, das US-Militär einzusetzen, um diejenigen zu verfolgen, die er als Feinde der USA ansah – nur eben nicht mit Bodentruppen. 

Weitere solche Fälle folgten: Im Juni 2025 griff Trump iranische Nuklearanlagen an, widerstand jedoch dem Druck Israels, eine umfassendere Militärkampagne gegen den Iran zu starten. Als Trump die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro anordnete, beging er weitere Verstöße gegen das Völkerrecht – von den davor begangenen Ermordungen von Zivilist*innen auf kleinen Booten in der Karibik ganz zu schweigen. Doch Trump scheint das Gefühl gehabt zu haben, er habe einen bedeutenden Sieg errungen.

Trump scheint davon ausgegangen zu sein, dass die von ihm am 28. Februar gegen den Iran eingeleitete Militäraktion ebenfalls schnell vorbei sein würde. Stattdessen ist er nun in einem Eskalationskreislauf gefangen, aus dem sich nur schwer entkommen lässt.

Mal um mal setzte Trump das US-Militär ein, um seine Ziele zu erreichen, ohne jedoch in einen größeren Konflikt hineingezogen zu werden. Kritiker*innen hatten vor einem Angriff auf den Iran oder Venezuela gewarnt, und Trump dachte wohl „Probleme“ gelöst zu haben, die frühere Regierungen geplagt hatten, und so bewiesen zu haben, dass er mutiger und klüger war als seine Vorgänger. Man muss jedoch klar sagen, weder Qassem Soleimani noch das zivile Atomprogramm des Iran noch die Präsidentschaft Maduros tatsächlich eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellten, weshalb die Militäreinsätze als illegal bewertet werden müssen.

Leider scheint Trump den Eindruck gehabt zu haben, dass die militärische Aktion, die er am 28. Februar gegen den Iran startete, ebenfalls schnell vorbei sein würde. Stattdessen ist er nun in einem Eskalationskreislauf gefangen, aus dem sich nur schwer entkommen lässt.

Israels Krieg?

Dass Trump in diese Falle getappt ist, ist zum Teil auf die beharrlichen Bemühungen von Ministerpräsident Netanjahu sowie eines Netzwerks von Personen und Thinktanks in Washington zurückzuführen, die seit Jahrzehnten darauf drängen, dass die Vereinigten Staaten einen Krieg gegen den Iran beginnen. Ein solcher Thinktank, die „Foundation for Defense of Democracies“ (FDD) etwa wurde ursprünglich gegründet, um „das Ansehen Israels in Nordamerika zu verbessern“. Das Weiße Haus übernahm in der offiziellen Erklärung zum Angriff auf den Iran fast Wort für Wort einen Text der FDD

Die FDD lehnte das Atomabkommen von Präsident Obama aus dem Jahr 2015 – den einzigen Mechanismus, der die Urananreicherung des Iran erfolgreich stoppte – vehement ab und setzt sich seit langem für einen von den USA herbeigeführten Regimewechsel in Teheran ein. Doch angesichts der vorherrschenden Stimmung des vergangenen Jahrzehnts schien ihre Kampagne, die USA dazu zu drängen, die Islamische Republik zu stützen, quer zur öffentlichen Meinung der USA  zu liegen  – bis Trump, nachdem er in Iran und Venezuela Blut geleckt hatte, schließlich einer Zusammenarbeit mit Israel bei einer Bombardierung des Irans zustimmte.

Auf in den Sumpf

Allerdings hat noch nie eine Luftkampagne allein erfolgreich einen Regimewechsel herbeigeführt. Hätte Trump aufgepasst, hätte er das ebenso erkannt wie einige andere fundamentale Fakten.

Der Iran ist fast viermal so groß wie der Irak und deutlich bergiger; das Gelände ähnelt dem Afghanistans. Afghanistan hatte 2001 etwa 22 Millionen Einwohner*innen, der Irak 2003 etwa 25 Millionen; der Iran zählt mehr als 90 Millionen Einwohner*innen, fast viermal so viele. Sollte Trump beschließen, eine Bodeninvasion zu starten – selbst eine begrenzte – wäre er wahrscheinlich bald gezwungen, immer mehr Truppen nachzuschicken, um die erste Einsatzwelle zu unterstützen.

Viele Amerikaner*innen sind verärgert, dass Trump einen weiteren vermeidbaren Krieg begonnen hat, der die Krise der Lebenshaltungskosten verschärft, ohne die Sicherheit der Amerikaner*innen zu erhöhen.

Trump und seine Regierung scheinen der Ansicht zu sein, dass die Kriege der USA in Afghanistan und im Irak gescheitert sind, weil die USA versuchten, „Nation Building“ zu betreiben und eine den USA freundlich gesinnte Regierung zu installieren. Das ist zwar einer der Gründe, warum die USA diese Kriege schlussendlich verlor, doch das Scheitern ist auch in der Natur einer ausländischen Besatzung angelegt: Die lokale Bevölkerung weiß, dass der ausländische Besatzer irgendwann aufgeben und abziehen wird.

Fast zwei Drittel der Amerikaner*innen glauben, dass Trump eine Bodenoffensive im Iran anordnen wird, und nur 7 Prozent befürworten einen solchen Schritt, wie eine aktuelle Umfrage von Reuters/Ipsos ergab. Eine Mehrheit der Bevölkerung glaubt, dass Israel mehr vom Krieg profitiert als die Vereinigten Staaten, wie eine von Data for Progress durchgeführte Umfrage ergab. Als Joe Kent aus Protest gegen den Krieg von seinem Posten als Direktor des National Counterterrorism Center zurücktrat, argumentierte er die USA würden einen Krieg im Namen Israels führen. 

Viele Amerikaner*innen sind verärgert, dass Trump einen weiteren vermeidbaren Krieg begonnen hat, der die Krise der Lebenshaltungskosten verschärft, ohne die Sicherheit der Amerikaner*innen zu erhöhen, während Kriegsverbrechen und Gräueltaten an der Zivilbevölkerung des Iran begangen werden. Sollte Trump eine Bodeninvasion starten, werden die Vereinigten Staaten wahrscheinlich auf unbestimmte Zeit darin feststecken, während er immer mehr Ressourcen und Menschenleben in den Fleischwolf des Krieges wirft.

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